Feine Linolschnitte und humorvolle Collagen

19. Februar 2017 - 0:10 | Iacov Grinberg

»Was die Hausfrau wissen soll«- Linolschnitte und Collagen bis zum 25. April im Café Dichtl

Die Stadtberger Künstlerin Andrea Gross ist in Augsburg freilich keine Unbekannte. Bei ihrer jüngsten Ausstellung »Was die Hausfrau wissen soll« hatte ich eigentlich Farb-Linoldrucke erwartet, denn sie arbeitet konsequent in dieser Technik und schildert mit sparsamen Schnitten in ihrer poetischen Manier tiefe menschliche Emotionen. Sie werden sowohl im Kaffeehaus Dichtl als auch in der Maxgalerie (Lichthof der Maxpassage, Maximilianstraße 14) präsentiert, die die früheren Ecke-Galeristen Anette Urban und Wolfgang Reichert führen.

Unerwartet für mich waren hingegen ihre Collagen mit Linolschnitten: Da sieht man fein aus Papier geschnitzte Figuren, die von einem Kochbuch aus 1931 inspiriert und teilweise mit Illustrationen und Texten aus diesem Kochbuch kombiniert wurden.

Heute, wo sich die kulinarischen Vorlieben und Geschmäcker der neuen Generationen an fernöstlichen Gerichten orientieren und traditionelle Getränke durch »Bubble-Tea«, Karottensaft oder Smoothie ersetzt werden, steht das alteingesessene Café als Bollwerk der klassischen hochwertigen Torten, Kuchen und Kaffee. Diese Arbeiten sind mit dem Duft der gutbürgerlichen Küche aus 1931 getränkt und werden gewürzt mit einer feinen Ironie- somit sind sie ideal für das Café in der Innenstadt.

Ich sehe sie auch als ein Pendant zu der Ausstellung »Desperate Housewives« im tim. Sie deuten an, dass auch in Zeiten, als eine Frau „nur“ einen Haushalt zu führen hatte, dies eine anstrengende, kraft- und zeitraubende Aufgabe war.

Eigentlich soll Ihre Aufmerksamkeit beim Besuch eines Kafeehauses auf Ihr Gegenüber oder zumindest auf Speisen und Getränke konzentrieren. Aber beim Besuch von Dichtl in der Maximilianstrasse 18 richten Sie Ihre Aufmerksamkeit bis zum 25. April bitte auch auf die Wände – es lohnt sich.

www.dichtl.de/kultur/index.php

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