Kampf mit Gott um Volk und Glauben

4. Juli 2017 - 12:18 | Dieter Ferdinand

Unter der Gesamtleitung von Gereon Trier wurde in der Großen Synagoge Mendelssohns monumentales Oratorium »Elias« als Festkonzert aufgeführt (Bild: Foto Behrbohm, Augsburg).

Einen würdigen Abschluss der Jubiläumswoche »100 Jahre Große Synagoge« bildete die Darbietung von Felix Mendelssohn Bartholdys »Elias«. Erzählt wird der hochdramatische Kampf des Propheten gegen den Baals-Kult im Nordreich Israel um 850 v. Chr. König Ahab unterstützt diesen, auch das Volk huldigt dem Baal. Elias verkündet die Strafe Gottes für den Abfall vom Glauben: kein Tau, kein Regen mehr. Es kommt zum Gottesbeweis. Brandopfer werden dargebracht. Die Baalspriester rufen Baal: kein Feuer. Elias ruft den Herrn, seinen Gott: Feuer fällt vom Himmel. Das Volk glaubt wieder an den einen Gott. Elias fleht dreimal um Regen, es regnet. Ahabs Frau Isebel verleumdet den Propheten, sein Volk bedroht ihn. Er flieht in die Wüste, erschöpft und resigniert erbittet er seinen Tod. Am Lebensende fährt Elias in einem feurigen Wagen »mit feurigen Rossen« zum Himmel.

Felix Mendelssohn Bartholdys zweites Oratorium »Elias« (nach »Paulus«) wurde zum richtungweisenden Chorwerk der Romantik. Das Friedberger Kammerorchester füllte den Raum mit hochdramatischen und lyrischen Klängen. Das Augsburger Vokalensemble gab dem Volk mächtigen Ausdruck. Hell und klar verliehen die Frauen den Engeln ihre Stimmen, es klang wie aus der Höhe. Thomas Laske (Bass) als kämpfender und zweifelnder, betender und resignierender Prophet sang kräftig und lyrisch. Alle drei Solistinnen überzeugten ebenso wie Tenor Alfons Brandl. Glockenrein die Knabenstimme von Florian Nyncke, die Elias‘ Ruf nach Regen begleitete.
 
Felix Mendelssohn Bartholdy hätte sich gewiss gefreut, in der weithin schönsten Synagoge sein Oratorium  aufgeführt zu wissen. Der »Elias« war eines seiner letzten Werke. Am 26. August 1846 dirigierte er die Uraufführung in Birmingham, am 4. November 1847 starb er. Martin Buber schrieb am Lebensabend 1963 das Mysterienspiel »Elijah«. Er starb am 13. Juni 1965 in Jerusalem.

Stehende Ovationen nach dem Oratorium.

Thema:

Weitere Positionen

mit_dem_roller_zur_kunst_20180219_foto_bettina_kohlen.jpg
19. Februar 2018 - 19:59 | Bettina Kohlen

Man muss ja nicht mit dem Roller hin und alles auf einmal ist auch nicht nötig, aber zumindest einige dieser Ausstellungen sollte man sich gönnen. Sie lohnen alle einen Besuch.

19. Februar 2018 - 10:19 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des Theatermonologs »Klavierkind« von Sebastian Seidel im Mozarthaus

14. Februar 2018 - 10:59 | Dieter Ferdinand

Die ehemalige Synagoge Kriegshaber zeigt bis zum 17. Juni die Ausstellung »Eine Erinnerung ist eine Erinnerung ist eine Erinnerung?«

Foto: a3kultur
14. Februar 2018 - 8:06 | Gino Chiellino

Für seine Kolumne »Deutsch richtig und gut« hat Gino Chiellino Begriffe gesucht, die er paarweise umschreibt, um zu zeigen, wie er sie anders versteht als seine Gesprächspartner. Teil 19.

12. Februar 2018 - 9:18 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des neuen Ballettabends »Ballett? Rock It!« mit Choreografien von Riccardo De Nigris, Marguerite Donlon und Ricardo Fernando

8. Februar 2018 - 10:39 | Geoffrey Abbott

Das Theater Augsburg brachte Rufus Wainwrights erste Oper, »Prima Donna«, zur deutschen Erstaufführung im martini-Park.

5. Februar 2018 - 8:03 | Janina Kölbl

Freie Theater im Porträt: FaksTheater Augsburg

4. Februar 2018 - 21:11 | Iacov Grinberg

Im Münchener Haus der Kunst ist derzeit die Ausstellung »Procession« von Kiki Smith zu sehen.

3. Februar 2018 - 8:01 | Thomas Ferstl

Ein vielversprechender zweiter Monat des noch jungen Kinojahres 2018. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

1. Februar 2018 - 14:28 | Patrick Bellgardt

Sebastian Seidels »Lost in Transit« feierte seine Uraufführung in der neuen Studiobühne des Sensemble Theaters.