Aus Sicht der Schöpfer

13. November 2017 - 12:42 | Iacov Grinberg

BBK-Mitglieder zeigen ihre beste Arbeit im Kulturhaus Abraxas.

Die Zusammensetzung der Objekte in einer Kunstausstellung ist natürlicherweise vom Geschmack und den Meinungen der Kuratoren/Juroren abhängig. Umso mehr, wenn es sich um eine Ausstellung handelt, die den stolzen Titel „Beste Kunst“ trägt, wie die, die am 12. November ihre Pforten im Abraxas geöffnet hat. Hier haben die Mitglieder des BBK selbst ihre Arbeiten ausgewählt, Werke, die aus ihrer Sicht zu ihren besten gehören. 87 Künstler*innen haben sich daran beteiligt.

Verschiedene Künstler*innen haben, wenn nicht verschiedene künstlerische Sprachen, dann mindestens verschiedene Dialekte. Es ist kaum zu erwarten, dass alle ausgestellten Arbeiten einem und demselben Betrachter gefallen können. Wenn ich sage, dass mir besonders die Arbeiten von Andreas Decke („Nass-grau“), Claudia Geßner („Erikas Geheimnis“), Jutta Hass („Metamorphose“) und Peter Schichtherle („Only a Clown“) gefallen, dann sagt das nichts über die Qualität der anderen Arbeiten aus, sondern vielmehr über meinen eigenen Geschmack, meine Vorlieben und meinen kulturellen Hintergrund. Im Auge eines anderen Betrachters können sie ganz anderes aussehen, was meine Gespräche mit den Besuchern der Vernissage bestätigt haben.

So hat der aus Stahldraht geschweißte und mich sehr erfreute „Faun“ von Waldemar Stimke bei anderen Betrachtern keine positive Einschätzung erhalten, wie auch der wunderbare „König der Asche“ von Alexandra Vassilikian und „Schwarzbrett Nr. 9“ von Nina Zelhofer. Unter verschiedenen Winkeln entstehen auf diesem Brett völlig verschiedene Gestalten.

Ein Paradebeispiel ist für mich „1917“ von Bernd Hohlen. Diese Arbeit sprang mir ins Auge, gleich beim ersten Rundgang, noch ohne eine Liste der Benennungen und Schöpfer in der Hand. Für mich war auf den ersten Blick klar, dass es um eine Anspielung auf die russische Revolution 1917 geht, die Gegenstände auf dem Bild waren ganz typisch. Für sehr viele Besucher der Vernissage, die über dieses Ereignis nur oberflächlich Bescheid wussten, war die Aussage des Bildes einfach unverständlich.

Es lohnt sich, diese Ausstellung anzuschauen, was noch bis zum 18. Dezember möglich ist. Man kann hier für verschiedene Geschmäcker, Vorlieben und kulturelle Hintergründe etwas Interessantes finden. Es spricht noch ein weiterer Grund dafür: Am 2. Dezember wird die Große Schwäbische Kunstausstellung eröffnet, in der die Arbeiten von vielen hier ausgestellten Künstlern gezeigt werden. Man kann vergleichen, was die Künstler und was die Jury als „Beste Kunst“ erachten.

www.kunst-aus-schwaben.de

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