Bekennerschreiben

28. Juli 2017 - 16:34 | Jürgen Kannler

OB Gribl verfügt Zensurbeirat für zukünftige Friedensfestprogramme, lässt die anderen Programmmacher unserer kleinen Fuggerstadt aber vorerst ungeschoren. Von Jürgen Kannler

Na danke, da versucht sich unser OB selbstbewusst als Innenminister nach München zu empfehlen und dann so was. Das Friedensbüro seiner Stadt holt Thorwald Proll, einst APO-Aktivist und verurteilter Kaufhausbrandstifter, 50 Jahre später Poet und Buchhändler, zur Diskussion zum Hohen Friedensfest – Festivalmotto 2017: Bekennen.

Hobby-Feuerwehrmann Gribl verschläft den brandheißen Termin über Monate und erwacht unsanft, als er sich von seinen CSU-Spezis fragen lassen muss, wie er, als Hoffnungsträger der Partei, einer Person mit dieser Lebensgeschichte ein Forum in seiner Stadt gewähren kann und sich im Programmheft auch noch mit den Worten zitieren lässt „Ein Bekenntnis abzulegen heißt heute … Fürsprache zu halten“. Kann ihm das nun als Bekenntnis zum Gesamtprogramm und damit auch für einen alten Revoluzzer wie Proll ausgelegt werden?

Schwierig. Wie soll Gribl sein Image als scharfer Hund in der CSU-Nachwuchsmannschaft polieren, wenn in seiner Stadt jeder macht, was er will, ihm keiner sagt, was geht und er sich anschließend, als brandneuer Chef des Bayerischen Städtetags wohlgemerkt, auch noch von einigen Jungen-Union-Rüpeln damit aufziehen lassen muss.

Das wird sich jetzt ändern! Mit all seiner Verfügungsgewallt verordnet Gribl dem Friedensbüro mit einem Bekennerschreiben fragwürdigen Charakters zukünftig eine Freigabe aller geplanten Programmaktivitäten durch die geballte Fachkompetenz der Mitglieder des Kulturausschusses. Warum aber nicht auch den Theaterleuten, wenn sie nicht spuren? Die Brechtianer stehen sowieso immer unter verschärfter Beobachtung. Und wer von den anderen präpotenten Programmmachern nicht kuscht, der wird in Zukunft noch mehr Blut und Wasser schwitzen, in der langen Zeit, die zwischen Antragsstellung und Förderbenachrichtigung liegt. So baut sich nur schwer ein guter Nährboden für Solidarität in den Kulturszenen der Stadt.

In der Zwischenzeit reibt sich der eigentliche Kulturchef der Stadt, Thomas Weitzel, verwundert die Augen. Die ohne das Kulturreferat vom OB gestartete „Verwaltungsverfügung“ hat das Potenzial eine der absurdesten Gribl-Aktionen in jüngster Vergangenheit zu werden. Man fragt sich, wer dem OB all diesen Unsinn einflüstert. Der Einfluss dieser Kreise auf den Politiker ist groß.

Vielleicht könnte dieser Einfluss aber auch einmal positiv genutzt werden. Zum Beispiel, um dem Herrn Städtetagvorsitzenden näherzubringen, dass Bayern seit bald 100 Jahren keine Monarchie mehr ist, auch wenn Gribl, wie zuletzt bei einem Festakt in der Augsburger Synagoge eine „königliche Hoheit von Bayern“ im Publikum begrüßt hat. Ebenso gut und lange wie auf die Monarchie können wir in Bayern auch auf den Zensurbeirat für Kulturfragen verzichten, der mit der Monarchie abgeschafft wurde und den der OB nun durch die Hintertür, zumindest in unserer kleinen Fuggerstadt, wieder einführen möchte.

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