Petrasilie statt Petersilie?

15. Juli 2015 - 10:50 | Felicitas Neumann

Am 30. Juni diesen Jahres habe ich an einer Veranstaltung der Reihe »FOM Frauen-Forum« teilgenommen. »Verhandlungssache!« hieß das Thema.

Dass man in dem Vortrag Tipps und Informationen für die Karriereplanung und beruflichen Alltag erhält, weil Frauen nach wie vor mit spezifischen Problemen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf konfrontiert sind, hieß es in dem Flyer. Es klang sehr interessant und vielversprechend.

Am Veranstaltungsort angekommen, fand ich mich in Mitten einer Schar aus fast ausschließlich Frauen wieder. Natürlich, schließlich sollte sich der der Vortrag auch hauptsächlich an die Frauen richten. Vorgetragen wurde allerdings von einem Mann, einem ehemaligen Oberleutnant der israelischen Streitkräfte. Gespannt saß ich auf meinem Stuhl, neben circa hundert anderen Frauen, und lauschte dem Vortrag, vergeblich suchend nach dem eigentlichen Thema. Und zwar die ersten 40 Minuten lang. Es wurde viel erklärt, was eine Verhandlung ist, welche Phasen sie hat, wie man sie am besten abhält und so weiter, doch auf die Frau bezogen wurde sich erst in den letzten fünf Minuten. Und dann auch nur auf allgemeine Problemstellungen und Zahlen. Hilfreiche Tipps und Informationen gab es natürlich schon, wie beispielsweise diesen einen, dass man mit besserer Vorbereitung meist besser verhandeln kann, da man mit einem wohleren Gefühl in die Verhandlung geht. Doch erstens: Ist das wirklich etwas Neues? Und zweitens: Ist diese Hilfestellung auf die Frau bezogen? Hat das wirklich etwas mit den spezifischen Problemen der Frau zu tun? Nicht wirklich. Mein Fazit: Guter Vortrag, leider Themaverfehlung.

Im Anschluss gab es noch eine Podiumsdiskussion. Es wurden Fragen beantworten und Erfahrungen ausgetauscht. Doch dann gab es noch einen Zwischenfall, als sich eine Frau aus dem Publikum zu Wort meldete. Sie machte darauf aufmerksam, dass generell, aber auch gerade im Moment der Diskussion, fast nur männliche Vokabeln verwendet werden. Statt Mitarbeiterin sagt man Mitarbeiter, statt Chefin Chef. Eine mögliche weitere Problemstellung, verankert durch Konventionen und Vereinfachung der Sprache. Und auch wenn die Mehrheit der Teilnehmer und wahrscheinlich der ganzen Bevölkerung das nicht als ein Problem ansehen, weil diese Beobachtung nämlich gar nicht wahrgenommen wird, ist das dennoch ein berechtigter Einwand. Warum nicht nur weibliche Vokabeln? Wie ist das in den anderen Sprachen?, hab ich mich sofort gefragt. Doch die Reaktion des Podiums und der Teilnehmer war ernüchternd. Verständnis wurde gezeigt, Ausreden und Erklärungen gesucht, doch die Weiterführung des Gedankens wurde von der ersten Sekunde an abgelehnt. Der Kommentar der Moderatorin trieb es auf die Spitze der Unverschämtheit: »Aber wenn wir in einem Restaurant die Petrasilie abbestellen, fehlt im Endeffekt das gleiche auf dem Teller.«

Doch das eigentlich schockierende hier ist, dass dieses Gespräch unter Frauen stattgefunden hat. Wie sollen die thematisierten Probleme der Frauen ernst genommen werden, wenn sie sich noch nicht einmal gegenseitig ernst nehmen?

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