»Otello« rückt näher

24. Dezember 2016 - 8:18 | Julian Stech

Am 19. Februar feiert das Theater Augsburg die Premiere von »Otello«. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Julian Stech begleitet für a3kultur die Produktion der Verdi-Oper

Während die Europäische Union momentan in die politisch ungewisse Zukunft Italiens blickt, können sich die Augsburger*innen an der künstlerisch hoch ausgeprägten Vergangenheit unserer südländischen amici erfreuen. Denn neben Puccinis »Tosca« und Mozarts »Idomeneo« lädt das Theater Augsburg für diese Spielzeit noch zu einer dritten italienischsprachigen Oper ein. Am 19. Februar findet die Premiere von Giuseppe Verdis »Otello« statt, die mit insgesamt zehn Vorstellungen im diesjährigen Spielplan vertreten ist.

Die weltberühmte Oper in vier Akten, die aus William Shakespeares Schauspiel »Othello« entstanden ist, feierte ihre Uraufführung im Jahr 1887 in Mailand und kann somit ihren 130. Geburtstag in Augsburg begehen. Das sehr von Düsterkeit umhüllte Stück, das die typischen Dramathematiken des 19. Jahrhunderts wie Eifersucht und menschliche Intrigen behandelt, kann leider wegen der unvorhersehbaren Intrigen der chemischen Zersetzung von Baumaterialien nicht im Großen Haus stattfinden, stattdessen im Kongress am Park. Doch kann solch ein Raumwechsel auch »die Improvisationskünste des Menschen einfordern, freieres Denken bewirken und den Blick auf die essenziellen Dinge eines Stücks schärfen«, wie mir Michaela Dicu mitteilt.

Die freischaffende Regisseurin, die Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen studiert hat, kann bereits auf eine Vielzahl von Engagements zurückblicken. Ihre Arbeiten führten sie unter anderem an die Staatsopern in Stuttgart und Hamburg, an Theater in Weimar, Göttingen, Leipzig und Kopenhagen, und auch in Augsburg ist sie keine Unbekannte. In der letzten Spielzeit war sie für die Inszenierung der Kinderoper »Kannst du pfeifen, Johanna?« zuständig und assistierte Peter Konwitschny bei der szenischen Einstudierung von »Lady Macbeth von Mzensk«. Die erfolgreiche Zusammenarbeit veranlasste die Führungsriege des Theaters Augsburg, auch in dieser Spielzeit nicht auf Dicu zu verzichten. »Wir hatten eigentlich ein anderes Stück geplant – ›Rusalka‹. Aber als wir umziehen mussten, war klar, dass wir in einem relativ kühlen Raum, wie es der Kongress am Park ist, keine Märchenoper machen sollten, zumindest nicht so, wie unser ursprüngliches Konzept aussah. Da bot sich Verdis Kammerstück ›Otello‹ an. Die Figuren sind scharf gezeichnet, es gibt klare Vorgänge, keine Verwandlungen, aber dafür eine spannende Geschichte, bei der man gerne zuschaut und an den Personen dran bleibt«, schildert Dicu in Bezug auf die Auswahl des Stücks, das auch hervorragend in den diesjährigen Spielplan des Hauses passt.

Die große Dramatik der Handlung und der Musik von »Otello« reizte scheinbar auch Intendantin, Operndirektor, Dramaturgie und Generalmusikdirektor, wenn Michaela Dicu von »unser aller Wunschstück« spricht. Für die visuelle Umsetzung dieser »schwarzen Oper« sind Timo Dentler und Okarina Peter zuständig, die der Kongress am Park »vor die spezielle Herausforderung stellte, die dramatischen shakespearehaften Wendungen des Otello-Stoffes glaubhaft, erzählerisch und in bester Weise erlebbar an diesen Ort zu binden«. Umgesetzt wurde dies mit der »Ästhetik« einer Betonlandschaft und einer riesigen Orgel als zentralem Hintergrund. Neugier herrscht bei den beiden Bühnen- und Kostümbildnern noch in Bezug auf das Zusammenspiel ihrer entworfenen Kostüme, die Timo Dentler als »optisch homogenen Mikrokosmos« beschreibt, mit der Geschichte und der Musik. Dass auch dies funktionieren wird, schließe ich daraus, dass die beiden letztes Jahr mit ihrer Ausstattungsarbeit für die »Blues Brothers« auf der Freilichtbühne wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen hatten.

Bei der Besetzung darf man sich auf einen alten Bekannten freuen: Zurab Zurabishvili war von 2003 bis 2006 festes Augsburger Ensemblemitglied und wurde dieses Jahr für die Rolle des Otello als Gast engagiert. Als dessen Gemahlin Desdemona betritt Sally du Randt die Bühne, die in dieser Spielzeit auch als Floria Tosca die Männerwelt in Eifersucht und Mordgelüste versetzt. Weitere Darsteller sind Antonio Yang als Jago, Ji-Woon Kim als Cassio und Christopher Busietta als Rodrigo. Ich bin gespannt, ob ich ebenfalls so viele »o« ausstoßen werde, wie in den Namen der Charaktere stecken, wenn im Januar die Proben für das Stück beginnen und ich dem Geschehen von Zeit zu Zeit als Besucher beiwohnen werde. Bis dahin: Buon anno nuovo!

www.theater-augsburg.de

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