Augusta Vindelicum

14. Juni 2017 - 13:36 | Felicitas Neumann

Welche Rolle spielen die Römer für Augsburg? Eine Spurensuche in der Römerstadt.

Augsburg existiert seit etwa 2.000 Jahren. Fast das gesamte erste Viertel davon nahmen die Römer für sich ein. Sie brachten das römische Alphabet, die Kunst des Lesens und Schreibens zu uns. Außerdem waren sie verantwortlich für die Grundlagen des Rechtssystems sowie der Religion und auch der Bischofssitz liegt sehr wahrscheinlich in der römischen Zeit begründet. Doch das ist noch lange nicht alles. Auch das Geldsystem fängt bei den Römern an.

»Augsburg trägt nicht nur den Namen des Kaiser Augustus, sondern war auch eine sehr lange Zeit unter römischer Kontrolle: Etwa 450 Jahre. Das ist eine große Zeitspanne, in der viel passieren kann. Denken Sie nur mal heute vier Jahrhunderte zurück.« Dr. Sebastian Gairhos, Leiter Stadtarchäologie

Von der Nordsee bis zur Sahara

Das römische Reich war gigantisch groß – und mit ihm sein Wirtschaftsraum. Ein einheitliches Münzwesen ist ausschlaggebend für den Handel und treibt die Wirtschaft voran. Für Augsburg spielte das eine wichtige Rolle. Denn Augsburg war nicht nur die Hauptstadt der Provinz Rätien, sie war auch die einzige richtige Stadt mit Verwaltungsrechten und Stadthaltersitz in dieser Region. Augsburg war die römische Metropole von Süddeutschland.

Die römische Epoche machte Augsburg reich und das ist auch im heutigen Stadtbild noch ersichtlich. Nahezu keine architektonischen Gebäude aus dieser Zeit sind in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, da die Stadt immer wieder überbaut wurde. Nur der Reichtum der Stadt konnte dies bewerkstelligen. Dennoch werden immer wieder Gebäudeteile gefunden, da auch damals schon Baumaterial recycelt wurde.

»Die gesamte urbanistische Neugestaltung Augsburgs mit Prachtbrunnen, Zeughaus, Weinsiegelhaus, Stadtmetzg oder auch dem Rathaus ist ohne das Wissen darum, dass Augsburg eine Gründung der Römer war, nicht denkbar. All diese Bauwerke und Brunnen spielen auf Augsburgs römi­sches Erbe an.« – Christoph Emmendörffer, Leiter Maximilianmuseum

Grabungen bedeuten gleichzeitig auch Zerstörung.Deshalb wird nur im Rahmen von Baumaßnahmen gegraben. Sollte archäologisches Kulturgut gefunden werden, muss dieses Schicht für Schicht ausgegraben und gesichert werden. Das bedeutet, die Funde werden nach einer Reihe von Bearbeitungsschritten im Depot eingelagert und sind somit für immer aus dem Stadtbild verschwunden. Gegraben wird aber immer nur so tief, wie für das Bauvorhaben nötig ist. So kann bewerkstelligt werden, dass späteren Generationen keine Informationsmöglichkeiten weggenommen werden. Denn Funde sind zu schützen und im Boden zu lassen – das nennt man Denkmalpflege. Und durch die erzwungenen Grabungen ist immer mehr als genug Forschungsmaterial vorhanden. Hierbei ist es sehr wichtig, jeden Fund genau zu dokumentieren – egal wie unersichtlich er scheint. Jeder Fund ist ein Puzzlestück, das vielleicht erst nach ein
paar Jahrzehnten Sinn ergibt. Zurzeit wird unter anderem in der Georgenstraße gegraben. Hier sind vor allem römische Steingebäude und ihre handwerklichen Einrichtungen wie Öfen zu finden.

Augsburg geht als Römerstadt unter

Augsburg ist die Stadt mit den meist gefundenen römischen Steindenkmälern in Bayern. Regelmäßig werden diese von anderen Städten ausgeliehen und als Hauptattraktion in ihrer Ausstellung präsentiert. Augsburg dagegen hat derzeit noch nicht einmal ein römisches Museum. Auch wenn das Bewusstsein der Römer-Vergangenheit in den Augsburger Köpfen vorhanden ist, das Potenzial wird nicht ausgeschöpft. »Wir haben nicht nur Steindenkmäler, sondern von allem etwas. In einem römischen Museum könnten wir eine Geschichte erzählen und die Menschen damit packen. Wir könnten langweilige Beschreibungen vermeiden, römische Lebenswelten visualisieren und authentische Bilder erzeugen,« so Sebastian Gairhos, Leiter der Stadtarchäologie.

»Wir besitzen in Augsburg zwar keine Porta Nigra wie in Trier – das Fehlen eines solchen Bauwerks wird jedoch mehr als wettgemacht von den im Boden eingelagerten Hinterlassenschaften aus 500 Jahren römischen Lebens in unserer Stadt. Diese sind zwar nur aufwändig ans Tageslicht zu befördern, aber genauso spektakulär.« – Manfred Hahn, Leiter Römisches Museum

Aber ein Museum ist wohl erst einmal nicht in Sichtweite (lesen Sie hierzu auch unser Interview »Neu aufstellen – Teil 1« mit Kulturreferent Thomas Weitzel auf www.a3kultur.de). Doch das neue Zentraldepot im Textilviertel ist ein Anfang. Es verbessert die Bedingungen für die empfindlichen Funde erheblich und somit auch ihre Erhaltung. Der Schutz des Kulturgutes steht an erster Stelle. Und die Interims-Ausstellung »Römerlager« in der toskanischen Säulenhalle des Zeughauses ist zwar klein, aber fein. Hier wandert man durch verschiedene Themenbereiche und erfährt alles über die Römer: das Zivilleben, den Handel, die Verkehrswege und vieles mehr.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de
www.facebook.com/Roemisches.Museum.Augsburg

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