Sehnsuchtsorte

11. Oktober 2017 - 14:04 | Renate Baumiller-Guggenberger

Musikalische Abstecher in die Provence, den hohen Norden und an den Wörthersee: Ein fulminanter Auftakt im 1. Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker mit Artist in Residence Prof. Stefan Schulz.

Auch sinfonisch begab sich das Theater Augsburg zum Spielzeitauftakt auf Sinnsuche. Im schlüssig konzipierten Programm vermittelten die Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von GMD Domonkos Héja mit Werken von Bizet, Hyldgaard und Brahms den begeisterten Zuhörern unter dem Motto »Sehnsuchtsorte« opulente und kontrastreiche Erkenntnisse. »Warum und wie genau berührt uns Brahms so sehr?« Diese Frage rückte Heja bereits in seiner Konzerteinführung in den Fokus. Die Antwort folgte nach der Pause »spielerisch« über die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur op. 73 gemeinsam mit einem zum Aufbruch in die kernige und viersätzige Naturidylle bereiten Orchester. Beschwingt auch duftig schon zu Beginn die musikalische Reise in den Süden Frankreichs, der sich mitsamt Charakteren, Düften und Stimmung in Bizets »L’Arlésienne-Suite« Bahn brach.

Großen Anteil an der Abenteuerlust hatte auch Bassposaunist Stefan Schulz, der sich in der »Rapsodia Borealis« als fulminanter, höchst souveräner Botschafter seines vielfach unterschätzten Instruments präsentierte. Seit 2004 ist Schulz Professor an der Universität der Künste in Berlin. Er hat mehrere Solo-CDs eingespielt, ist Mitglied der Berliner Philharmoniker, Mitgründer des World Trombone Quartet und engagiert sich erfolgreich, um ein attraktives (Kammermusik-)Repertoire für die Bassposaune zu generieren. Ein Auftragswerk war auch die jazzig inspirierte »Rapsodia Borealis« aus der Feder des dänischen Komponisten Soren Hyldgaar (*1962), dessen Faible für Filmmusik deutlich zu vernehmen war. Melodiös-lyrische Passagen im fliegenden Wechsel mit kraftstrotzenden, temporeich dahinpeitschenden Rhythmen öffneten über das Ohr den imaginären Weitblick auf das atemberaubende Naturschauspiel nordischer Steppen und bergiger Höhen. Schulz stellte sich als konzentrierter Interpret eher unaufdringlich ins Zentrum der leicht zugänglichen Komposition und machte die Hymne an den Norden mit samtweichem Klangvermögen zum lange nachhallenden musikalischen Genuss.

Die nächste, keinesfalls zu versäumende Gelegenheit, Stefan Schulz als Kammermusikvirtuosen gemeinsam mit keinem Geringeren als Saxofonist und Komponist Daniel Schnyder (sowie Violinisten Adam Taubitz) zu erleben, ist das Sonderkonzert »Barock und Blues« am 3. November im MAN-Museum. Blechbläserfans sollten sich auch das Sonder-Kammerkonzert vormerken, das am 26. November ebenfalls im MAN-Museum Stefan Schulz, die Blechbläser der Augsburger Philharmoniker und Studierende der Posaunenklasse an der Berliner UdK zusammenführt, um »Posaune und mehr« zu demonstrieren. Ein weiteres Highlight und weitere Facetten des charismatischen Posaunen-Virtuosen Stefan Schulz verheißt auch das das 7. Sinfoniekonzert »Jazz« am 7./8. Mai 2018.

www.theater-augsburg.de

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