Die Lese-Inseln – eine Erfolgsgeschichte

26. März 2018 - 13:15 | a3redaktion

Am 17. Mai eröffnet Augsburgs zehnte Lese-Insel in der Wittelsbacher Grundschule. Der Grundstein für das Erfolgsprojekt der modernen Schulbücherei wurde mit der Einrichtung der ersten Lese-Insel vor acht Jahren gelegt.

Inselbesucher*innen kommen seitdem an Grund- und Mittelschulen im gesamten Stadtgebiet zu ihrem Lesestoff. Um dies zu feiern, fand am 23. März ein Festakt in der Neuen Stadtbücherei statt. Dieser ist außerdem Anlass für eine a3kultur-Sonderveröffentlichung, in der wir die Geschichte der Lese-Inseln erzählen und einige ihrer Unterstützer*innen vorstellen.


Das Projekt »Lese-Inseln« ist außergewöhnlich. Durch das große Engagement eines kleinen Vereins, der Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V., und seinen Partner*innen entstanden in acht Jahren zehn moderne Schulbüchereien.

Können Sie sich noch erinnern, wie sich viele engagierte Bürgerinnen und Bürger eine neue Stadtbücherei erkämpft haben? 2005 hatte die »Offensive für die neue Stadtbücherei Augsburg« ihr Bürgerbegehren offiziell gestartet. Die Aktion war ein voller Erfolg: Innerhalb eines halben Jahres wurden knapp 14.000 Unterschriften gesammelt, was die Stadtregierung dazu brachte, eine neue Stadtbücherei zu bauen. Sie wurde 2009 von den Augsburger*innen begeistert angenommen.

Das Team der erfolgreichen Initiative legte nach Erreichen ihres Ziels nicht zufrieden die Hände in den Schoß, sondern gründete die Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V. mit dem Ziel, dieses wunderbare, topmoderne, viel bestaunte und bestens besuchte Haus in seiner Lebendigkeit, Weltoffenheit, Leistungsstärke und Attraktivität zu unterstützen. Neben der Förderung des literarischen Lebens hat sich der Verein in enger Abstimmung mit dem Bibliothekskonzept und den Mitarbeitern der Stadtbücherei ein ganz großes Ziel gesetzt: die Steigerung der Lesemotivation und Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen – auch über Sprachbarrieren hinweg – einerseits durch die Förderung entsprechender Maßnahmen und Angebote in der Stadtbücherei und andererseits dort, wo das Lesenlernen beginnt und intensiviert wird: in den Grund- und Mittelschulen der Stadt.

Die Bestandsanalyse der Schulbibliotheken war ernüchternd, in vielen Fällen der Handlungsbedarf evident, der Bedarf an Unterstützung, Neuorganisation und Entwicklung riesig – das war für die Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V. eine große Herausforderung. Sie legten mit beachtlicher Dynamik los: Fachberater, Mitglieder, Freunde, Förderer, Sponsoren, Verantwortliche bei der Stadt- und Schulverwaltung sowie in der Politik galt es für das ambitionierte Projekt »Lese-Inseln« zu gewinnen. Der Verein brachte alle zusammen, die sich dem Thema Leseförderung verschrieben haben – Schulleiter*innen, Bibliotheksausstatter*innen, Lehrkräfte und Ehrenamtliche, das bibliothekarische Know-how der Stadtbücherei ebenso wie das pädagogische von NetzwerkLESEN.

Seit 2010 konnten die Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V. den Lese-Inseln über 200.000 € zur Verfügung stellen.

Die Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V. haben ein starkes Netz geknüpft. Für die finanzielle Unterstützung wurden bedeutende Sponsor*innen gefunden, die nicht nur einmalig die Einrichtung einer Lese-Insel mitfinanzierten, sondern sich dauerhaft in vorbildlicher Weise engagieren. Seit 2010 konnten die Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V. den Lese-Inseln über 200.000 € zur Verfügung stellen. Damit wurde nicht nur die Erstausstattung finanziert: Neben der Einrichtung und Medienbeschaffung für die Lese-Inseln sind mit der Aufwendung auch der weitere Betrieb sowie Ergänzungen und Erneuerungen gewährleistet.

