Musikalische Weihnachtsgefühle

21. Dezember 2016 - 11:44 | Janina Kölbl

Das vierte Adventswochenende bot gleich an zwei Abenden weihnachtliche Kammermusik auf höchstem Niveau.

Zum einen präsentierte das Augsburger Ensemble »Progetto Seicento« im Rahmen der Musikreihe »Fugger und die Musik« am Samstagabend außergewöhnliche barocke Interpretationen moderner Kompositionen. Am Sonntagabend gaben anschließend die renommierten Musiker der »Akademie für Alte Musik Berlin« (Foto) unter dem Motto »eine Winternachtsmusik« ein wohlklingend-weihnachtliches Repertoire der Wiener Klassik zum Besten.

Los ging die weihnachtliche Einstimmung in Sachen Kammermusik am Samstagabend mit dem Augsburg Ensemble »Progetto Seicento« im feierlichen Rokokkosaal – eine Zusammenkunft von sechs hochkarätigen Augsburger Musikern, die weihnachtlich klingende Stücke moderner Künstler auf eine traditionell-barocke Weise unter dem Motto »Winternacht« gekonnt neu interpretierten. Unter anderem wurde der Titel »The snow it melts the soonest« vom englischen Superstar »Sting« mit folkloreartigen Klängen des Komponisten Henry Purcell wunderbar neu arrangiert und experimentell verwoben. Vor allem war es die charismatischen Sängerin und Flötistin Iris Lichtinger, die am Leopold Mozart Zentrum Augsburg unter anderem auch Dozentin für Blockflöte ist, die zusammen mit ihrem virtuosen Ensemble an diesem Abend mit einer kräftigen, doch sanft klingenden Sopranstimme den Stücken einen unvergesslichen Charakter verlieh. Einen Höhepunkt des Konzertes war für mich die Interpretation des Inders Sandeep Bahvati, dessen Weihnachtskomposition für 2016 durch die experimentellen Sounds von Stefan Schulzki und dem ungewöhnlichen Spiel mit dem Geigenbogen auf dem Vibraphon zu einem einzigartigen Klangerlebnis wurde. Zugleich lieferte dieses außergewöhnliche Stück mit englischem Sprechgesang ein Statement zu den gegenwärtigen politischen Krisen.

Am Sonntagnachmittag folgte dann das zweite hochkarätige Konzert für das letzte Wochenende vor Weihnachten. Die »Akademie für Alte Musik Berlin« präsentierte ein Repertoire im spätbarocken Kleinen Goldenen Saal, welches von der Deutschen Mozart-Gesellschaft e.V. organisiert wurde und ganz im Zeichen der Wiener Klassik stand. Thomas Prazak, Schauspieler am Theater Augsburg, führte charmant-wienerisch in der Figur des Wolfgang Amadeus Mozart kurzweilig durchs Programm.

Das Ensemble erzeugte durch seine wohlig-warme, relativ spärliche Bläserbesetzung bestehend aus Oboe, Fagott und Hörnern  Kammermusik von Mozart, Antonio Salieri und Ludwig van Beethoven einen breiten und konzertanten Raumklang im Saal, der den Zuhörer*innen  in eine angemessene vorweihnachtliche Stimmung versetzte. Vor allem das Divertimento in F-Dur , das auch unter dem Titel » Eine musikalische Schlittenfahrt« bekannt ist und vom Mozart-Vater Leopold höchst persönlich komponiert wurde, bereitete dem Publikum vor allem durch den Wechsel der dazugehörigen Erzählung mit tonmalerischen Elementen viel Freude – und ebenso viele Lacher.

Der Nachmittag  und damit das musikalische Weihnachtswochenende, das einen schönen Einblick in verschiedenste, aber doch virtuose und wohlklingende Musikwelten lieferte, endete nach dem Finale von Ludwig van Beethovens »Oktett in Es-Dur« mit einer letzten lässigen Improvisation über den Weihnachtsklassiker »Jingle Bells« und entließ mich und das Publikum erstaunt und ein wenig belustigt – so wie es doch kurz vor Weihnachten sein soll – in den Sonntagabend.

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