(Sch)erben bringen Glück

5. Juli 2017 - 8:17 | Martin Schmidt

Die 70er-Legende Ton Steine Scherben gastieren am 8. Juli im Rahmen von »Sommer am Kiez 2017« am Helmut-Haller-Platz. Nicht fehlen dürfen die Vulgärpunks Impotenz.

Möglich, dass die einst reale Politsprengkraft der 1970 gegründeten Kultband Ton Steine Scherben – auch erst recht 50 Jahre nach dem Tod Benno Ohnesorgs – heute museal anmutet, ihre Wirkung reicht aber immer noch bis direkt in die gegenwärtige popkulturelle Zeichenwelt. Sei es, dass Kraftklub mit dem Titel ihres aktuellen Albums »Keine Nacht für niemand« fett Tribut an Scherbens »Keine Macht für niemand« zollen, sei es, dass die Reibeisen-Emokehlen-Stimme des 1996 verstorbenen Scherben-Sängers Rio Reisers wie ein Pathos-Echo bei den Vokalisten von so grundverschiedenen Bands wie Isolation Berlin oder Annen May Kantereit wiederzufinden ist.

Und jetzt, Scherben bringen Glück, spielen Ton Steine Scherben tatsächlich in Oberhausen. Auf Tour sind Scherben-Gründungsmitglied Kai Sichtermann (Bass) und Funky K. Götzner (Scherben-Drummer seit 1974, jetzt am Cajón); als neue adäquate Rio-Reiser-Reibeisenstimme fungiert der Nürnberger Songpoet Gymmick. Respektvoll, aber mit der Autorität eigenen Karachos bringt das jetzige Akustik-Trio die Songs der Anarcho-Truppe Scherben auf die Bühne. Wissen-Spezial für junge Leser: Augsburgs Grünen-Abgeordnete Claudia Roth war von 1982 bis 1985 Managerin von Ton Steine Scherben, ja, wohnte sogar mit dem damaligen Keyboarder der Band zusammen.

Support für die Scherben sind Augsburgs Alte-Punk-Säcke-Krawallos Impotenz. Das passt insofern super, als es a) recht gut ist, dass Impotenz hiermit nicht beim Jazzsommer auftreten, und b) es einst die Idee von Bandkopf Arno Löb war, den Oberhauser Bahnhofsvorplatz in Helmut-Haller-Platz umzutaufen. Die Anarcho-Punker (gegründet 1980) nennen Augsburg gerne mal Arschburg und schillern mit Songtiteln wie »Pogo im Altenheim« oder »Nutten an die Macht« sowie einer einstigen Abmahnung von Coca Cola. Und sie haben den zwar nicht den größten, aber wohl längsten Drummer Deutschlands: Yogi der Große, er misst 2,08 Meter und schlägt von dort oben das Zeug. Bummbumm.

www.sak.mein-bobs.de

Foto: Kai und Funky von Ton Steine Scherben lassen mit neuem Sänger Gymmick (Mitte) die 70er-Legende (remember Rio Reiser) neu aufleben.

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