Haus und Frau

17. Dezember 2016 - 4:31 | Bettina Kohlen

Künstlerinnen räumen auf – mit einem Klischee. Bis März ist im tim eine Ausstellung zu sehen, die die Rolle der Frau im häuslichen Umfeld beleuchtet.

Das Gewehr in der Hand, einen Maggiflaschen-Patronengurt umgehängt, steht sie selbstbewusst da – die Fotografie von Andrea Isa personifiziert die Furchtlosigkeit, alles andere als ein Heimchen am Herd. Das Gegenteil findet sich in den Arbeiten von Maria Ezcurra: Frauen, deren Kleidung sie zu Bügelbrettbezug oder Sofadecke macht, sie zum Haushaltsgegenstand degradiert. Ungeachtet aller feministischen und emanzipatorischen Errungenschaften hat sich im Grunde wenig geändert: die »Hausfrau« ist verschwunden, doch Haushaltsführung immer noch Frauensache. Und eine widersprüchliche Sache, denn ein Hausfrauendasein kann nicht nur als Gefängnis erlebt werden, es bietet auch Freiräume.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich 29 Künstlerinnen, die in ihren Arbeiten Aspekte wie Reinigung, Status, Wohnen oder Privatsphäre und Öffentlichkeit unter die Lupe nehmen. Sie tun dies mal ausgesprochen offensiv, mal spielerisch, verwenden Video, Fotografie, Objekt, (kaum) Malerei und Zeichnung; aber ebenso sticken, häkeln und nähen sie. Da treffen Geschirrfigurinen auf Hasendraht-Schlafzimmer. Stickbild und Häkellappen arrangieren sich mit Wohnobjekt und Schrank-Armee. Auch wenn nicht alles in gleicher Weise überzeugt – die Ausstellung verhandelt leichtfüßig, entlarvend und mit provokantem Witz ein gesellschaftlich relevantes Thema, zu dem jede(r) unausweichlich einen Bezug hat.

»Desperate Housewives? Künstlerinnen räumen auf« ist bis zum 12. März zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

www.tim.bayern.de

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