Nach der Ausstellung – vor der Ausstellung

23. Januar 2017 - 8:13 | Iacov Grinberg

»Jagen und Fischen« aus weiblicher Perspektive

Die diesjährige 20. Messe »Jagen und Fischen« ist vorbei. Sie hatte mehr als 32.000 Besucher, sowohl Fachbesucher als auch Schaulustige. Sehr viele verließen die Ausstellung mit gekauften Waren, was ein gutes Ergebnis ist.

Mich aber interessierte besonders, was sepziell für Frauen vorbereitet war, wie es im Vorfeld angekündigt wurde. Ich möchte wissen, wie Frauen das Vorbereitete einschätzen. Da ich selbst nicht zur schönen Hälfte der Menschheit gehöre, musste ich sie befragen.

Die ausstellenden Fischervereine bestätigten meinen Verdacht, dass eine Frau, die stundenlang ruhig am Ufer sitzt und mit Geduld wartet, bis ein Fisch den für ihn servierten Köder schnappt, kaum zu finden ist. Frauen, sie machen ca. 20% der Mitglieder dieser Vereine aus, betreiben die Fischfangarten, bei denen Köder bewegt werden sollen. Tatsächlich gab es bei den Ständen mit Spinnangeln, mit verschiedenen Ködern und der Selbstfertigung von Fliegen viele Frauen zu finden. Sie bildeten die Mehrheit bei einem Trainergerät, das die Benutzung von Spinnangeln imitierte, und beim Casting: Das ist ein Sportart, wo man ein Gewicht oder eine Fliege zielgenau werfen soll. Mit dem Angebot waren sie alle zufrieden und sagten, dass es nichts Spezielles für Frauen in diesem Bereich gibt und auch nicht notwendig ist.

Beim Bogenschießen ist der Anteil der Frauen größer, ca. 40 %. Bei zahlreichen Ständen mit industriell und individuell gefertigten Bögen, Pfeilen und Teilen zur Selbstfertigung von Pfeilen sowie bei den Schießbereichen waren es sehr viele vertreten. Sie waren mit dem Angebot zufrieden. Der Bogen bleibt eher eine Sportausrüstung: Ungeachtet zahlreicher Behauptungen, dass es Menschen gibt, die wirklich mit Bogen jagen, konnte ich keinen solchen finden.

Bei der Jagd mit dem Gewehr wächst, ungeachtet aller Vorurteile, der Anteil von Frauen. Momentan bilden sie nach Schätzungen der Vereine nicht mehr als 25 %, bei Jagdschulen sind es jedoch fast 50 %, darunter sehr viele junge Menschen! Auf meine Frage »Warum« antworteten sie als Freizeitbeschäftigung und, zu meiner Verwunderung, erzählten sie vom Wunsch vorbereitet zu sein, wenn die Jagd als Nahrungsquelle notwendig wird. Die Einschätzung der vorhandenen Angebote war bei Jägerinnen zwiespältig.

Was Kleidung und Ausrüstung betrifft, waren sie zufrieden. Sie haben mir die Bedeutung einiger Taschen und anderen Kleidungselemente erklärt. Sie haben mir bestätigt, dass die teureren Sachen fast immer einer sehr guten Qualität entsprechen und sich lohnen. Bei Gewehren – meistens von berühmten Produzenten – und mit sehr hochwertiger Optik versehen, waren sie einer anderen Meinung. »Wenn du beginnst« – erklärte mir eine erfahrene Jägerin, »beginnst du mit einem bescheidenen Gewehr. Dein erstes Auto ist ja auch kein Mercedes. Hätte ich sehr viel Geld, würde ich vielleicht eines der hier ausgestellten, sehr hochwertigen Gewehre kaufen, eine Notwendigkeit fühle ich aber nicht. Sie sind mehr zum Protzen da, als zum Jagen.« Die Männer bestätigten diese Haltung.

Nichtsdestotrotz war die allgemeine Meinung, dass die Ausstellung – eigentlich eine Verkaufsmesse – sehr viel Interessantes angeboten hat. Der Besuch lohnte sich zweifelsohne.

www.jagenundfischen.de

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