Im Fluss

19. Mai 2017 - 10:22 | Patrick Bellgardt

»Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst« – unter diesem Titel bewirbt sich die Stadt Augsburg um die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO. Ein Interview mit Ulrich Müllegger, dem Leiter des Bewerbungsbüros.

a3kultur: Im Oktober wurden Sie zum UNESCO-Koordinator ernannt. Zuvor waren Sie lange Jahre als Pressesprecher der Stadt Augsburg tätig. Ein inhaltlicher Neuanfang?
Ulrich Müllegger: Nein, das Thema war für mich nicht komplett neu. Im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurde ich immer wieder damit konfrontiert. Was für mich aber durchaus überraschend war, ist die Bandbreite, die das Thema Wasser mit sich bringt.

Sie leiten das neu geschaffene Bewerbungsbüro zum UNESCO-Welterbe. Wie ist das Büro organisiert?
Wir sind direkt beim Oberbürgermeisterreferat angesiedelt. Gleichzeitig ist Kulturreferent Thomas Weitzel der Fachreferent, mit dem wir am engsten zusammenarbeiten. Das Büro selbst wird von einer Assistentin und einer Geschäftszimmerkollegin komplettiert. Hinzu kommt eine Architektin, die zum Team gehört, fachlich aber beim Stadtplanungsamt angesiedelt ist. Darüber hinaus werden wir im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit vom Medien- und Kommunikationsamt unterstützt.

Das klingt nach einer stark referatsübergreifenden Zusammenarbeit.
Das Tiefbauamt ist dabei, wenn es um die Lechkanäle geht, das Hochbauamt ist betroffen, da der Stadt die Wassertürme am Roten Tor gehören – um nur zwei Beispiele zu nennen. Gleichzeitig muss ich den Kontakt zu privaten Ansprechpartnern halten, da nicht nur städtische Objekte in der Bewerbung eine Rolle spielen. Zu meinen Kernaufgaben gehört es, all diese Stellen zusammenzubringen.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Die Hauptaufgabe des Büros besteht darin, eine tragfähige Bewerbung auf die Beine zu stellen. In diesem Kontext arbeiten wir mit zwei externen Expertenbüros zusammen, die bereits Erfahrungen mit dem UNESCO-Weltkulturerbe gesammelt haben. Sie unterstützen uns maßgeblich bei der Abfassung des Antrags, der gut über 200 Seiten umfassen wird. Hinzu kommt ein Managementplan, in dem sich die Stadt Augsburg verpflichtet, wie sie mit dem hoffentlich künftigen Weltkulturerbe umgehen wird. Dabei geht es beispielsweise um den Erhalt der denkmalgeschützten Objekte, aber auch um die Interaktion mit der Bürgerschaft und den Gästen unserer Stadt – Stichwort: Besucherzentrum. Falls die Entscheidung zu unseren Gunsten fällt, verpflichten wir uns, in den nächsten vier, fünf Jahren eine solche Anlaufstelle einzurichten. Ein weiteres Beispiel wäre der Aufbau eines Wegweisungssystem, das Interessierte zu den 22 Weltkulturerbe-Objekten führt.

Die Vermittlung des Welterbes ist ein zentraler Auftrag der UNESCO. Wie holen Sie die Stadtgesellschaft mit ins Boot?
Hierzu laufen bereits jetzt vielfältigste Aktivitäten. Zurzeit veranstaltet die Stadt eine Vortragsreihe im Maximilianmuseum. Experten beleuchten dabei die unterschiedlichsten Aspekte rund um die Bewerbung. Vor wenigen Wochen haben wir in Zusammenarbeit mit der Universität eine Publikation mit Lehrmaterialien für Schulen herausgegeben. In Kooperation mit der Hochschule gibt es eine wissenschaftliche Ringvorlesung. Eine App und weitere Social-Media-Aktivitäten sind in Planung. Im Herbst findet ein Bürgertalk zur Bewerbung statt. Im Vorgriff auf das Besucherzentrum werden wir einen temporären Wasser-Showroom in der Innenstadt eröffnen. Sie sehen, in den nächsten Monaten wird noch einiges passieren.

www.augsburg.de/welterbe

»Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst« – unter diesem Titel bewirbt sich die Stadt Augsburg um die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO. Mit 22 repräsentativen Objekten – Brunnen, Kanälen, Wehren und Werken – soll dieser Schritt gelingen. a3kultur präsentiert Ihnen diese welterbewürdigen Denkmäler an Lech und Wertach, von Meitingen bis zum Siebentischwald. pdf-Download unter:
www.a3kultur.de

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