Mode im Nationalsozialismus

selbstgehaekelte_bluse_nach_vorlage_aus_einem_schachenmayr_handarbeitsheft_1935_maik_kern_tim.jpg
18. Mai 2017 - 10:52 | Bettina Kohlen

Mode war im NS-Staat vor allem Kleidung des Alltags. Wie das aussieht, warum es so aussieht und warum dies keineswegs harmlos ist, zeigt eine neue hervorragende Ausstellung im Textil- und Industriemuseum Augsburg.

Die Alltagsmode im Nationalsozialismus war keineswegs so unpolitisch und dem Einzelnen überlassen wie es zunächst scheint. Die Bedeutung der Uniformierungen von Mann, Frau und Kind ist offensichtlich und der Judenstern ist ein evidentes Zeichen der Ausgrenzung. Doch die Alltagskleidung lässt nicht gleich erkennen, welchen Regeln sie gehorchte. Die grundsätzlichen Linien unterlagen auch in Deutschland der internationalen Mode, doch bestimmend für Aussehen, Schnitt und Material wurden zunehmend die Restriktionen zur Kompensation des textilen Mangels auf Grund der Kriegsvorbereitung. Schonen, ändern, selbermachen (Abbildung: eine selbstgehäkelte Bluse) wurde der „Volksgemeinschaft“ verordnet, Glamour gab es nur auf der Leinwand. Für die politische Elite galt dies allerdings nicht, sie trug verschwenderisch-elegante Kreationen. Und Edelweißpiraten und Swings setzten sich mit herunter geschobenen Socken oder schicken Anzügen bewusst ab. Um den Rohstoffmangel auszugleichen, setzte der Nationalsozialismus auf Rationierung, Raub und Ersatz. Welche perfiden Methoden man zur Materialforschung einsetzte, zeigt sich eindringlich an der schematisch dargestellten KZ-„Schuhprüfstrecke“, auf der Häftlinge sich buchstäblich zu Tode liefen. Ein einzelnes Paar Schuhe wird so zu einem Baustein des nationalsozialistischen Grauens.

Die Ausstellung zeigt anschaulich durch rund 130 Exponate die Aspekte der politischen Bedeutung von Kleidung im Nationalsozialismus. Das ist erhellend und wesentlich, das ist unbedingt einen Besuch wert!

Glanz und Grauen. Mode im „Dritten Reich“. Bis 22. Oktober im Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim)
www.timbayern.de

Thema:

Weitere Positionen

mit_dem_roller_zur_kunst_20180219_foto_bettina_kohlen.jpg
19. Februar 2018 - 19:59 | Bettina Kohlen

Man muss ja nicht mit dem Roller hin und alles auf einmal ist auch nicht nötig, aber zumindest einige dieser Ausstellungen sollte man sich gönnen. Sie lohnen alle einen Besuch.

19. Februar 2018 - 10:19 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des Theatermonologs »Klavierkind« von Sebastian Seidel im Mozarthaus

14. Februar 2018 - 10:59 | Dieter Ferdinand

Die ehemalige Synagoge Kriegshaber zeigt bis zum 17. Juni die Ausstellung »Eine Erinnerung ist eine Erinnerung ist eine Erinnerung?«

Foto: a3kultur
14. Februar 2018 - 8:06 | Gino Chiellino

Für seine Kolumne »Deutsch richtig und gut« hat Gino Chiellino Begriffe gesucht, die er paarweise umschreibt, um zu zeigen, wie er sie anders versteht als seine Gesprächspartner. Teil 19.

12. Februar 2018 - 9:18 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des neuen Ballettabends »Ballett? Rock It!« mit Choreografien von Riccardo De Nigris, Marguerite Donlon und Ricardo Fernando

8. Februar 2018 - 10:39 | Geoffrey Abbott

Das Theater Augsburg brachte Rufus Wainwrights erste Oper, »Prima Donna«, zur deutschen Erstaufführung im martini-Park.

5. Februar 2018 - 8:03 | Janina Kölbl

Freie Theater im Porträt: FaksTheater Augsburg

4. Februar 2018 - 21:11 | Iacov Grinberg

Im Münchener Haus der Kunst ist derzeit die Ausstellung »Procession« von Kiki Smith zu sehen.

3. Februar 2018 - 8:01 | Thomas Ferstl

Ein vielversprechender zweiter Monat des noch jungen Kinojahres 2018. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

1. Februar 2018 - 14:28 | Patrick Bellgardt

Sebastian Seidels »Lost in Transit« feierte seine Uraufführung in der neuen Studiobühne des Sensemble Theaters.