Frauen sterben ärmer

7. März 2017 - 8:25 | Felicitas Neumann

Die Kulturamtsleiterin Elisabeth Morhard organisiert seit fast 10 Jahren den Internationalen Bobinger Frauentag. Vor über 100 Jahren entstand der Weltfrauentag im Kampf um Gleichberechtigung. Eine Gleichberechtigung, die bis heute nicht vollends erreicht wurde.

a3kultur: Wie ist der Bobinger Frauentag aufgebaut und was soll er bewirken?

Elisabeth Morhard: In den Anfangsjahren war der Weltfrauentag in Bobingen stärker politisch geprägt, doch gerade in den letzten Jahren wurde er breiter aufgefächert, weil ich glaube, dass dieser Tag Impulse liefern muss zu Lebensbereichen, mit denen Frauen täglich konfrontiert werden. Das politische Denken und Arbeiten ist dabei nur ein Aspekt neben vielen anderen Themen wie Beruf, Familie, Gesundheit, Gesellschaft. Wir versuchen alle Bereiche anzusprechen, die Frauen interessieren. Unsere Zielsetzung ist, dadurch den Frauen Impulse zu geben für ein erfülltes Leben. Deshalb sind im Programm dieser Veranstaltung sehr viele unterschiedliche Angebote aufgeführt. Viele mit einem echten Mehrwert, aber auch viele, die der Geselligkeit und Unterhaltung dienen.

Und genau das macht den Erfolg des Internationalen Bobinger Frauentages aus. Eine bunte Mischung an Programmpunkten bringt viele Menschen zusammen. Das zweite Ziel dieses Tages, das viele Frauen schätzen: das Netzwerken.

Der Frauentag steht allen Generationen und Nationen offen. Zwischen 20 und 80 – es kommen alle! Und das ist sehr schön. Für die Bewirtung beispielsweise sind verschiedene Frauengruppen zuständig. Eine türkische Gruppe sorgt für internationales Fingerfood, die Gruppe Café International, die sich aus den ehrenamtlichen Kreisen der Flüchtlings­betreuung gebildet hat, bereitet frischen Obstsalat und Säfte zu. Und es kommen keineswegs nur Bobinger Frauen zu dieser Veranstaltung. Auch Frauen aus dem Umland zieht sie an.

Das zeigt, dass es beim Thema Frau und Gleichberechtigung noch einiges an Handlungsbedarf gibt. Wo sehen Sie die drängendsten Probleme?

Die Altersarmut bei Frauen beispielsweise ist nach wie vor gegeben. Wenn Frauen sich von einem Mann abhängig machen und sich nicht früh genug absichern, kann das schnell zu einem Problem werden. Es gibt tatsächlich einige Frauen, die sich kulturelle Veranstaltungen nicht leisten können, und auch solche Frauen möchte ich ansprechen. Deshalb wird beim Bobinger Frauentag kein Eintritt verlangt.

Also: Ein Mann ist keine Altersvorsorge – doch das männliche Geschlecht ist hier ausnahmsweise mal nicht das Problem.

Auch heute noch entscheiden sich Frauen durch die Familienplanung, viele Jahre aus dem Job auszusteigen. Oft finden sie dann den Anschluss nicht mehr, arbeiten vielleicht nur in einem Teilzeitjob. Aber oft wagen Frauen aufgrund der großen Verantwortung den Schritt zurück ins Berufsleben auch gar nicht. Und wenn dann aus irgendeinem Grund der Mann plötzlich weg sein sollte, hat man meist Nachteile im Alter. Auch Frauen machen Fehler, indem sie Herausforderungen wegschieben und Chancen nicht er­greifen. Ein Tipp von Christine Bortenlänger, der Chefin des Deutschen Aktieninstituts, wie Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen sind: Die Kinder während des Studiums bekommen!

Was muss sich politisch ändern, um die Situation der Frauen zu verbessern?

In erster Linie müssen die Möglichkeiten gegeben sein, dass Frauen Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. In vielen Bereichen muss noch Aufklärung betrieben werden, wie eben bei der Vorsorge. Und: Die Frauen brauchen mehr Anreize! In den letzten Jahren hat sich da natürlich schon etwas getan. Doch den Frauen fehlt immer noch der Mut, die eigenen Visionen nicht unter den Tisch zu kehren. Deshalb laden wir zum Internationalen Bobinger Frauentag auch immer eine Hauptreferentin ein, die zeigen soll, dass man seine Vorstellungen vom Leben in jeder Lebenslage noch leben kann.

Am 10. März 2017 um 17 Uhr startet der Internationale Bobinger Frauentag in der Singoldhalle in Bobingen. Etwa 500 Frauen werden erwartet. Die Veranstaltung ist damit die größte ihrer Art im gesamten Landkreis. Selbstverständlich sind auch Männer herzlich eingeladen. Das komplette Programm finden Sie unter:
www.stadt-bobingen.de

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