Hört her – Wir sind Mozartstadt!

16. Januar 2017 - 8:04 | Jürgen Kannler

Ein Besuch im Mozartbüro der Stadt Augsburg.

a3kultur: Vor wenigen Tagen ging die neue Homepage mozartstadt.de an den Start. Sie funktioniert, ist übersichtlich und listet bereits über 50 Netzwerkpartner. Wie wird man Partner der Mozartstadt?
Simon Pickel, Leiter des Augsburger Mozartbüros: Unser Ziel war es, ein Portal für die Klassikszene der Stadt zu schaffen. Für alle Gruppen, aber auch für Solisten, die sich um das Thema klassische Musik bemühen. Nach einer Vorrecherche wurden alle Kandidaten von uns angeschrieben und hatten damit die Chance, sich von Beginn an am Projekt zu beteiligen. Da wir aber nicht allwissend sind, kann es natürlich sein, dass wir jemanden übersehen haben. Alle, die in das Netzwerk aufgenommen werden möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden.

Auf der Seite sind Klassiktermine zum Teil bis weit ins Frühjahr hinein aufgeführt. Muss man als Partner seine Termine selber einpflegen?
Wir machen das. Ich glaube, dass unsere Partner einen gewissen Anspruch auf Service haben. Aber natürlich sind wir auch davon abhängig, was uns die Leute schicken.

Moderieren Sie auch zwischen den Partnern, wenn sich herausstellt, dass relevante Termine auf das gleiche Datum fallen? Zuletzt gab es eine unglückliche Terminüberschneidung bei den Open Airs der Konzerte im Fronhof und den Augsburger Philharmonikern. Auch im Dezember häufen sich die Termine. Da fallen die Konzerte der Domsingknaben und die des LMZ auf dasselbe Datum, und auch Ihr Büro bietet an dem Tag mit dem Format »Winternachtsmusik« ein attraktives Programm. Ist es sinnvoll, dass sich drei Netzwerkpartner am gleichen Tag um Publikum bemühen?
Warum nicht? Unsere Stadt hat 300.000 Einwohner, da können auch mehrere Konzerte an einem Tag stattfinden, zumal sie unterschiedliche Zielgruppen bedienen. Wir spielen Kammermusik für 300 Besucher im Kleinen Goldenen Saal, die Augsburger Domsingknaben sprechen ihr Stammpublikum an, das sehr kirchenmusikaffin ist.

Konkurrenz belebt auch das Klassikgeschäft?
Ja, absolut. Ich finde es schön, wenn es unterschiedliche Angebote gibt. Übrigens, man könnte bei dem genannten Beispiel zuerst in unser Konzert gehen und sich anschließend den zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums anhören. Ich sehe es eher positiv, wenn es in Augsburg ein großes Kulturangebot gibt. Solange man sich nicht absichtlich in die Quere kommt.

Und dennoch gehört es zu Ihren Aufgaben, zu moderieren, wenn sich im Vorfeld allzu offensichtliche Terminüberschneidungen ankündigen, wie bei den Klassik-Open Airs 2016.
Das ist ein Teil unserer Arbeit, ja. Im besten Fall wird unser Netzwerk dazu beitragen, dass diese Probleme in Zukunft keine wirkliche Rolle mehr spielen. Der Austausch zwischen den Partnern wird sich verbessern und dadurch können genau solche Überschneidungen vermieden werden. Dafür haben wir nicht nur eine neue Homepage, sondern bieten auch Gelegenheiten zum persönlichen Austausch der Partner in lockerer Atmosphäre und eben nicht als Arbeitstreffen.

Vor wenigen Tagen hat das Mozartbüro in eine Bar geladen, um das Programm des Mozartfestes 2017 vorzustellen und zu dem Termin auch gleich die neue Homepage an den Start gehen lassen. Ich war vom Rahmen und von der Atmosphäre angenehm überrascht. Wie kam die Veranstaltung bei Ihren Partnern an?
Vor allem der Austausch nach dem offiziellen Programm war ein Erfolg. Das freut mich natürlich, weil wir genau aus diesem Grund diese Mozart-Lounge veranstaltet haben, weg von der reinen Arbeitsebene, mit einem gemischten Publikum mit Leuten aus der Klassikszene, von der Presse und unserem ganzen Team.

Auch das Programm für das Deutsche Mozartfest 2017 hat einen entstaubten Eindruck hinterlassen, zeigt neue Ansätze und frischen Schwung. Gleichzeitig bestehen Sie darauf, dass eigentlich gar nicht viel geändert wurde. Hat dieser Spagat damit zu tun, dass Thomas Weitzel als Kulturreferent nicht nur Ihr Vorgesetzter ist, sondern in den letzten Jahren als Präsident der Deutschen Mozart-Gesellschaft auch für das Festivalprogramm verantwortlich war?
Wenn das ein Spagat ist, dann ist er nicht schwierig. Das, was Thomas Weitzel mir übergeben hat, ist auf ihre eigene Art eine ganz wunderbare Sache. Nun bin aber ich für das Mozartfest und die Mozartstadt da, und zwar 40 Stunden in der Woche. Dieser Zeitaufwand war Thomas Weitzel zuletzt nicht in diesem Maße möglich, aber er hat dafür gesorgt dass es nun möglich ist. Diese Chance möchte ich nutzen und meine eigene Handschrift einbringen.

