Hochkarätiges zu 500 Jahre Reformation

13. April 2017 - 12:00 | Dieter Ferdinand

Die Bibelausstellung »Unser Buch« präsentiert bis zum 13. Mai historische Kunstwerke und Dokumente an drei Augsburger Orten.

»Sie werden lachen: die Bibel!«, antwortete Bertolt Brecht 1928 auf die Frage einer Zeitschrift, welches Buch ihn am meisten inspiriert habe. Ein Großteil der Exponate der Ausstellung stammt aus dem Bibelmuseum in Washington. Sie beginnt im Rathaus mit der Entwicklung der Schrift. Die erste war die in Mesopotamien entwickelte Keilschrift. Zu bewundern ist etwa ein Fragment des Gilgamesch-Epos: »Traumepisode«. Aus dem Zweistromland kam Abraham, darum sind Thora-Rollen und hebräische Bibeln zu sehen. Bei der Ausstellungseröffnung begrüßte Rabbiner Dr. Henry Brandt, dass das Judentum vertreten ist. Er erwähnte auch den Islam als dritte abrahamitische Religion.

Von der Zeitenwende an wurden Neues und Altes Testament in sehr viele Sprachen übersetzt. Seit dem 15. Jahrhundert haben auch Reformatoren Übertragungen vorgenommen und damit etliche Landessprachen entwickelt. In St. Anna werden auf John Wicliffe zurückgehende englische Bibeln gezeigt.  Der 1415 in Konstanz verbrannte und leider nicht erwähnte Jan Hus schuf die tschechische Landessprache. Der Schweizer Huldrych Zwingli verwendete die Eidgenössische Kanzleisprache. Die vor allem in der reformierten Kirche gebräuchliche Zürcher Bibel ging aus seiner Übersetzung hervor. Martin Luther schuf mit seiner Übertragung in die Sächsische Kanzleisprache die weitest verbreitete deutsche Bibel. Mit ihr arbeiteten etwa Johann Sebastian Bach und der kirchenkritische Christ Johann Wolfgang von Goethe. Viele Weitere setzten sich mit ihr und Luther selbst  zustimmend oder kritisch bis ablehnend auseinander.

Durch die Erfindung des Buchdrucks konnten das »Buch der Bücher« und Flugschriften schnell unter dem Volk verbreitet werden. In der Kirche St. Anna steht eine alte Druckerpresse, die alle betätigen können. Dort sind auch zwei Filme zu sehen. Wer es meditativ liebt, ist eingeladen in die Moritzkirche unter dem Motto: »Mehr als Worte: Die Bibel und die Musik«.

www.unser-buch-augsburg.de

Foto (Irmgard Hoffmann): Neues Testament, erste Druckausgabe auf Arabisch, zweisprachig: bohairisch-koptisch und arabisch, Niederlande, 1616.

Weitere Positionen

27. Juli 2017 - 10:32 | Gast

Das diesjährige Friedensfestprogramm setzt sich mit den verschiedenen Facetten des Bekennens auseinander. Ein Gastbeitrag von Christiane Lembert-Dobler

26. Juli 2017 - 17:13 | Iacov Grinberg

Das Grafische Kabinett zeigt die Ausstellung »Der Pressezeichner Emil Stumpp – Pazifist und Chronist seiner Zeit«.

26. Juli 2017 - 8:49 | Iacov Grinberg

»Kahn & Arnold. Aufstieg, Verfolgung und Emigration zweier Augsburger Unternehmerfamilien im 20. Jahrhundert« im tim

24. Juli 2017 - 11:57 | Dieter Ferdinand

In den vergangenen Wochen beging die jüdische Kultusgemeinde das Jubiläum »100 Jahre Große Synagoge«.

23. Juli 2017 - 23:13 | Iacov Grinberg

Bilder voller Schönheit, nicht immer angenehmer menschlicher Natur und Widersprüche: »Schweinerei« von Reinhard Gammel in der Atelier-Galerie »le filou – uferlos«.

19. Juli 2017 - 14:10 | Bettina Kohlen

Eine Ausstellung im tim zeigt eindringlich den Aufstieg der Unternehmerfamilien Kahn und Arnold, dokumentiert Verfolgung und Entrechtung während der Nazizeit und entblößt die unzureichende »Wiedergutmachung« nach 1945.

simon annand_daniel craig 1999_csimonannand_salzundsilber.jpg
18. Juli 2017 - 16:02 | Bettina Kohlen

Daniel Craig macht bella figura – auch kurz vor einem Auftritt. Ihn und andere SchauspielerInnen hat der britische Theaterfotograf Simon Annand in ihrer Garderobe besucht.

18. Juli 2017 - 8:43 | Bettina Kohlen

Bauer und Fotograf – das ist eine ungewöhnliche Kombination, vor allem in den 1920er-Jahren, als Heinrich Förstner in Goldburghausen im Ries begann, sein Umfeld abzulichten.

17. Juli 2017 - 13:48 | Dieter Ferdinand

Das Junge Theater Augsburg inszeniert das Bürgerbühnenstück »Fromm und frei?! – Augsburger Bekenntnisse« im Bürgeramt an der Blauen Kappe.

15. Juli 2017 - 8:10 | Gast

Das erste re:flexions sound-art festival steigt am 22. Juli. Ein Gastbeitrag von Sascha Stadlmeier