Sounds of God

15.10.2017 - 08:01 | Martin Schmidt

»The Sounds of God« führt am Freitag, 20. Oktober, in einer spirituellen Musiknacht (20 bis 00:45 Uhr, martini-Park) die Klang- und Energieströme verschiedenster spiritueller Traditionen in ein gemeinsames Hören.

Ein spirituell-akustischer Hochkaräter sozusagen (sprich wörtlich: Gott sei Dank). Hier treffen aufeinander: christliche Sakralmusik aus Armenien, Sufimusik aus Pakistan, Musik der taoistischen Tradition Chinas sowie experimenteller Spiritual Jazz. Dabei führt das Festival zwei Protagonisten nach Augsburg, die jeder für sich die Ehre haben werden, im Frühjahr 2018 in der glossy Elbphilharmonie zu spielen. Nun kann man sich entscheiden: Elbphilharmonie oder martini-Park, und die Entscheidung ist klar: martini-Park.

Bei besagtem Elphikrone tragenden Musikeradel handelt es sich um das Gurdjieff Ensemble (Armenien) und Faiz Ali Faiz (Pakistan); nicht minder spannend aber wird der Auftritt von Wu Wei (China) & Ulrich Moritz mit Mariam Wallentin (Schweden) werden. Doch der Reihe nach: Das international gefeierte Gurdjieff Ensemble unter der Leitung von Levon Eskenian (ECM-Afficionados ein Begriff) bringt die Mystik armenischer Sakralmusik in ihrer melancholischen, sehnsuchtsvollen Klangaura zum Leuchten. Dabei kommen typische Instrumente der Region wie Oud, Kamancha, Zurna, Pogh und Tmbuk zum Einsatz: vorderasiatische Varianten von Laute, Streichinstrumenten, Doppelrohrblatt und Basstrommel. Aber auch mit dem sogenannten Burvar, einem Räuchergefäß mit Schellen, wird eine Brücke zu einer jahrhundertalten christlichen Musiktradition beschritten werden.

Der pakistanische Sänger Faiz Ali Faiz gilt als legitimer Nachfolger des legendären Qawwali-Virtuosen Nusrat Fateh Ali Khan. Qawwali ist eine tief in der mystischen Tradition des Sufismus verwurzelte Musikform, in der durch devotionalen Gesang Ekstase erstrebt wird. Tablas, rhythmisiertes Händeklatschen, Harmonium und Trancegesang begleiten Faiz Ali Faiz hierbei. Den Abschluss der bis 0:40 Uhr dauernden Musiknacht bilden Wu Wei & Ulrich Moritz zusammen mit Mariam Wallentin. Übt das übrige Setting von »The Sounds of God« den Dialog, so wagt diese chinesisch-deutsch-schwedische Fügung eine Synthese. Die spirituelle Suchbewegung via Musik ist hier mehrfach experimentell: Wu Wei, ein Meister der chinesischen Mundorgel Sheng, ringt seinem jahrtausendealten Instrument neue Techniken, Ansätze und Sounds ab. Der Perkussionist Ulrich Moritz (Berlin) fügt außereuropäisch geprägte Rhythmik und freie Improvisation hinzu. Exklusiv und erstmalig trifft ihr Klangamalgam im martini-Park auf die schwedische Sängerin Mariam Wallentin. Sie ist sowohl in der internationalen Avantgarde-Jazz-Szene als auch in der kontemporären experimentellen Popmusik zu Hause. »Ein großes Experiment, ein musikalisches Gipfeltreffen«, weiß die Presseinfo, und wir können sicher sein: Das stimmt. Sehr schön: Einführungsgespräch mit allen auftretenden Künstlern zum spirituellen Kontext der Musik um 18:30 Uhr im Foyer.

Foto: International gefeiert, demnächst in der Elbphilharmonie und jetzt im Oktober im martini-Park: Das Gurdjieff Ensemble unter der Leitung von Levon Eskenian spielt am Freitag, 20. Oktober, bei der hervorragend kuratierten spirituellen Musiknacht »The Sounds of God«. (Foto: Andranik Sahakyan)

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