Medeas düsteres Endspiel

20. April 2015 - 11:45 | Renate Baumiller-Guggenberger

Ballettpremiere von »Medea« in der Brechtbühne.

Dunkel und düster, verstrickt und gefangen im Schattenreich ihrer emotionalen (Ab-)Gründe: Medea. Fraglos kein Ballettabend, der die Zuschauer beglückt entlässt, was angesichts des Tragödienstoffs folgerichtig sein mag.

Beeindruckt immerhin zeigte sich das Premierenpublikum und zollte sowohl dem Tänzerensemble, allen voran der von unsäglicher Verzweiflung gezeichneten und tänzerisch expressiven Yun-Kyeong Lee in der Titelpartie und Joel Di Stefano als berechnend-kühlem Jason, als auch dem spanischen Choreografen Ángel Rodriguez und Bühnenbildnerin Andrea Kuprian-Maier sowie Lichtdesigner Marco Vitale starken Beifall. Großen Anteil daran hatten die mit aggressiver Wucht aufgeladenen Männersequenzen im ersten Teil und die eindrucksvoll inszenierten Bilder samt theatralisch geschickt platzierten (Schock-)Effekten wie unter anderem der tödlich vernichtende »Feuerzauber« an Widersacherin Glauke oder auch die Vexierspiele mit den geheimnisvoll integrierten Bühnenvorhängen.
Bereits 1998 gab es in Augsburg eine großartig choreografierte »Medea« (allerdings im Großen Haus), und so freute man sich voller Neugier und Spannung auf die neue Lesart von Ángel Rodriguez. Der gab mit der Augsburger Ballettproduktion sein Deutschlanddebüt und fokussierte sich auf die Endphase der tragischen Beziehung zwischen Medea und Jason – das Ganze zu einem umfangreichen Musikmix aus Klassik und Moderne.

Medea ist fraglos eine der faszinierendsten und zugleich widersprüchlichsten antiken mythischen Frauengestalten. Ihr »Schicksal« verstört, berührt und inspirierte durch alle Zeiten hinweg die Gemüter. Die Identifikation mit dieser selbstbewussten Frau, die sich fern der Heimat behauptet, dann vom innig geliebten, jetzt karriereversessenen Jason betrogen und fallen gelassen wird, die blutige Rache übt, um sich dann dem grausamen »Schauplatz« zu entziehen, ist kein Kunststück, sondern leicht möglich. Ihr Leiden ist universell zu lesen und zu deuten, was der Tanzabend fast zu eindringlich betonte und worin auch sein Manko bestand. Irgendwann ermüdete diese in monotones Dauergrau(en) gepackte »Medea« und erzeugte so emotionale Distanz und Längen, was die mitunter etwas sperrige, wenig innovative, zeitgenössisch geprägte choreografische Handschrift leider nicht immer wettmachen konnte.

www.theater-augsburg.de

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