Kunstrunde

16. Februar 2017 - 2:18 | Bettina Kohlen

Spazierengehen lässt sich ja sehr schön mit Kunstgenuss verbinden: Also los zu den aktuellen Ausstellungen in Augsburg – muss auch nicht am Stück sein …

Am Stephingerberg bespielt die Produzenten-Galerie Extrawurst eine ehemalige Metzgerei. Da hängt zwischen Wurstaufhängungen an falschen Marmorwänden gerade die Kunst von Michael Jackson. Der Brite mit Standort Augsburg präsentiert Arbeiten aus den Jahren 2004 bis 2015. Kleinformatige Genre-Szenen bieten Einblicke in das Haus seiner Eltern, in der alten Kühlkammer versammelt sich eine Armee winziger, anrührender Porträts. Seit einiger Zeit malt Jackson Landschaften, diffus beleuchtet mit verschwimmenden Konturen. Am spannendsten sind aber die bunten Monster-Ikonen – ohne Goldgrund, dafür mit einer ordentlichen Portion Glitter … »Mit Ecken und Kanten«: bis 12. März. www.galerie-extrawurst.de

In der Dominikanergasse kombiniert die Galerie Süßkind Schokolade, Kaffee und Kunst. Zur Zeit ist Eileen O’Rourke (eine Irin in Augsburg) mit drei Werkgruppen zu Gast. Ihre rätselhaft-abstrakten Prints basieren auf Zeichnungen, die, digital verfremdet, keinerlei Rückschluss auf das Ausgangsmaterial zulassen. Der Besuch lohnt vor allem wegen einiger (lebens-)großformatiger Figuren, die O’Rourke mit Graphit aufs Papier zeichnet, laviert und wischt – expressiv, suchend und eindringlich. »GehFühl«: bis 18. März www.galeriesuesskind.de

Die »Rhapsody in Blue« in der Galerie Noah im Glaspalast vereint Werke von 20 Künstlern aus dem Bestand der Galerie, deren gemeinsamer Nenner (mehr oder weniger) die Farbe blau ist. Ob das als Konzept ausreicht, darf man bezweifeln, doch es ist eine Freude, in den großzügigen Räumen umherzuwandern. Auch sind die einzelnen Arbeiten durchweg qualitätvoll, wie beispielsweise Harald Gnades großformatige »Micromeere«. Wenn man schon mal im Glaspalast ist, sollte man unbedingt noch(mal) die hervorragende Schau »Not Here Yet« im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst besuchen. »Rhapsody in Blue«: bis 2. April www.galerienoah.com

In der Galerie im Höhmannhaus untersuchen drei Künstler die Beziehungen von Ort und Zeit – klar und sehenswert! Jakob Krattiger hat den Rückbau des NCR-Gebäudes und die damit verbundenen atmosphärischen und räumlichen Veränderungen dokumentiert und markiert. Eri Kassnel erinnert in ihrer Videoarbeit Unorte – ein Sendersuchlauf zur »Rückkehr ins Paradies«. Gerald Fiebigs Toncollage verknüpft das Werk der beiden anderen Künstler mit dem Ausstellungsort: Aufnahmen aus Kassnels Heimatstadt, eine Fahrt vom NCR-Haus zum neuen Firmensitz und das Geschehen während der Vernissage führen weit auseinander liegende Orte und Zeiten akustisch zueinander. »Ortsverschiebungen«: bis 26. März www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Hank Schmidt in der Beek lässt im Kunstverein Augsburg die Peanuts, Dick und Doof oder die Schlümpfe auf bekannte Kunstwerke los (Foto). Die klettern auf Akte, hängen an Huträndern, machen die Ikonen zum Spielplatz und Lebensraum – ein fabelhafter Perspektivenwechsel der schrägen Art, der einen frischen Blick auf Kunst und Comic öffnet. Dazu kommen wunderbar absurde Pleinair-Konstrukte aus Inszenierung, Malerei und Fotografie. Am 17. März ist der Künstler als Poet zu erleben. »Die brennenden Giraffen«: bis 30. April www.kunstverein-augsburg.de

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