Rückblick voraus

Theater Augsburg: Auerhaus,  Foto: Nik Schölzel
13. Februar 2017 - 20:54 | Bettina Kohlen

Die Treppen runter und rein in die Achtziger: Das Theater Augsburg zeigt im Hoffmannkeller eine Bühnenfassung von Bov Bjergs Erfolgsroman »Auerhaus«.

Frieder, Vera und Höppner, Gymnasiasten in der schwäbischen Provinz, leben in einem runtergekommenen Haus, das Frieders Eltern zu Verfügung stellen, damit Frieder, der einen Suizidversuch hinter sich, nicht allein ist. Die grenzenlose gemeinsame Freiheit fühlt sich zunächst wunderbar an, was fehlt, wird improvisiert oder einfach geklaut (einschließlich RAF-Fahndungsplakaten). Doch das Leben ist verdammt schwierig zwischen Liebeszweifeln, Abi (und dann?), Musterungsbescheiden, die sich nicht ignorieren lassen (oder doch nach Berlin abhauen?). Und Freund Harry, schwuler Elektrikerlehrling wird für sein Outing von seinem Vater zusammengeschlagen.

Regisseurin Bibiana Picado Mendes und Dramaturgin Kathrin Mergel haben aus dem viel gelobten Roman eine konzentrierte Bühnenfassung gemacht, in der Kerstin König (Vera), David Dumas (Höppner), Thomas Prazak (Frieder) und Sebastián Arranz (Harry) im Sperrmüll-WG-Setting leidenschaftlich agieren. Sie tragen Karottenhose, Parka und Schulterpolster, diskutieren, philosophieren, streiten und feiern mit ausreichend billigem Wein und viel Musik. Frieders Selbstmord verhindern, den Moment festhalten, ein ganz anders Leben wagen: das gelingt dennoch nicht – aber den Versuch war es wert… Die Reise in die Achtziger ist vor allem für die U18 von heute gedacht, lässt aber auch ehemals Jugendliche sicher nicht kalt.

Karten gibt es noch für Samstag, 18., und Montag, 20. Februar.

www.theater-augsburg.de

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