Kontrastreich

14. Dezember 2016 - 12:46 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des Ballettabends »(R)evolution« in der Brechtbühne

So recht bewahrheitete sich der Übertitel des aktuellen Ballettabends am Ende nicht. Mit bahnbrechend neuen Bewegungsqualitäten konfrontierte »(R)evolution« nur partiell, was den intensiven Beifall des Premierenpublikums jedoch nicht schmälerte. Wie oft bei »Mehrteilern« war der Neugier weckende Titel der Notwendigkeit geschuldet, unterschiedlichste Tanzkreationen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Für die vorletzte Premiere seiner Ära gewann Robert Conn vier Choreografen, die allesamt weithin anerkannte Meister ihres Fachs sind und über die gezeigten Schlüsselwerke den jeweils eigenen Umgang mit dem tänzerischen Erbe erlebbar machten. Damit ließ der Ballettabend kaum Wünsche offen, was Abwechslung oder die heute existierende stilistische Bandbreite und damit auch die unterschiedlichsten Ausdrucksmöglichkeiten des zeitgenössischen Bühnentanzes betrifft.

Nahezu das komplette und bestens aufgelegte Ensemble setzte der Belgier Jacques Lode ein, um im französischen Bistroambiente zehn Chansons seines berühmten Landsmanns zu einer kontrastreichen und charmanten »Brel-Suite« zu verknüpfen. Nicht zu kurz kamen in expressiven Soli die melancholische Note und die poetische Bildkraft der Chansons, die Lode gekonnt im Tanz illustrierte. Von Tarkovskijs Film »Stalker« ließ sich Mario Schröder, der nach Stationen in Würzburg und Kiel jetzt das Leipziger Ballett leitet, zu seinem Pas de Deux »Pour un clin d’oeil« (dt. Für einen kurzen Augenblick) inspirieren. Yun-Kyeong Lee und Alexander Karlsson trieben sich virtuos an die emotionalen (Schmerz)Grenzen, durchlebten Ekstase und Erschöpfung, Abhängigkeit und Ablösung. Ein atemraubender, hochkonzentrierter »Beziehungsprozess« in nur 20 Minuten, an dessen Ende die Spitzenschuhe flogen – tänzerisch grandios interpretiert!

Mit der einzigen Uraufführung des Abends »My Desert, My Rose« richtete Dominique Dumais (Co-Direktorin am Mannheimer Ballett) ihren Blick in einer explizit modern basierten Bewegungssprache auf die teils schwer zu enträtselnden Seelenlandschaften der vier schicksalhaft aneinander geketteten Protagonisten. Die tasteten suchend nach ihren Wurzeln in einer karg eingefärbten Welt, die mit dem »Sound of Silence« der Musikcollage Kälte und Einsamkeit suggerierte. Für Momente fanden sie im Anderen und dessen Umhüllung Trost oder Schutz. Hier blieb reichlich Spielraum für die individuelle Zuschauerinterpretation.

Im klassischen Kanon dagegen fühlt sich der vierte Gast, Krzysztof Pastor, zu Hause. Musikalisch stringent orientierte sich die an ein buntes Kaleidoskop erinnernde Struktur der »Adagio & Scherzo« übertitelten und handwerklich souveränen Choreografie an Schuberts spätem »Streichquintett in C-Dur«. Die akademische Note jedoch überwog und wirkte auf Dauer zu monoton, um zu begeistern.

Nächste Termine: 26. und 29. Dezember, 4., 14., 15., 21. und 22. Januar.

www.theater-augsburg.de

Weitere Positionen

17. August 2017 - 11:45 | Gast

Zu sehen sind Dokumente zu Frank Banholzer und Siegfried Weigl. Ein Beitrag von Michael Friedrichs

17. August 2017 - 11:10 | Dieter Ferdinand

Heinrich von Kleists »Der zerbrochne Krug« wurde am 15. August im Griechischen Theater Heretsried aufgeführt.

tobias_nink_kunstverein_augsburg_foto_bettina_kohlen.jpg
16. August 2017 - 12:07 | Bettina Kohlen

Merkwürdige Wesen bevölkern derzeit den Kunstverein Augsburg, geschaffen von Tobias Nink, einem jungen Bildhauer, der Möbel auseinandernimmt und neu konfiguriert.

ursula_buchegger_wolke_2017_foto_bettina_kohlen.jpg
15. August 2017 - 22:17 | Bettina Kohlen

Der große Obstgarten hinter der Buchegger-Villa im Thelottviertel wird jeden Sommer zum Terrain für eine Installation. Diesmal hängt zwischen den Apfelbäumen eine zartbunte Wolke.

15. August 2017 - 13:09 | Iacov Grinberg

Präsentation der Weinregionen entlang der Via Claudia mit der 1. Weinprämierung

9. August 2017 - 8:58 | Gino Chiellino

Für seine Kolumne »Deutsch richtig und gut« hat Gino Chiellino Begriffe gesucht, die er paarweise umschreibt, um zu zeigen, wie er sie anders versteht als seine Gesprächspartner. Teil 16.

8. August 2017 - 10:57 | Jürgen Kannler

Die Friedenstafel zum 8. August ist eine Erfolgsgeschichte. a3kultur-Reporter Iacov Grinberg sprach mit Thomas Weitzel, dem Initiator der sympathischen Großveranstaltung zum Abschluss des Hohen Friedensfestes.

3. August 2017 - 8:10 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Kinokolumne wird 40.

2. August 2017 - 8:14 | Martin Schmidt

Im Rahmen des Friedensfestes 2017 wollen sich auch das Büro für Popkultur und das Friedensbüro dem Thema Geschlecht, Sex und Gender widmen – und schenken Augsburg eine süße Torte Popdiskurs und queere Live- und Clubmusik

1. August 2017 - 8:01 | Martin Schmidt

Thomas Meinecke legt am Freitag, 4. August, im Anschluss an seine Lesung im Grandhotel Cosmopolis Platten auf.