Doppelter Gewinn

13. Juni 2016 - 11:33 | Renate Baumiller-Guggenberger

Glücklich, wer wenigstens noch einen Stehplatz ergattert hatte! Trotz früherer Bedenken, hat sich die Entscheidung zur »Doppel-Ballettgala 2016« für Ballettdirektor Robert Conn gelohnt, denn beide Vorstellungen im Großen Haus waren ausverkauft.

Damit gab es reichlich »Spitzentanz«-Genuss fürs Publikum und nach viel Organisationsarbeit den Gewinn fürs Theater. Die elf Gastsolisten vom Wiener Staatsballett, dem Portugiesischen Nationalballett Lissabon, dem New York City Ballet, dem »Les Balletts Trockadero« (Foto) und dem »Leonid Jacobson Ballett St. Petersburg« wurden gemeinsam mit dem Ballett Augsburg, das die Gala traditionell und stark mit Auszügen aus aktuellen Ballettproduktionen wie u.a. »Soto Danza« eröffnete und abschloss, mit Standing Ovations gefeiert. Wer auf hohem Niveau jammern will, könnte die Absenz etwa vom »Gauthier Dance«-Ensemble aus Stuttgart beklagen, das in den Vorjahren inmitten des klassischen »Pas de Deux« fixierten Programms die nötige Prise humorvolle Tanzinnovation und damit zeitgenössische Abenteuerlust beigesteuert hatte. Für eher subtil skurrile Momente sorgten diesmal mit makelloser Travestietanzkunst der bezaubernde Carlos Hopuy und sein, bzw. »ihr« Tanzpartner Paolo Cervello u.a. im Don Quixote- Pas de Deux. Beide sind Mitglieder der weltweit führenden »all-male Comic Ballett Company«, die seit 1974 Kultstatus erreicht hat.

Ein Wiedersehen gab es mit der virtuosen Maria Yakalowa aus Wien, die mit dem »Sterbenden Schwan« vollendet das Solo-Glanzstück jeder Ballettgala (wie schon 2012) präsentierte. Zuvor hatte sie in den »Flammen von Paris« den passenden Beitrag zur EM geliefert. Ihr sprungstarker Duopartner Denys Chefevychko eroberte mit französischer Lässigkeit zu Jaques Brels Chanson in einer »bourgeoisen« Charmeoffensive die Zuschauer. Dies gelang auch dem jungen russischen Tänzer Sergey Krylov, der sich mit der 1969 entstandenen Tanzminiatur »Vestris« auf die Spuren von Mikhail Baryshnikov und mitten in die Balletthistorie begab. Das nach dem Choreograf Leonid Jacobson benannte St. Petersburger Ensemble gastierte zudem mit Elena Chernova und Atryom Pykhachov im feinsinnigen »Rosenkavalierwalzer«. Intensiv und technisch präzise präsentierten Filipa de Castro und Carlos Pinillos das Lissaboner Ballettvermögen samt Paar-Spannungen sowohl klassisch (mit »Le Corsair«) als modern in der Kurzchoreografie »Roulette«.

Ein Highlight war die Augsburg-Premiere der Gäste des renommierten »New York City Ballet«, mit deren Gala-Engagement sich die Augsburger Ballettleitung einen Traum erfüllte. Traumhaft schwerelos, bisweilen überirdisch! Insbesondere galt dies für Balanchines Divertissement Pas de deux aus dem »Sommernachtstraum«, den die wundervolle Erste Solistin Sterling Hyltin an der Hand von Adrian Danching–Waring als Oberon mit ausgefeilter Spitzentechnik und höchst konzentrierter Hingabe an den Moment vereinte. Nach der Gala ist vor der nächsten Ballettpremiere »Nussknacker« in der neuen Spielzeit: der finale Wunsch, den das Moderatorengespann Armin Frauenschuh und Erich Payer an die Tanzfans richteten, wird ganz bestimmt erfüllt: »Folgen Sie unserem Ballett, wohin auch immer!«

www.theater-augsburg.de

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