Die Leistungsbilanz ist unglaublich: Es entstanden in acht Jahren nicht nur zehn attraktive, miteinander und mit der Stadtbücherei intensiv kooperierende Schulbüchereien nach modernsten bibliothekarischen und medienpädagogischen Aspekten, sondern auch eine vom Bildungsreferat der Stadt neu eingerichtete, fachlich besetzte Servicestelle für Schulbibliotheken. Sie hat als Schnittstelle zwischen Schulen und Stadtbücherei die wachsenden Aufgaben koordinierend übernommen.

In acht Jahren entstanden zehn attraktive, leistungsfähige, miteinander und mit der Stadtbücherei intensiv kooperierende Schulbüchereien.

Das Projekt »Lese-Inseln« ist herausragend, weil es bürgerliches Engagement erfolgreich mit dem kommunalen Engagement für eine zukunftsweisende Bibliotheks- und Bildungslandschaft verbindet. Und das Projekt »Lese-Inseln« ist preiswürdig! 2014 und 2016 wurde die Stadtbücherei mit dem Gütesiegel »Bibliotheken – Partner der Schulen« ausgezeichnet. Gewürdigt wird dadurch das Engagement von Bibliotheken bei der Kooperation mit Schulen in den Bereichen Leseförderung und Vermittlung von Informationskompetenz. Und das große Engagement eines kleinen Vereins, der Freunde der Neuen Stadtbücherei? Auch das wurde gewürdigt – mit dem City-Preis Augsburg 2013.

Können die Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V.  jetzt zufrieden sein? Nein – natürlich nicht, denn es gibt noch weit über 20 Grund- und Mittelschulen in Augsburg ohne Lese-Inseln. Das heißt, weitere aktiv und passiv engagierte Mitglieder, Förderer und Sponsor*innen sind herzlich willkommen. (Inga Gölitz)

Mehr Infos unter: www.neuestadtbuecherei.de


Was sind Lese-Inseln?

Lese-Inseln sind moderne Schulbüchereien, die an fünf Kriterien erkennbar sind: Raumgestaltung, Buchangebot, technische Ausstattung, ehrenamtliches Engagement sowie Vernetzung. Bei der Planung des Projekts zur Leseförderung wurde ursprünglich auf das Konzept von Klaus Dahm aus der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen München zurückgegriffen – es wurde jedoch individuell an die Augsburger Schulen angepasst und verändert.

Die Raumgestaltung macht die starke Anlehnung der Inseln an die Neue Stadtbücherei deutlich, die in ihrer Anmutung wie Zweigstellen wirken. Als Wiedererkennungswert findet man in den Lese-Inseln dasselbe lebendige Farbkonzept, eine angemessene Raumgröße für mindestens eine Schulklasse und flexibles Mobiliar z.B. durch verschiebbare Sitzgelegenheiten und Regale, um je nach Situation das geeignete Lernszenario zu schaffen. Außerdem liegen die Lese-Inseln an einem zentralen und besonders attraktiven Schulort.

Der Bestand der einzelnen Lese-Inseln wird nach pädagogischen und literarischen Aspekten zusammengestellt und ständig aktualisiert. Er umfasst aktuelle Kinder- und Jugendliteratur, Sach- und Bilderbücher, Ting- und tiptoi-Bücher, Hörbücher und -spiele sowie Klassensätze und hat dabei die gleiche systematische Ordnung wie die Stadtbücherei.

Lese-Inseln sind moderne Schulbüchereien, erkennbar an Raumgestaltung, Buchangebot, technischer Ausstattung, ehrenamtlichem Engagement und Vernetzung.

Das Medienangebot der Lese-Inseln ist den unterschiedlichen Bedürfnissen der jeweiligen Schulen angepasst und austauschbar. Professionelle Pflege der Medien, koordinierte Neuanschaffung und kontinuierliche finanzielle Ausstattung sichern den Erhalt, die Attraktivität, die Aktualität und die Weiterentwicklung des Angebots.

