Doppelte Perspektive

12. Dezember 2017 - 14:57 | Janina Kölbl

Die jüngste Inszenierung des Anglistentheaters, »Kindertransport«, feierte vergangenen Freitag seine Premiere in der Uni Augsburg.

»Kindertransport« ist ein frühes Werk der britischen Autorin Diane Samuels. Es wurde im April 1993 erstmals von der Soho Theatre Company am Cockpit Theatre in London aufgeführt. Seitdem wurde es weltweit in vielen Ländern erfolgreich auf die Bühne gebracht. Das Anglistentheater der Universität Augsburg, welches seit 1980 besteht und zweimal jährlich ein Stück in englischer Sprache aufführt, wagte sich an den schweren Stoff heran.

Diane Samuels beleuchtet in ihrem mehrfach ausgezeichneten Theaterstück das Schicksal eines deutsch-jüdischen Mädchens, das mit einem der Kindertransporte nach England kommt, aus historischer und zugleich gegenwärtiger Perspektive. Diese doppelte Perspektive von Eva Schlesinger, einer jungen Jüdin, wurde auf der Bühne durch zwei Parallelgeschichten aufgezeigt: Auf der rechten Seite spielt sich das Schicksal von Eva ab, sie wird durch die »Kindertransporte« nach England geschickt. Auf der linken Seite ist die Erwachsene Eva, nun Evelyn genannt. Die Tochter von Evelyn möchte die Vergangenheit ihrer Mutter erfahren.

Die Geschichten spielen in einem kontinuierlichen Wechsel, die Beleuchtung fällt abwechselnd auf die zwei unterschiedlichen und doch ähnlichen Geschehnisse, die über 40 Jahre trennen. Denn eine Person bildet die Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Evas »neue« Mutter Helga. Sie ist in beiden Geschichten zu sehen und verbindet die gegenwärtigen als auch die vergangenen Geschehnisse miteinander.

Das Stück zeigt die Abgründe auf, die junge jüdische Kinder von 1938 bis 1939 ertragen mussten. In dieser Zeit wurden sie nach den Pogromen zwar nach England gerettet, doch der Umzug in ein fremdes Land brachte für die Kinder auch Verzweiflung, Ausgrenzung, traumatisierende Erlebnisse und Scham mit sich. Ein wunderbar sehenswertes Stück, das einem sehr Nahe geht.

Weitere Aufführungen in der Universität Augsburg, Hörsaal II: 12. und 14. Dezember, jeweils um 20 Uhr.

www.student.uni-augsburg.de/gruppen/anglistentheater/

Weitere Positionen

21. Januar 2018 - 12:20 | Susanne Thoma

Ein gemeinwesenorientiertes Integrationsprojekt des Kulturpark West und des bfz ermöglicht Migrant*innen, Geflüchteten und Stadtbewohner*innen eine kreative, selbstständige Umgestaltung einer ehemaligen Kantine.

18. Januar 2018 - 13:18 | Susanne Thoma

Die erste Sitzung des neuen Kulturbeirats brachte nicht nur den Vorsitzenden Korbinian Grabmeier hervor, sondern ließ auch viel Engagement erkennen.

16. Januar 2018 - 13:30 | Dieter Ferdinand

Das Theater Augsburg präsentiert auf der Brechtbühne die deutsche Erstaufführung von »Das Kind träumt« des israelischen Dramatikers Hanoch Levin.

16. Januar 2018 - 9:03 | Renate Baumiller-Guggenberger

Erwartungen erfüllt: Internationale Ballett- und Tanzgala 2018 des Theaters Augsburg im martini-Park

14. Januar 2018 - 9:15 | Gast

Vier Eckpfeiler für das Kulturhaus Kresslesmühle. Ein Gastbeitrag von Dr. Margret Spohn, Michael Hegele und Anke Häusler.

13. Januar 2018 - 8:01 | Gast

Die Staats- und Stadtbibliothek ist heute die älteste noch bestehende Kulturinstitution Augsburgs. Ein Gastbeitrag von Dr. Karl-Georg Pfändtner

12. Januar 2018 - 8:01 | Gast

Erinnerung, Forschung, Vermittlung – das Jüdische Kulturmuseum 2018. Ein Gastbeitrag von Benigna Schönhagen

10. Januar 2018 - 8:38 | Gast

Was in Sachen UNESCO-Welterbe-Bewerbung 2018 alles geboten ist. Ein Gastbeitrag von Ulrich Müllegger

10. Januar 2018 - 8:16 | Gast

Das Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg unterhält seit kurzem eine Professur für historische Tasteninstrumente. Ein Gastbeitrag von Christoph Hammer

8. Januar 2018 - 8:15 | a3redaktion

Kaminski, Wasser, Barockmalerei – die Kunstsammlungen und Museen 2018. Ein Gastbeitrag von Christof Trepesch