Ein Augsburger Spezifikum

29. Mai 2017 - 9:28 | Iacov Grinberg

Der jährlich stattfindende Neubürgerempfang als effektives Instrument der Integration.

Es gibt viele Namen und Dinge, mit welchen man Augsburg von anderen Städten unterscheidet: Man spricht von Fugger, Mozart, manchmal von Diesel und auch vom Datschi. Es gibt jedoch ein Augsburger Spezifikum, das fast nie erwähnt wird und über das wenig bekannt ist – der Neubürgerempfang. Am 31. März fand er zum 13. Mal statt.

2005 hat alles begonnen. Das damals junge Bündnis für Augsburg, eine lose, aber effektive Vereinigung von Freiwilligen, organisierte seine Vollversammlung im Rathaus. Die Stadt stellte nur die Räume zur Verfügung. Auf Anstoß des damaligen Sozialreferenten Dr. Konrad Hummel wurde entschieden, auch 500 Neubürger, Menschen, die sich im Laufe des letzten Jahres in Augsburg ansiedelten, einzuladen.

Warum und wozu? Es war bekannt, dass Menschen in der heutigen Zeit sehr oft ihren Wohnort wechseln, um eine Arbeit zu bekommen. In Augsburg war damals nur ein Drittel der Einwohner hier geboren, andere sind aus anderen Gemeinden oder sogar anderen Ländern eingewandert. Für diesen Kreis war Augsburg keine Heimatstadt, in der man sich auskennt, es war nur ein Wohnort, in dem man vielleicht ein paar Dutzend Kollegen und Freizeitorte kennt. Nun gab es für diese Neuankömmlinge die Möglichkeit, sich mit ganz anderen Menschen zu treffen, die Stadt konnte sich hier von einer ganz anderen Seite für sie öffnen. Und die Freiwilligen, die ständig Gleichgesinnte suchten, hatten die Möglichkeit sich Menschen zu präsentieren, die sonst für sie kaum erreichbar waren.

Das hat sehr gut geklappt. Nicht nur die Freiwilligen stellten sich den Neuankömmlingen vor, auch alle Fraktionen des Stadtrates öffneten ihre Büros. Der Empfang entpuppte sich als voller Erfolg. Früher organisierte man ähnliche Empfänge in kleinen Gemeinden, damit Alteingesessene und neue Einwohner sich gegenseitig kennenlernen konnten. In einer Stadt mit über 100.000 Einwohnern war dies zum ersten Mal der Fall.

Der Neubürgerempfang wurde danach Jahr für Jahr wiederholt. Bis 2008 wurde er vom Bündnis für Augsburg, das damals zum Sozialreferat gehörte, organisiert. Danach wurde das Bündnis und die Organisation der Neubürgerempfänge an das Büro für Bürgerschaftliches Engagement, das im Referat des Oberbürgermeisters angesiedelt ist, übergeben. Die Zahl der eingeladenen Neubürger stieg und ist bis heute auf ca. 700 Teilnehmer begrenzt.

Im Laufe der Zeit hat sich der Neubürgerempfang etwas verändert. Von den Organisatoren des ersten Empfanges ist noch der Integrationsbeauftragte Robert Vogl geblieben. Mehr und mehr stellen sich bei diesem Empfang andere städtische Einrichtungen vor. Aber der Inhalt ist geblieben, der Empfang bleibt ein effektives Instrument der Integration, einer schnellen Eingliederung der Neuankömmlinge in das städtische gesellschaftliche Leben. Viele Teilnehmer bestätigten mir diese Tatsache in vielen Gesprächen, die ich während des Empfangs und danach führte.

Auch am 13. April 2018 wird es wieder einen Neubürgerempfang geben. Falls Sie Kollegen haben, die im Jahr 2017 nach Augsburg gezogen sind, werden diese im nächsten Jahr vom zuständigen Büro für bürgerschaftliches Engagement eine Einladung zum Empfang erhalten. Empfehlen Sie Ihnen, sich umgehend anzumelden, da die Teilnehmeranzahl auf 700 Personen begrenzt ist. Eine Teilnahme lohnt sich zweifelsohne. Sollte die Anmeldung dennoch zu spät eingehen, kann man an einer kostenlosen Stadtführung teilnehmen, die das Büro für Bürgerschaftliches Engagement als kleines Trostpflaster organisiert.

Weitere Positionen

17. August 2017 - 11:45 | Gast

Zu sehen sind Dokumente zu Frank Banholzer und Siegfried Weigl. Ein Beitrag von Michael Friedrichs

17. August 2017 - 11:10 | Dieter Ferdinand

Heinrich von Kleists »Der zerbrochne Krug« wurde am 15. August im Griechischen Theater Heretsried aufgeführt.

tobias_nink_kunstverein_augsburg_foto_bettina_kohlen.jpg
16. August 2017 - 12:07 | Bettina Kohlen

Merkwürdige Wesen bevölkern derzeit den Kunstverein Augsburg, geschaffen von Tobias Nink, einem jungen Bildhauer, der Möbel auseinandernimmt und neu konfiguriert.

ursula_buchegger_wolke_2017_foto_bettina_kohlen.jpg
15. August 2017 - 22:17 | Bettina Kohlen

Der große Obstgarten hinter der Buchegger-Villa im Thelottviertel wird jeden Sommer zum Terrain für eine Installation. Diesmal hängt zwischen den Apfelbäumen eine zartbunte Wolke.

15. August 2017 - 13:09 | Iacov Grinberg

Präsentation der Weinregionen entlang der Via Claudia mit der 1. Weinprämierung

9. August 2017 - 8:58 | Gino Chiellino

Für seine Kolumne »Deutsch richtig und gut« hat Gino Chiellino Begriffe gesucht, die er paarweise umschreibt, um zu zeigen, wie er sie anders versteht als seine Gesprächspartner. Teil 16.

8. August 2017 - 10:57 | Jürgen Kannler

Die Friedenstafel zum 8. August ist eine Erfolgsgeschichte. a3kultur-Reporter Iacov Grinberg sprach mit Thomas Weitzel, dem Initiator der sympathischen Großveranstaltung zum Abschluss des Hohen Friedensfestes.

3. August 2017 - 8:10 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Kinokolumne wird 40.

2. August 2017 - 8:14 | Martin Schmidt

Im Rahmen des Friedensfestes 2017 wollen sich auch das Büro für Popkultur und das Friedensbüro dem Thema Geschlecht, Sex und Gender widmen – und schenken Augsburg eine süße Torte Popdiskurs und queere Live- und Clubmusik

1. August 2017 - 8:01 | Martin Schmidt

Thomas Meinecke legt am Freitag, 4. August, im Anschluss an seine Lesung im Grandhotel Cosmopolis Platten auf.