Luther und der Wulff

11. Januar 2017 - 14:05 | Martin Schmidt

Das Lutherjahr führt für Januar den Bundespräsidenten a.D. Christian Wulff nach Augsburg. Zahlreiche Veranstaltungen feiern bis in den Oktober 500 Jahre Reformation.

Von Oktober 2016 bis Oktober 2017 – dem zwischen den jeweiligen Reformationsgedenktagen angesetzten Lutherjahr 2017 – finden unter dem  Motto »Mutig bekennen – friedlich streiten« zahlreiche Veranstaltungen zum Jubiläum »500 Jahre Reformation« statt. Den Auftakt bildete im Herbst vergangenen Jahres die 6. Jahrestagung zum Augsburger Religionsfrieden. Die Feierlichkeiten des Kalenderjahres 2017 läutet nun die Einladung von Christian Wulff ein.

Der Bundespräsident a.D. wird am Mittwoch, 25. Januar, im Augsburger Rathaus zu Gast sein. Im Rahmen der Redereihe »Zusammen leben – Augsburger Reden zu Vielfalt und Frieden in der Stadtgesellschaft« wird Wulff im Goldenen Saal zum Thema »Demokratie braucht persönliche Bekenntnisse: Damit Zusammenleben gelingt!« sprechen. Das anschließende Gespräch mit Wulff führt als Moderator Prof. Dr. Matthias Rossi, Universität Augsburg. Beginn der Veranstaltung ist 19:30 Uhr, Einlass ab 18:15 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es bei der Bürgerinfo am Rathausplatz und im Taschenbuchladen Krüger.

Zur Zeit seines Rücktritts vom Amt des Bundespräsidenten galt Wulff durchaus als schillernde Medienfigur, seine kirchliche und interreligiöse Disposition sowie sein interkulturelles Engagement lassen aber einen spannenden Vortrag erwarten. Im Jahr 2010 hatte Wulff bei seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit mit seiner Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehöre, eine Debatte angestoßen, die nach sieben Jahren noch längst nicht zu Ende zu sein scheint. Der Katholik ist Mentor bei der Deutschlandstiftung Integration. Ebenso war Wulff Kuratoriumsmitglied der überkonfessionellen Evangelisationsbewegung »proChrist«. Er ist Präsident des Euro-Mediterran-Arabischen Ländervereins (EMA), 2011 wurde ihm der Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland zugesprochen.

Programm bis Oktober

Das ganz Jahr bis Oktober werden in Augsburg zahlreiche Veranstaltungen wie Konzerte, Debatten, Workshops, Stadtführungen, Theaterprojekte und Ausstellungen stattfinden, die die Bedeutung der Reformation ins Heute übertragen wollen. Festgottesdienste, ein ökumenischer Versöhnungsgottesdienst im Dom und der gemeindenübergreifende Kirchentag »Fest der Freiheit« (Samstag, 24. Juni) rücken die Bedeutung der Reformation innerhalb des Kulturprogramms ins gebührende theologische und geistliche Licht.

St. Anna, St. Moritz und das Rathaus werden von Freitag, 7. April, bis Samstag, 13. Mai, die interaktive Bibelausstellung »Unser Buch« des Museum of the Bible (Washington DC) zeigen, in St. Anna wird die Uraufführung von Patrick Schäfers Friedensoper »Letzte Nacht« stattfinden (sonntags, 18. und 25. Juni). Mit Theaterprojekten beteiligen sich das Theater Augsburg (Premiere »›Unruhe‹ im Paradies«, Samstag, 6. Mai) und das Junge Theater Augsburg (Bürgerbühnenstück, Juli bis August).

Auch das im Mai stattfindende Mozartfest, die Lange Kunstnacht am Samstag, 24. Juni, das Hohe Friedensfest im August und sogar der Schwabentag am Samstag, 23. September, stehen im Zeichen der Reformation. Während das Mozartfest musikalische Bezüge zur Zeit Luthers herstellt, gliedern sich die Kunstnacht mit dem Motto »Freiheit«, das Hohe Friedensfest mit dem Thema »Bekennen« und der Schwabentag mit Veranstaltungen in der Innenstadt ins Reformationsjahr ein.

Das gesamte Programm findet sich online unter:
www.reformation2017augsburg.de

Foto: Ein Fresko im Goldenen Saal der einstigen Dillinger Universität verunglimpfte Martin Luther 1762 als Schwein. Es zeigt, wie die »Sau aus Eisleben« das Kirchenrecht zerfleddert. Diese Darstellung in der zweiten Residenzstadt der Augsburger Bischöfe ist zwar ein besonders drastisches, aber längst nicht das einzige Denkmal des Glaubensstreits in und um Augsburg. Martin Kluger führt in seinem gerade im Context Verlag erschienenen Taschenbuch »Glaube. Hoffnung. Hass. Von Martin Luther in Augsburg (1518) über den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) bis zur Sau aus Eisleben (1762)« durch die Geschichte der Reformation und der Gegenreformation in der Region. (Foto: Martin Kluger)

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