Sicherheitspuffer verpufft

Theater Augsburg
23. Oktober 2017 - 11:16 | Jürgen Kannler

Wie plausibel ist die aktuelle Kostenschätzung der Sanierung des Theaters Augsburg? Ein Kommentar

Stadtrat Volker Schafitel gehört nicht zu den Männern, die im Rathaus viele Freunde oder Freundinnen haben. Als politischer Quereinsteiger hat sich der Architekt eine Unabhängigkeit bewahrt, die von mancher im Fraktionszwang verschollenen Politikerseele als frontaler Angriff auf die eigene Integrität verstanden wird. Als treibende Kraft im Oppositionssextett, zu dem sich Vertreter*innen der Freien Wähler, der ÖDP, der Polit-WG und der Linken in einer Ausschussgemeinschaft zusammengeschlossen haben und sich damit wacker als Rathausopposition schlagen, versteht Schafitel es, seinem ehemaligen Weggefährten OB Kurt Gribl und den Seinen regelmäßig Unbehagen zu bereiten.

Zuletzt meldete er sich mit der Frage »Wie plausibel ist die aktuelle Kostenschätzung der Sanierung des Stadttheaters?« zu Wort. Nachdem der finanzielle Puffer für das umstrittene Bauprojekt schon in der Planungsphase von rund 25 Millionen Euro auf etwa ein Zehntel seines Volumens zusammengeschmolzen ist, eine berechtigte Frage, die folgerichtig in den Tagen danach auch die Schlagzeilen der lokalen Presseorgane dominierte. Der verantwortliche Referent Gerd Merkle reagierte in der Folge verschnupft, der ausführende Architekt Walter Achatz wenig souverän. Beim besagten Pressegespräch in den Räumen der Ausschussgemeinschaft war übrigens auch die rechte Hand des OB, Richard Goerlich, zugegen. Eher ungewöhnlich in dieser Runde und Indiz dafür, wie ernst die Stadtregierung die Arbeit Schafitels nimmt. Dem Regierungsbündnis aus CSU, SPD und Grünen ist sehr wohl bewusst, dass ihnen das gemeinsam getragene Thema Theatersanierung spätestens bei der nächsten Kommunalwahl als weitere millionenschwere Fehlentscheidung den Weg zum Klassenziel versperren könnte.

Ganz abwegig ist die anhand von Vergleichsobjekten in Köln, Berlin und Frankfurt hergeleitete Kostenentwicklung beim Jahrhundertprojekt Theater Augsburg wohl für niemanden. Ganz neu sind diese Prognosen aber auch nicht. Kritik am Finanzierungskonzept der Wirtschaftsreferentin Eva Weber wurde schon an dem Tag laut, als sie das Papier der Öffentlichkeit vorstellte, und dieser Tag liegt lange zurück. Ein darauf basierender Bürgerentscheid zum Thema versandete allerdings zu Recht schon in der Startphase.

Um dem Gespenst der Kostenexplosion – Volker Schafitel rechnet im Extremfall mit einer Verdoppelung der Baukosten auf bis zu 400 Millionen Euro – den ärgsten Schrecken zu nehmen, üben sich Vertreter der Stadtregierung bereits im Entwickeln von Kostenvermeidungsstrategien die allesamt etwas hilflos anmuten. So bringt Verwaltungskarrierist Goerlich dem Vernehmen nach Einsparungen am Theaterbau ins Spiel, ohne genau zu benennen, wo diese machbar wären. Andere Stimmen favorisieren es, die Belastungen der Stadt durch den Theaterbau über das bisher angestrebte Jahr 2039 hinaus zu schieben. Und die SPD, die setzt auf interne Kostenkontrolle – die allerdings auch dem Verpuffen des Sicherheitspuffers nichts entgegensetzen konnte.

Alles in allem hat die Stadtregierung den Vorstößen Schafitels gegenwärtig wenig entgegenzusetzen. Der Architekt und Stadtrat haut auf den Putz, und alle anderen reagieren. So geht Oppositionsarbeit.

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