Freiheit

17.06.2017 - 08:05 | a3redaktion

Vor dem Hintergrund des Reformationsjubiläums 2017 begibt sich die Lange Kunstnacht am 24. Juni auf eine Spurensuche zur Basis glücklichen Lebens: der Freiheit.

2017 jährt sich die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug, zum 500. Mal. Das Reformationsjubiläum wird in Augsburg mit zahlreichen Veranstaltungen begangen. Auch die Lange Kunstnacht, die heuer unter dem Titel »Die Lange Nacht der Freiheit« steht, wandelt in ihrem diesjährigen Schwerpunkt auf Luthers Spuren.

Von der Freiheit eines Christenmenschen

Mit Luthers Besuch 1518, um seine Thesen vor dem Kardinal zu widerrufen und der Confessio Augustana, die 1530 vor dem Reichstag von Melanchton verlesen wurde, besteht zwischen Augsburg und dem reformierten Glauben eine enge Verbindung. Diesen historischen Bezügen spüren Kurzstadtführungen zu Martin Luthers und Jakob Fuggers divergierenden Meinungen »Zur Freiheit des Geistes« nach (19:30, 20:30 und 21:30 Uhr, Römermauer am Dom). Unter dem Titel »Bist du sicher, Martinus?« hinterfragt Christel Peschke in der Rolle der Katharina Luther, geborene von Bora, den Reformator anhand des Theatertextes von Christine Brückner (19:15 und 20 Uhr, Antoniuskapelle). Bei der poetisch-musikalischen Reise »Ohne das Wort ist alles nichts« (19 und 20 Uhr, Diözesanmuseum St. Afra) nähern sich Zakedy2Wortlaut mit Texten und Klängen dem Werk Luthers.

Vom Annahof bis zum Rathausplatz wird sich bereits ab 16 Uhr die »Gasse der Freiheit« des Evangelisch-Lutherischen Dekanats erstrecken, auf der sich die Kirchengemeinden mit ihren Chören, Bands und Solisten sowie ihrer Arbeit präsentieren. Höhepunkt ist der Auftritt von Sarah Kaiser mit ihren neu komponierten Liedern zur Reformation und modernen Neubearbeitungen bekannter Choräle (22 Uhr, Rathausplatz). Hier wird am Folgetag auch der große Gottesdienst mit dem Bayerischen Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm stattfinden, mit dem das Wochenende als »Fest der Freiheit« endet.

Musik ist die Freiheit, laut zu fühlen

Musik versteht es, wie kaum eine andere Kunstform, der Freiheit und all ihren Facetten einen spürbaren Ausdruck zu verleihen. Die Augsburger Philharmoniker eröffnen die Lange Kunstnacht mit dem Chor der Gefangenen aus Beethovens »Fidelio« und spannen den Bogen zum zeitgenössischen »Towards Freedom?« des Komponisten Per Nørgård (18 Uhr, Goldener Saal, Zusatzticket erforderlich). Das Duo Rossel-Park interpretiert die Violinsonate »Frei aber einsam« für Joseph Joachim, komponiert von Brahms, Schumann und Albert Dietrich (20:30 und 21:15 Uhr, Drei Kaiser). Die fünf Sänger des Iso-Polyphonic Choir aus Albanien erzählen mit meditativen, transzendenten Tönen Geschichten von Armut, Stolz und Unterdrückung aus der wechselvollen Geschichte ihres Heimatlandes (20:15 und 21:30 Uhr, Goldener Saal). Der iso-polyphone Männergesang ist seit 2005 immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe.

Weite Wege in die Freiheit

Das Jahr 2015 wurde von Bildern unzähliger Menschen geprägt, die für den Weg in die Freiheit größte Risiken eingegangen sind. Über seine Flucht aus Afghanistan in seine neue Heimat München berichtet Hassan Ali Djan bei einer Lesung aus seinem Buch »Afghanistan. München. Ich.« (19:15 und 20 Uhr, Kresslesmühle). Gino Chiellino liest aus seinem Roman »Der Engelfotograf«, der in eindrucksvollen Bildern den harten Weg aus den kargen Verhältnissen Kalabriens schildert (19:45 und 20:45 Uhr, Schaezlerpalais). Dass ein großer Teil der Bevölkerung in der DDR über Jahrzehnte in Unfreiheit leben musste, daran hat Joachim Gauck in seinen Reden immer wieder erinnert. Stefan Schön liest unter dem Titel »als die Freiheit gekommen war…« aus der Rede des ehemaligen Bundespräsidenten zum Festakt des Jahrestages der Deutschen Einheit (21:30 und 22:15 Uhr, Schaezlerpalais). Die Geschichte von Unfreiheit, der Wunsch nach (innerer und äußerer) Freiheit sowie daraus resultierende Befreiungskämpfe, sind so alt wie die Menschheit selbst. Aus religiöser Sicht beginnt sie mit Adams und Evas Vertreibung aus dem Paradies, die humorvoll von Mark Twain erzählt wurde und nun von Karla Andrä, Jörg Stuttmann, Stephan Holstein und Josef Holzhauser musikalisch interpretiert wird (21:30 und 22:30 Uhr, Jazzclub). Das Ensemble für Frühe Musik spielt Kreuzzugslieder mittelalterlicher Liedermacher zur Befreiung Jerusalems (21 und 22 Uhr, Katharinenkirche) und das Duo ESZSE vollzieht mit dem Programm »Libertatem – Li(e)berTaten«, das bekannte Freiheitsreden kompiliert, einen Sprung ins Heute (19 und 19:45 Uhr, Holbeinhaus).

Kunst hinter Gittern

Erstmals in seiner Geschichte sind im Stadtgebiet Augsburg keine Straffälligen mehr in einem Gefängnis untergebracht. Wie sich der Freiheitsentzug ansatzweise angefühlt haben muss, kann zur Langen Nacht der Freiheit bei einem Besuch des Gefängnishofs der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Karmelitengasse erspürt werden. In einer Gemeinschaftsausstellung des Künstlervereins 38/40 und den Bunten e.V. werden die Gefängnismauern von 19 bis 22 Uhr zur temporären Ausstellungsfläche. Das Duo Markus Mehr und Sebastian »Dot« Birkl präsentieren hier zudem in einer Soundinstallation »Wiegenlieder aus Schurkenstaaten«. In der historischen Severinskapelle, die innerhalb der Gefängnismauern liegt, spielt Roland Götz Musik verfolgter Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts auf dem venezianischen Spinett (19, 19:45 und 20:45 Uhr).

Tickets sind im Vorverkauf zu einem Preis von 12 Euro (10 Euro ermäßigt) in der Bürger- und Touristinformation am Rathausplatz, im Theater Augsburg und in den Museen der Stadt Augsburg erhältlich. An der Abendkasse kostet der Eintritt 14 Euro (12 Euro ermäßigt). Für das Eröffnungskonzert wird ein Aufschlag von 4 Euro fällig. Das komplette Programm der Langen Kunstnacht finden Sie online unter:
www.langekunstnacht.de

Foto (Traber Produktion): Auf dem Elias-Holl-Platz erhebt  sich die Kletter-Knüpf-Performance »Heinz baut« . Mithilfe von 50 Holzstangen begibt sich der Künstler in schwindelerregende Höhen.

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