Hund im Kosmos

06.11.2017 - 07:11 | Jürgen Kannler

Der ukrainische Autor Serhij Zhadan gastiert am 10. November im Grandhotel Cosmopolis.

Poesie genießt in der Ukraine, gerade auch bei jungen Menschen, einen ungleich höheren Stellenwert als in Deutschland. Die Stars der Szene erleben dort eine Verehrung, wie sie bei uns, wenn überhaupt vergleichbar, Fußballern und Youtube-Sternchen entgegenschlägt. 13-Jährige fordern vor der Bühne Widmungen und Autogramme von ihren Helden und beim Applaus hält sich niemand zurück. Serhij Zhadan ist gegenwärtig einer der berühmtesten Autoren der Ukraine. Seine Bühnenpräsenz ist beachtlich, seine Performance überzeugend, selbst wenn man kein Wort im Original versteht. In Intensität und Bestimmtheit erinnert er bei seiner Bühnenshow an Henry Rollins, den ehemaligen Sänger von Black Flag und Pionier der Spoken-Word-Bewegung in den USA.

Serhij Zhadan wurde 1974 in der Kleinstadt Starobilsk geboren und wuchs in der Millionenstadt Charkiw auf. Dort studierte er Literaturwissenschaft, Ukrainistik und Germanistik und promovierte über den ukrainischen Futurismus. Seit den frühen 90er-Jahren entwickelte sich der Autor zu einer der prägenden Figuren der jungen ukrainischen Szene. Mit seiner Band Sobaky w kosmossi (Hunde im Kosmos) gelingt ihm ein Sound, der international funktioniert und bei Konzerten in ganz Europa auch live überzeugt.

Politisches Engagement und künstlerische Haltung sind für Serhij Zhadan untrennbar. Als Aktivist der Orangen Revolution organisiert er heute Hilfslieferungen und Kulturevents für die Menschen im Kriegsgebiet an der Grenze zu Russland. Diese Erfahrungen spiegeln sich in seinen Texten. Auch in seinem aktuellen Roman »Internat« spielt aktuelles Zeitgeschehen eine tragende Rolle. Ein Mann holt seinen Neffen aus dem Internat, das sich in einem Kampfgebiet befindet, zurück nach Hause. Doch wo ist dieses Zuhause und was ist es? »Internat« wird wie eine Reihe seiner bisherigen Romane und Gedichtbände bei Suhrkamp erscheinen.

Vergangenen September, beim Meridianfestival in Czernowitz, war er einer der ganz großen lokalen Helden und füllte mit seinen Lesungen und Konzerten locker die größten Kulturorte der Stadt. Die Macherin des Festivals, Evgenia Lopata, organisiert gegenwärtig eine Lese- und Konzertreise für Serhij Zhadan durch den deutschsprachigen Raum. Auf Einladung des Bukowina-Instituts gastiert der Autor am 10. November, 20 Uhr, im Augsburger Grandhotel. Die Lesung ist an diesem Abend zweisprachig, in Ukrainisch und Deutsch. Sie wird unterstützt von der a3kultur-Redaktion. Der Eintritt ist frei.

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