Hölle der Hormongesteuerten

18. April 2016 - 16:42 | Felicitas Neumann

Drei Mütter im Kampf um ihr eigenes Ich: Das Sensemble Theater feiert die Uraufführung von Alexandra Helmigs »Frau Mutter Tier«.

Wer bin ich? Diese Frage stellen sich Jaggi, Tine und Ella nicht nur einmal in dem Stück von Alexandra Helmig. In einem Feuer aus Antworten wetteifern die Mütter darum, mitzuteilen, wer sie sind, nur um nach wenigen Sätzen in einen monotonen Chor zu verfallen und zu erkennen, dass sie niemand sind. Wie bei »1, 2 oder 3« kämpft sich immer eine Mutter dorthin durch, wo das Lichtlein brennt, dort, wo sie Aufmerksamkeit bekommt und sich der Welt anvertrauen kann. Die Monologe werden mit der Zeit immer ehrlicher und die Mütter zeigen nach und nach ihr wahres Ich, denn sie haben genug von den gesellschaftlich auferlegten Erwartungen an eine »gute Mutter«.

Jaggi, die Karrierefrau, die es in der Hölle der Hormongesteuerten nicht aushält und ihren Sohn nur süß fand, als er sich noch in ihr Leben integrieren ließ. Tine, die manchmal einfach lieber in eine Bar geht, um Bier zu trinken und Männer aufzureißen. Und Ella, die sich einredet, ein erfülltes Leben zu leben, mit ihren beiden Kindern aber überfordert ist und von ihrem Mann vernachlässigt wird.

Unter der Regie von Daniela Nering schaffen es Dörte Trauzeddel, Lisa Fertner und Kerstin Becke, das Publikum mit viel Witz und Selbstironie in ihren Bann zu ziehen. Mehrmals habe ich um mich herum folgenden Satz gehört: »So ging’s mir auch.« Und selbst ich, die noch keine Kinder hat, habe oft meine eigenen Gedanken und vielleicht auch Sorgen in dem Stück wiedergefunden. Mit der induzierten Selbstreflexion wird »Frau Mutter Tier« zu einem tiefgründigen Werk, das gleichzeitig erfrischend ist und nachdenklich macht. Alles in allem sehr authentisch!

Weitere Termine: 22. und 23. April, 29. und 30. April, 6., 7., 13., 27. und 28. Mai sowie 3. und 10. Juni.

www.sensemble.de

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