Die Realisierung hat begonnen

3. Januar 2018 - 8:01 | Gast

Das Schwäbische Volkskundemuseum Oberschönenfeld wird umgestaltet. Ein Gastbeitrag von Beate Spiegel

Das Schwäbische Volkskundemuseum Oberschönenfeld befindet sich derzeit in der »zweiten Runde« des Museumsausbauplans des Bezirks Schwaben. Als Erstes konnte im Juni 2013 das »Besucherzentrum« im ehemaligen Schafstall der Abtei Oberschönenfeld seiner Bestimmung übergeben werden. Temperiert und mit besucherfreundlichem Empfang und Infrastruktur ausgestattet, bietet es seitdem eine kleine Einführung zu Oberschönenfeld, den Stauden, dem Bezirk Schwaben sowie zu den Aufgaben des Museums.

Nun steht das Gebäude »Volkskundemuseum« an: Das Foyer wird barrierefrei umgestaltet, die Beleuchtung optimiert und die in die Jahre gekommenen Dauerausstellungen werden ersetzt. Das neue Ausstellungskonzept berücksichtigt moderne Anforderungen an die Barrierefreiheit bis hin zur Inklusion ebenso wie neue Sehgewohnheiten der Besucher. An den Inhalten arbeitet das Museumsteam bereits seit geraumer Zeit, und wir freuen uns sehr, dass wir ab August 2018 viel Vertrautes, aber auch viel Neues präsentieren dürfen. So macht im Obergeschoss ein Rundgang durch Stube, Küche, Kammer und Stall die Lebenswelt im ländlichen Schwaben ab 1900 erfahrbar. Gleichzeitig wird aber auch der rasante Wandel vor Augen geführt, wie ihn die Menschen ab den 1960er-Jahren hier erlebten. Erstmals wird auch ein Bereich geschaffen, der sich der 800-jährigen Geschichte der Abtei Oberschönenfeld widmet: Hier können Besucher bei einem Rundgang durch Kapitelsaal, Zelle, Schatzkammer und »Arbeitsraum« dem Alltag der Nonnen in Vergangenheit und Gegenwart nachspüren.

Im Dachgeschoss erzählen Geschichten aus Schwaben aus dessen wechselvoller Vergangenheit von 1800 bis in die Gegenwart. Beleuchtet werden der Wandel der Arbeits- und Freizeitkultur ebenso wie die schwierigen Kriegsjahre, die auch im Alltag der Menschen in Schwaben viele Spuren hinterließen. Zum Abschluss fragen wir nach Heimatbildern, die die Region prägten und prägen.

Durch die gesamte neue Dauerausstellung des Volkskundemuseums ziehen sich, wie ein roter Faden, exemplarische Biografien von Menschen, Unternehmen und Objekten, die die Vielfalt und den Facettenreichtum des Lebens in Schwaben vor Augen führen. Interaktive und partizipative Stationen sowie ein abwechslungsreicher Kinderrundgang mit Museumsmaskottchen Kater Bernhard machen den Museumsbesuch zu einem Erlebnis für die ganze Familie.

Für mich als Museumsleiterin ist die Konzipierung der neuen Dauerausstellung eine einmalige und ganz besondere Aufgabe: Welche Objekte transportieren spannende Geschichten und wie können wir diese kleinen und großen Besuchern vermitteln? Welche Informationen interessieren Einzelbesucher und Familien und was kann auf der Ebene persönlicher Führungen vertieft werden? Wie wird der Besuch der Ausstellung zu einem kommunikativen und angenehmen (Sitzmöglichkeiten!) Erlebnis, das vielleicht sogar zur Wiederholung einlädt?

Das Gebäude ist nun leer übergeben worden, die Objekte sind sicher in den Depots verstaut. Jetzt geht es auch um die Umsetzung der gestalterischen Ideen zur Präsentation der Objekte und Inhalte. In enger Abstimmung mit dem Augsburger Büro Thöner von Wolffersdorff GbR ist die neue Ausstellung »auf dem Papier« schon fertig und die Phase der Realisierung hat begonnen.

Besonders freut es mich, dass der Bezirk Schwaben darüber hinaus Planungen zur Ertüchtigung unserer Depots genehmigt hat und somit deutliche Weichen für die Zukunftssicherung der Sammlung – dem Speicher ausgewählter kultureller Zeugnisse schwäbischer Alltagsgeschichte stellt.

Dr. Beate Spiegel studierte deutsche und vergleichende Volkskunde, Kunstgeschichte und klassische Archäologie an der LMU München. Nach der Arbeit in mehreren bayerischen Museen, an der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Volkskunde, LMU München, ist sie seit 2004 Leiterin des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld.

www.schwaebisches-volkskundemuseum.de


Was bringt das neue Jahr? Die a3kultur-Redaktion hat 16 Kulturmacher*innen aus unserer Region um einen Gastbeitrag zu ihren Projekten 2018 gebeten. Mehr in unserer aktuellen Printausgabe: http://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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