Ohne Bücher geht es nicht!

12. Mai 2018 - 8:10 | Florian Pittroff

2008 ging der erste Literarische Salon im Foyer des Theaters Augsburg über die Bühne. In diesem Jahr feiert das Format sein zehnjähriges Jubiläum. Florian Pittroff sprach mit dem Initiator und Inhaber der Buchhandlung am Obstmarkt, Kurt Idrizovic

a3kultur: Wie kam es damals zum Literarischen Salon am Theater Augsburg?

Kurt Idrizovic: Das geschah im »Höfle« hinter der Freilichtbühne. Dort haben die damalige Intendantin des Theaters Augsburg, Juliane Votteler, und ich zusammen den Literarischen Salon ins Leben gerufen. Die Intention war, über die dramatische Literatur hinaus auch das Reden und die Debatte über Bücher ans Theater zu holen.  Das heißt, die Diskussion über gute und bemerkenswerte Literatur zu einem gesellschaftlichen Ereignis zu machen. Die Herausforderung war, Künstler, Kulturschaffende und Medienmacher untereinander und mit dem Theater ins Gespräch zu bringen, um dem Publikum nicht nur neue Bücher vorzustellen, sondern im Idealfall ein Instrumentarium zu geben, wie man Literatur unabhängig vom eigenen Geschmack, von der eigenen Meinung und Haltung auch noch beurteilen kann. Das hat gut funktioniert – der Salon wurde von Anfang an gut angenommen. Das ist bis heute so geblieben.

Die Kooperation mit dem Theater lief acht Jahre richtig gut. 2016 gab es dann plötzlich Irritationen. Juliane Votteler hatte überraschend die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Heißt: kein Salon mehr im Theater. Der Grund: Du warst ein maßgeblicher Initiator des damaligen Bürgerbegehrens gegen die geplante Sanierung. Wie siehst du das alles rückwirkend?

Es war unschön damals. Ich fand das bedauerlich und unnötig. Zum einen, weil der Literarische Salon schon damals ein sehr erfolgreiches Format war, und zum anderen hätte ich niemals gedacht, dass man eine sachliche Diskussion oder Entscheidung speziell mit meiner Person verbindet. Die Flyer waren gedruckt, und dann kam völlig überraschend die Kündigung. Der Literarische Salon hatte über Nacht seine Heimat verloren und die an Literatur und Büchern interessierten Augsburger wurden quasi vor die Tür gesetzt. Eine Strafaktion, wie mir schien. Das gemeinsame Reden über Bücher hatte keinen Ort mehr. Ob der Literarische Salon je wieder ein Zuhause haben würde, war völlig unklar.

Du hast einen neuen Raum gefunden: die Haag-Villa. Warum ist es diese Location geworden?

Mir war die Haag-Villa ja nicht unbekannt. Meine Buchhandlung hat dort schon öfter Veranstaltungen ausgerichtet – zum Beispiel 2015 den Eröffnungsabend für »Eine Stadt liest ein Buch«. Der ein oder andere Augsburger wird sich noch erinnern. Ich habe dann die Stadtwerke als Eigentümer kontaktiert, die waren auch gleich begeistert. Daraus wurde eine hervorragende Partnerschaft. Mit dem hochherrschaftlichen Ambiente von Architektur und Park ist die Haag-Villa eine wunderbare neue Location. Es war eine Herausforderung, dem Literarischen Salon ein neues Zuhause zu geben. Aber es hat hundertprozentig funktioniert.

Über das Alter spricht man eigentlich nicht – wir schon: Du bist 65 Jahre alt und hast die Buchhandlung am Obstmarkt 1984 übernommen: Wie geht es weiter mit dir und der Buchhandlung?

Buchhandel ist mein Leben. Ans Aufhören denke ich noch lange nicht. Ich bin sehr gerne Buchhändler, denn ich lerne sehr viel von meinen Kunden und der Umgang mit ihnen macht mir großen Spaß. Wir gestalten interessante Dinge in und für Augsburg. Alle, die hoffen, dass ich bald Schluss mache, muss ich leider enttäuschen. Also: Letztes Kapitel, Buch zu wird so schnell nicht kommen. Ohne Bücher geht es nicht! Will ich nicht! Kann ich nicht!

Der nächste Literarische Salon findet am 17. Mai, 19:30 Uhr, in der Haag-Villa statt. Zu Gast sind Iris Steiner (Kulturbüro Steiner), Knut Schaflinger (Lyriker/Autor) und Richard Mayr (Augsburger Allgemeine). Moderation: Dirk von Gehlen. Diskutiert werden folgende Bücher: Klaus Modick: »Keyserlings Geheimnis«, Anne Reinecke: »Leinsee« und Friedrich Christian Delius: »Die Zukunft der Schönheit«.

www.buchhandlung-am-obstmarkt.de

Thema:

Weitere Positionen

24. Mai 2018 - 9:15 | Jürgen Kannler

Unter der Überschrift »Geistzeit« geht das Staatstheater Augsburg in die neue Saison.

24. Mai 2018 - 9:02 | Gast

»Das Spiel der Schahrazad« feierte seine deutschsprachige Erstaufführung auf der Brechtbühne.

23. Mai 2018 - 11:12 | Jürgen Kannler

Die Programmauswahl des Mozartfests verzauberte, auch abseits gewohnter Hörstrukturen. Ein Kommentar

18. Mai 2018 - 15:09 | Bettina Kohlen

Nein, dies sind keine Fotografien. Was da in der Galerie MZ derzeit an den Wänden hängt, ist Malerei.

18. Mai 2018 - 9:34 | Janina Kölbl

Achille Mbembe, einer der wichtigsten Denker des Postkolonialismus, gastierte in Augsburg.

17. Mai 2018 - 9:00 | Janina Kölbl

Freie Theater im Porträt: Eukitea-Theater Diedorf

15. Mai 2018 - 13:44 | Renate Baumiller-Guggenberger

Göttliches Finale: Mozarts Messe in c-Moll für Soli, Chor und Orchester, KV 427 zum Abschluss des Deutschen Mozartfests 2018 in der Basilika St. Ulrich und Afra.

15. Mai 2018 - 13:16 | Dieter Ferdinand

Podiumsdiskussion der Interkulturellen Akademie im Mesopotamienverein

14. Mai 2018 - 9:26 | Gast

Die Augsburger Philharmoniker präsentierten zum Mozartfest das Sonderkonzert »Das mächtige Häuflein« im Goldenen Saal.

9. Mai 2018 - 10:33 | Dieter Ferdinand

Das Buch »Die Apotheke im Krakauer Ghetto« von Tadeusz Pankiewicz ist neu erschienen.