Eine Premiere zum Nachdenken

03.08.2017 - 10:56 | Janina Kölbl

Das Theaterstück »Traumwäscherei«, das im Rahmen des Artist- in –Residence- Projekts vom Regisseur Oleg Melnichuk im letzten Monat erarbeitet wurde, feierte am vergangenen Mittwochabend seine Premiere im Sensemble-Theater Augsburg.

Es gibt sicherlich einfacheres als ein Theaterstück zu inszenieren, das nicht die eigene Sprache spricht. Oleg Melnichuk vom Artist-in-Residence Projekt hat sich genau daran gewagt: Der Regisseur aus der Ukraine spricht nämlich kein Wort deutsch und hat uns trotzdem gezeigt, dass Sprache an Relevanz verliert, wenn es um ein Thema geht, das uns alle - jenseits von Nationalität - betrifft.

Das Stück nannte sich »Traumwäscherei« , welches im Rahmen des Friedensfestes stattfand und in Kooperation mit dem Hohen Weg e.V. steht. Im vergangenen Monat war es dann endlich soweit: Melnichuk erarbeitete das Stück, welches die gegenwärtige Fluchtthematik in den Fokus rückt, mit Hilfe seines Dolmetschers und Produktionsleitung Gianna Formicone.

Bei der Ur-aufführung am vergangenen Mittwochabend war den Ensemble-Schauspieler*innen Florian Fisch als »Adam« Daniela Nering als »Eva« und Birgit Linner als »Mephisto« der Schweiß aufgrund der hohen Temperaturen sichtlich ins Gesicht geschrieben. Und doc brachten sie die Kernproblematik der Flucht so gut und authentisch auf den Punkt, dass der Schweiß gut und gerne durch eine Träne getauscht werden konnte.

Es ging um die zentrale Frage nach Sauerstoff - dem Leben. Ein Glaskasten überdeckt mit Folie stellte den zentralen Luftraum der Bühne, die rot und grün beleuchtet war, dar. Adam und Eva sind auf der Suche nach Sauerstoff und kehren immer wieder in den Glas-raum zurück. Gleichzeitig beatmeten sie sich mit gelben Schläuchen - die Luft ist nämlich knapp. Adam fängt für Eva sogar immer wieder Sauerstoff in Plastik-tüten ein.

Mephisto, den Birgit Linner so wunderbar humoristisch inszenierte, möchte allerdings die Flucht beider verhindern. Doch er findet, wie die beiden anderen Protagonist*innen auch, am Ende des Stücks zu sich selbst. Da kommt es zu einer allgemeinen Reflexion: Jede*r von uns ist nur die Frucht eines Baumes, die er weiterträgt. Damit wir sie mit Würde weitertragen können, muss allerdings eines passieren: Die eigene Veränderung.

Das Stück, das vielmehr tiefe Gesellschafts- und Kapitalismuskritik darstellt als uns unterhalten zu wollen, wurde von zwei wunderbaren Gedichten von Rose Ausländer umrahmt. Und es brachte einen an diesem Abend mit Sicherheit zu einem: Zum Nachdenken.

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