Runde (Film-)Geburtstage im August

3. August 2017 - 8:10 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Kinokolumne wird 40.

Die Midlife-Crisis steht kurz bevor. Es wird Zeit, dass sich diese Kolumne einen Porsche oder eine wesentlich jüngere Liebhaberin zulegt. Was aber auf jeden Fall passiert: eine fette Party zum runden Geburtstag mit viel Papier und Druckerschwärze. Und weil es keinen Spaß macht, die Kerzen auf dem unvermeidbaren, prall gefüllten Jumbo-Popcorneimer einsam und allein auszupusten und diesen in der Folge zu verschlingen, habe ich in diese Ausgabe zwei weitere »runde« Geburtstagskinder hineingeschrieben. Welche das sind und ob sie genauso gut gealtert sind wie »Projektor«, erfahren Sie hier:

Zum 50. Geburtstag von Mike Nichols »Die Reifeprüfung« (3. August, CinemaxX, Kinodreieck) kehrt dieser absolute Klassiker wieder auf die Großleinwand zurück. Darin spielt Dustin Hoffman, der am 8. August seinen 80. Geburtstag feiert, den 21-jährigen Collegeabgänger Benjamin Braddock. Nach einer elterlichen Gartenparty bittet ihn Mrs. Robinson (Anne Bancroft), sie nach Hause zu fahren. Zwar misslingt ihr erster Versuch, Benjamin zu verführen, doch getrieben von seiner Langeweile und Neugier bahnt sich bald ein Verhältnis zwischen dem jungen Mann und der wesentlich älteren, verheirateten Frau an. Da ist aber auch noch Elaine (Katharine Ross), die Tochter der Robinsons. Wie es kommen muss, verliebt sich Benjamin in die gleichaltrige Frau.

Dieser Film, der seinerzeit mit Preisen wie dem Oscar für die beste Regie, zahlreichen Golden Globes und weiteren Auszeichnungen überschüttet wurde, gilt auch heute noch zu Recht als einer der bedeutendsten Hollywoodfilme. Dies nicht zuletzt wegen seines kontroversen Themas, das er als einer der ersten Filme publikumswirksam und vorurteilsfrei behandelte. Seit »American Pie« aus dem Jahr 1999 und spätestens durch die Pornoindustrie sind Jungendfantasien über sogenannte Milfs (Milf: mother I’d like to fuck – ein umgangssprachlicher, vulgärer Ausdruck für attraktive Frauen mittleren Alters) mittlerweile quasi salonfähig geworden. Aber auch das äußerst engagierte Spiel der Hauptdarsteller und Nichols präzise Regie, gepaart mit wunderbaren Dialogen, tragen zur Signifikanz des Films bei. 1996 wurde »Die Reifeprüfung« in das National Film Registry, ein Verzeichnis für besonders erhaltenswerte Filme, aufgenommen. Die Gelegenheit, 50 Jahre in der Zeit zurückzureisen und dieses prägende Meisterwerk noch einmal in einem Kinosaal sehen zu können, würde ich an Ihrer Stelle und werde ich persönlich nicht ungenutzt lassen.

»Hättest du mich mal ein bisschen früher geküsst. Dann wäre AIDS jetzt besiegt und die Nineties nicht zurück«, ist in Kraftklubs »Songs für Liam« zu hören. Doch in diesem Fall ist es ganz und gar nichts Schlimmes, dass die Neunzigerjahre zurück sind. Zu seinem 20. Jubiläum kommt Luc Bessons »Das fünfte Element« (10. August, CinemaxX) in 4K-Bearbeitung zurück in den Kinosaal. New York 2214: Die Wolkenkratzer sind höher als je zuvor, Autos fliegen durch die Luft. Da kracht dem frisch geschiedenen Exsoldaten Korben Dallas (Bruce Willis) die fesche Amazone Leeloo (Milla Jovovic) durchs Taxidach. Schnell stellt sich heraus, dass sie auf die Erde geschickt wurde, um die Pläne des Bösen Zorg (Garry Oldman) zu durchkreuzen. Durch das Schicksal vereint, ist Korben gezwungen, an Leeloos Seite für die Rettung der Menschheit zu kämpfen.

Die Handlung ist bei diesem Film aber eher Nebensache. Vielmehr sollte man sich an den frühen digitalen Effekten, ihren analogen Pendants und der liebevollen Ausstattung erfreuen. Die Kostüme bei­spielsweise wurden von Jean-Paul Gaultier entworfen. Hingehen, ansehen und sich, in Nostalgie schwelgend, visuell überwältigen lassen. (Thomas Ferstl)

Foto: In »Die Reifeprüfung« kommt für Benjamin (Dustin Hoffman) und Mrs. Robinson (Anne Bancroft) erst die Party und dann die Verführung.

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