Die Lust zur Erschließung neuer Publikumsschichten ist dem Programm anzumerken.
Ja, das ist richtig. Ich weigere mich zu glauben, dass es in Augsburg nur einen Markt für traditionelle Klassikkonzepte gibt.

Welche Konsequenz ziehen Sie daraus?
Zum Beispiel auch an Orte zu gehen, die einen anderen Zugang zur Musik ermöglichen. Manchmal kann so ein klassischer Konzertraum auch eine Zugangshürde für neues Publikum sein. Ich bin noch relativ jung und habe wohl eine andere Vorstellung davon, was ein zeitgemäßes Festival ausmacht, als manche älteren Kollegen. Darüber hinaus sind mein persönlicher Musikgeschmack und meine Auffassung davon, was in der heutigen Zeit gemacht wird und wer das künstlerisch verkörpern kann, entscheidend. Damit stehe ich nicht allein. Mit Max Hornung und Sarah Christian zum Beispiel habe ich zwei wunderbare Künstler mit an Bord, die sich auch programmatisch einbringen werden.

Diese Künstlergeneration will nicht nur auf der Bühne stehen, sondern selber am Programm mitarbeiten. Sie suchen nach Wegen, ihre Themen breiter zu vermitteln.
Ein progressives Programmkonzept ist inzwischen ein ganz wichtiger Schlüssel, um diese Künstler von einer Idee zu begeistern.

Inwieweit spielen lokale Künstler für Ihre Programmplanungen eine Rolle?
Ich stehe beim Festival zur Idee einer guten Mischung aus dem, was unsere Stadt und die Musikwelt darüber hinaus zu bieten haben. Da muss vor allem das Verhältnis stimmen. Es geht uns ja nicht um eine lokale Leistungsschau.

Wer das klassische Musikleben hier verfolgt, weiß, dass manche Veranstalter ihr Programm weitgehend für ein Stammpublikum machen. Es ist, als existierten verschiedene Klassikgalaxien parallel zueinander. Austausch scheint dabei nicht oberstes Prinzip zu sein.
Ja, das ist richtig. Es ist oft so, dass es in einer Stadt Ensembles gibt, die ihren Zielkreis und ihr gewachsenes Stammpublikum haben. Man kann gerade von kleineren Gruppen nicht erwarten, dass sie großartig neue Konzertkonzepte entwickeln und versuchen, damit etwas Umfassendes zu entwickeln, um neue Zielgruppen zu gewinnen.

Mit der neuen Homepage kam auch eine neue Vorverkaufsstrategie. Endlich gibt es über einen überregional etablierten Online-Anbieter Karten zu kaufen. Freie Programmmacher arbeiten schon seit Jahren mit solchen Partnern. Warum hat sich die Stadt mit diesem Schritt so lange Zeit gelassen?
Ich bin nicht angetreten, um das Rad neu zu erfinden. Ein Online-Verkauf ist etwas, was ein Kulturveranstalter inzwischen haben sollte. Ich möchte gar nicht sagen, warum das bislang immer schwierig war. Auf alle Fälle läuft der Vorverkauf sehr gut, auch bundesweit, und darauf kommt es im Endeffekt ja an. Hier merkt man, dass die Stadt eine gute Strahlkraft hat.

Wie pflegt die Mozartstadt diese Ausstrahlung, abgesehen von dem Portal?
Inzwischen nutzen wir erfolgreich soziale Medien wie Facebook. Wir möchten mehr junge Leute in die Konzerte bekommen. Darum gibt es zum Beispiel ein Ticket für 10 Euro für alle unter 28. Bei der Printwerbung setzen wir in erster Linie beschränkt auf die großen Fachmagazine.

Vor dem Deutschen Mozartfest im Mai steht im Februar noch das »Mozartfeschtle« auf dem Programm. Was steckt hinter diesem putzigen Titel?
Hier schaltet sich Carmen Groll ins Gespräch ein. Sie ist Teil des Mozartstadt-Teams, teilt sich mit Simon Pickel ein Büro und kümmert sich derzeit vor allem um das »Feschtle«.)
Carmen Groll: Wir wollen einen Tag schaffen, an dem die Mozartstadt nur für die Mozartstadt Programm macht. Beim Mozartfeschtle haben wir die Gelegenheit, zu zeigen, was in Augsburg passiert. Es wird musiziert, gebastelt, getanzt und gemeinsam gegessen, getrunken, eben gefeiert. An diesem Tag ist an vielen Orten im Domviertel etwas geboten. Aber eben nicht nur in unseren Stammhäusern wie dem Kleinen Goldenen Saal oder dem Rokokosaal. Musik wird auch im alten Stadtbad für die Schwimmer gespielt oder in der Straßenbahn für die Fahrgäste. So nebenbei vermitteln wir an diesem Tag klassische Musik. Wir wollen damit sagen: Hört bitte her, das alles gibt es in der Mozartstadt Augsburg, und ihr seid ein Teil davon und könnt einen Teil davon haben. Man muss dazu nicht unbedingt in einen Konzertsaal gehen.

www.mozartstadt.de

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