Es sind vor allem aber die ehrenamtlichen Helfer*innen, welche die Nutzung der Lese-Inseln erst möglich machen. Zu zuverlässigen Öffnungszeiten können die Vorteile der Lese-Inseln so ausgetestet werden. (Tanja Selder)


Nicht nur die Mitarbeiter*innen in den Büchereien profitieren von der datronic-Software

Um die Lese-Inseln attraktiv und vielfältig nutzbar zu gestalten, muss eine umfangreiche technische Ausstattung gewährleistet werden. An jeweils vier Computerarbeitsplätzen können die Schüler*innen die Literatursoftware »Antolin«, die Lernplattform »Scoyo« oder das Internet zur eigenen Recherche nutzen. Beamer und Leinwand machen zudem das Schauen von animierten Bilderbuchkinos per »Onilo« möglich.

Statt mit Karteikarten zu hantieren, ist das Ausleihsystem per PC auf dem neuesten Stand und erleichtert die Ausleihverwaltung in der Bücherei enorm. Dafür nutzen die Lese-Inseln die Cloud-Software »WinBIAP« des Augsburger IT-Unternehmens datronic, die einfach und selbsterklärend bedient werden kann. Die Kooperation zwischen datronic und den Schulbüchereien geht dabei weit über eine reine Lieferanten-Kunden-Beziehung hinaus; datronic fördert die Lese-Inseln und die Freunde der Neuen Stadtbücherei Augsburg e.V.

Auch die Leser*innen können mit dem Online-Katalog »ihrer« Bücherei direkt umgehen. Der sogenannte WebOPAC bietet eine individuell gestaltete Oberfläche, wo sie alle Informationen über Aktivitäten und Veranstaltungen rund um ihre Bücherei finden. Im Katalog kann man in den gelisteten Medien stöbern. Im Leserkonto sind Informationen über Entleihungen, Vorbestellungen, Fristen und Gebühren hinterlegt.

Mehr Infos unter: www.datronic.de

Foto oben: Kinder der Grundschule Kriegshaber lassen ihre 2016 frisch eingeweihte Lese-Insel hochleben. (Foto: Grundschule Kriegshaber)

Thema:

Weitere Positionen

20. April 2018 - 12:52 | Jürgen Kannler

Der Ministerpräsident kündigt an, das Theater Augsburg könnte unter staatliche Führung gestellt werden. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

franziska_huenig_cmyyk_kunstverein_augsburg_2018_foto_bettina_kohlen.
17. April 2018 - 17:29 | Bettina Kohlen

Die Möglichkeiten in der Region aktuelle Kunst zu sehen, sind vielfältig. Manches läuft nur kurz, anderes (zu) lang, und natürlich ist nicht alles großartig … Doch diese drei Ausstellungen sollte man nicht versäumen.

13. April 2018 - 16:51 | Gast

In der Sonderausstellung »Brot. Nahrung mit Kultur« im Museum KulturLand Ries dreht sich alles um das sättigende Grundnahrungsmittel.

11. April 2018 - 9:08 | Thomas Ferstl

Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im April

11. April 2018 - 0:09 | Iacov Grinberg

Ein Besuch der Augsburger Frühjahrsausstellung »afa«, die noch bis 15. April besucht werden kann.

5. April 2018 - 10:21 | Dieter Ferdinand

»Eine Erinnerung ist eine Erinnerung ist eine Erinnerung?«: die Tora-Krone im Porträt

3. April 2018 - 10:24 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere der Romanadaption »Das Ungeheuer« von Terézia Mora in der alten Orchesterprobebühne des Theaters Augsburg

la_forza_del_destino_theater augsburg 2018_foto_jan-pieter_fuhr_0539.jpg
26. März 2018 - 16:25 | Bettina Kohlen

Intendant André Bücker hat Giuseppe Verdis »La forza del destino« für die Bühne im Martini-Park inszeniert.

26. März 2018 - 10:24 | Iacov Grinberg

Franziska Hünig präsentiert ihre Ausstellung »CMYYK« im Kunstverein Augsburg im Holbeinhaus.

26. März 2018 - 9:55 | Janina Kölbl

Freie Theater im Porträt: Klexs Theater