Erinnerungsbänder und Stolpersteine

25. Januar 2017 - 9:28 | Patrick Bellgardt

In Sachen Erinnerungskultur geht Augsburg einen eigenen Weg.

Gemeinsam gegen das Vergessen – Die »ErinnerungsWerkstatt Augsburg«, ein seit 2012 bestehender Zusammenschluss von Initiativen, Institutionen und Privatpersonen, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Biografien von Opfern des Nationalsozialismus zu erforschen und zu dokumentieren. Dank zahlreicher Sponsoren und unzähliger Stunden bürgerschaftlichen Engagements konnten die bisherigen Ergebnisse dieser intensiven Recherche jüngst in Form eines Online-Gedenkbuchs veröffentlicht werden: www.gedenkbuch-augsburg.de

Doch auch im öffentlichen Raum soll die Erinnerung aufrecht erhalten werden. Die aus vielen Städten und Gemeinden bekannten »Stolpersteine« – ein deutschlandweites Projekt des Künstlers Gunter Demnig – trafen auch in Augsburg auf Zustimmung. Der eigens gegründete »Initiativkreis Stolpersteine« machte sich für diese quadratischen, in den Gehweg eingelassenen Gedenktafeln aus Messing stark. Bedenken kamen unter anderem von der Israelitischen Kultusgemeinde. Opfer würden mit Füßen getreten, so die Argumentation. Dementsprechend zögerte der Augsburger Stadtrat  mit einer bindenden Entscheidung zur Umsetzung. Unter Federführung einer 2014 einberufenen Expertenkommission, bestehend aus Mitgliedern der verschiedenen bürgerschaftlichen Initiativen, Vertretern der Opfergruppen, Stadträten und Historikern sollte zunächst ein alle Seiten zufrieden stellendes Konzept entwickelt werden.

Nach einem fast zweijährigen, intensiven Diskussionsprozess ist es gelungen, einen »Augsburger Weg« der Erinnerungskultur zu schaffen, welcher im Frühjahr 2016 in einem Stadtratsbeschluss mündete: Die Verlegung von »Stolpersteinen« auf öffentlichem Grund ist demnach grundsätzlich möglich – das Einverständnis noch lebender Angehöriger bzw. der Vertreter einer Opfergruppe vorausgesetzt. Darüber hinaus sieht der Beschluss weitere gleichberechtigte Formen des Gedenkens vor, ohne dass Personen oder Gruppen durch ein zu enges Konzept ausgeschlossen werden.

Dieser Entscheidung folgend, arbeitet die »ErinnerungsWerkstatt« daran, sogenannte »Erinnerungsbänder« im öffentlichen Raum anzubringen. Diese bronzefarbenen Metall-Manschetten sollen an bereits bestehenden Objekten im Straßenraum – Laternenmasten, Verkehrsschilder etc. – befestigt werden. Hierzu sucht die Initiative nach Paten, die das Projekt finanziell unterstützen möchten. Interessierte können per Mail unter kontakt@erinnerungswerkstatt-augsburg.de Kontakt aufnehmen. Im Mai sollen sowohl die ersten »Erinnerungsbänder« als auch die ersten »Stolpersteine« auf öffentlichem Grund verlegt werden.

www.erinnerungswerkstatt-augsburg.de
www.stolpersteine-augsburg.de

Das am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreite Konzentrationslager Auschwitz wurde zum Synonym für den Völkermord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden. 2005 erklärte die UN das Datum zum »Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust«. In Augsburg lädt die »ErinnerungsWerkstatt« in Kooperation mit der Stadt und weiteren Netzwerkpartnern zum dritten Mal zu einer Gedenkfeier. Die Veranstaltung im Oberen Fletz des Rathauses beginnt um 18 Uhr.

Foto: Ernst Lossa wurde am 1.11.1929 in Augsburg geboren. Seine Familie gehört den Jenischen an, eine Bevölkerungsgruppe, die vom NS-Regime verfolgt wurde. Als »Unerziehbarer« wurde er 1940 ins Erziehungsheim nach Markt Indersdorf,1942 in die Heilanstalt Kaufbeuren und 1943 in die Heilanstalt Irsee gebracht. Am 9.8.1944 wurde Lossa mit einer tödlichen Spritze ermordet.

Weitere Positionen

23. April 2018 - 11:18 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des dreiteiligen Ballettabends »Dimensions of Dance. Part 1« im Martini-Park mit Choreografien von Young Soon Hue, Ricardo Fernando und Mauro Bigonzetti.

20. April 2018 - 12:52 | Jürgen Kannler

Der Ministerpräsident kündigt an, das Theater Augsburg könnte unter staatliche Führung gestellt werden. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

19. April 2018 - 9:54 | Iacov Grinberg

Ausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler, »Urbane Landschaft«, im Abraxas

franziska_huenig_cmyyk_kunstverein_augsburg_2018_foto_bettina_kohlen.
17. April 2018 - 17:29 | Bettina Kohlen

Die Möglichkeiten in der Region aktuelle Kunst zu sehen, sind vielfältig. Manches läuft nur kurz, anderes (zu) lang, und natürlich ist nicht alles großartig … Doch diese drei Ausstellungen sollte man nicht versäumen.

13. April 2018 - 16:51 | Gast

In der Sonderausstellung »Brot. Nahrung mit Kultur« im Museum KulturLand Ries dreht sich alles um das sättigende Grundnahrungsmittel.

11. April 2018 - 9:08 | Thomas Ferstl

Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im April

11. April 2018 - 0:09 | Iacov Grinberg

Ein Besuch der Augsburger Frühjahrsausstellung »afa«, die noch bis 15. April besucht werden kann.

5. April 2018 - 10:21 | Dieter Ferdinand

»Eine Erinnerung ist eine Erinnerung ist eine Erinnerung?«: die Tora-Krone im Porträt

3. April 2018 - 10:24 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere der Romanadaption »Das Ungeheuer« von Terézia Mora in der alten Orchesterprobebühne des Theaters Augsburg

la_forza_del_destino_theater augsburg 2018_foto_jan-pieter_fuhr_0539.jpg
26. März 2018 - 16:25 | Bettina Kohlen

Intendant André Bücker hat Giuseppe Verdis »La forza del destino« für die Bühne im Martini-Park inszeniert.