Magic Moments

23. März 2015 - 9:38 | Renate Baumiller-Guggenberger

Im aktuellen Ballettabend Dans Im Pulse feiern mit »Peekaboo«, »Verflixte Nähe« und »Murmur and spill« drei Kurzwerke die hohe Kunst des Bühnentanzes im Theater Augsburg

Mit Marco Goeckes »Peekaboo« (vergleichbar dem »Kuckuck« im Versteckspiel) fing der dreiteilige Ballettabend »DANS ImPULS« mit den Niederlanden als Schnittmenge der drei Gastchoreografen wirklich sensationell an. So, wie man großartigen Darstellern, die sich über die Sprache artikulieren, an den Lippen hängt, hing man hier dem präzise synchronisierten Tänzer-Oktett an vollendet trainierten Körpern. Goecke, seit 2005 Hauschoreograf in Stuttgart und Rotterdam und mit rund 40 Choreografien ein großer Routinier, verblüfft in seiner assoziativ vielschichtigen Choreografie über Lust und Gefahr von Verstecken und Entdecken einmal mehr mit seiner spezifischen, exaltierten Bewegungssprache. Die Interpreten bringt das physisch an den Rand des »Menschenmöglichen«, des tänzerisch Ausführbaren. Doch die Augsburger Peekaboo-Truppe hielt sowohl dem Wahnsinnstempo als auch den höchst extremen, jede Muskelpartie isoliert in Flatteraktion bringenden technischen Finessen souverän stand. In Kombination mit den raffinierten Hut-Zaubereien, prägnant-stimmigen Kostümen (designed by Thomas Lempertz – großes Bravo!) und Benjamin Brittens »Simple Symphony« als musikalisch peitschender Klangkulisse feuerte diesePekaboo eine ganze Kette von »Magic Moments« ab, die leuchteten lange bis über die beiden nachfolgenden Werke hinaus nach beeindruckten und haften blieben.

Die »Verflixte Nähe«, die im Partner-Getriebe für emotionale Kontraste zwischen »himmelhoch jauchzend« und »zu Tode betrübt« sorgt, rückte der international arbeitende Österreicher Georg Reischl choreografisch in den Fokus. Drei Paare umspielten sich und zwei Stühle, von denen einer – zumindest am Anfang – unerreichbar schien. Pop, Rock- und Jazzsongs gaben den Tänzern die jeweilige Gestimmtheit vor. Am versöhnlichen Ende waren wie von Zauberhand der Stelzenstuhl auf normalem Niveau und eines der Paare friedlich lächelnd ganz bei sich angekommen. Nach der zweiten Pause wartete der amerikanische Choreograf Stephen Shropshire mit einer intellektuell kühn und kunstvoll kalkulierten Hommage an das »ererbte Alphabet« des klassischen Balletts auf.

Sein Werk »Murmur and spill« (Foto) ist einerseits inspiriert von dem magischen Quadrat in Albrecht Dürers Stich »Melancolia 1« und andrerseits von der pathetischen Komposition »Lament« des preisgekrönten polnischen Filmmusikers Preisner. Gemeinsam mit dem ganzen Ensemble gestaltete Shropshire 16 dynamische Tanz-Phrasen vor blauer Wand und leerem Bühnenpodest. Tonangebende Akteure und Aktion verschmolzen wie im Kaleidoskop zu immer neuen ästhetischen Formationen und setzten fließend neue Energien frei.

Der intensive Beifall galt nicht allein den grandiosen Tänzern und den beiden anwesenden Choreografen, sondern ebenso dem Bühnenbildner Stefan Morgenstern und Lichtdesigner Marco Vitale, die den magischen Abend mit verantworteten.

www.theater-augsburg.de

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