Ein Signal des Aufbruchs

6. Januar 2018 - 8:01 | Gast

Der BBK Schwaben-Nord und Augsburg e.V. feiert 2018 ein besonderes Jubiläum. Ein Gastbeitrag von Norbert Kiening

2018 wird die Große Schwäbische Kunstausstellung in Augsburg zum 70. Mal veranstaltet werden. 1949 war sie ein wichtiges Signal des Aufbruchs nach Zeiten von »entarteter« Kunst und Berufsverbot. Seither findet sie regelmäßig statt und ist eine demokratischen Prinzipien verpflichtete Schau zeitgenössischer Kunst, unter anderem weil sich alle Künstler*innen Schwabens bewerben können. Die eingereichten Arbeiten werden von einer unabhängigen Fachjury, die nach transparenten Prinzipien eingeladen wird, ausgewählt. Bis 1985 zur Eröffnung der Brechtgalerie war die Große Schwäbische Kunstausstellung die einzige Ausstellung, die vom BBK organisiert wurde. Aufgrund des großen Zuspruchs und vieler Ankäufe durch das kunstinteressierte Publikum und die öffentliche Hand war die Teilnahme »Pflicht« bei allen aktiven Künstlern Schwabens, was zur Attraktivität dieser Schau beitrug.

War die »GS« in den ersten Jahren im Schaezlerpalais zu sehen, ist sie dort seit 2013 wieder verortet, nachdem sie in den Jahren dazwischen durch verschiedene Ausstellungsorte im Herzen Augsburgs wanderte, wie 1963 in das Rathaus und ab 1980 in das Zeughaus. Die Lage der Ausstellungsorte verdeutlicht den Stellenwert bildender Kunst für die Stadtgesellschaft. Es ist zu begrüßen, dass diese Ausstellung zentral, innerstädtisch stattfindet und so kommerzielle Angebote ergänzt und kontrastiert.

Zur 70. Wiederkehr planen wir den besonderen Aspekt »Bildende Kunst als Teil städtischer Kultur« zu akzentuieren und entwickeln Ideen, wie eine Plakataktion, eine Diskussion, eine »Kunst-Stadt-Karte« mit Kunstparcours, einen Film, mehrere Führungen und weiteres. Diese Aktionen werden die 70. Große Schwäbische Kunstausstellung begleiten und ergänzen. Dazu hofft der BBK auf die Unterstützung von Sponsoren, auch der öffentlichen Hand, damit diese Jubiläumsausstellung zu einem besonderen Ereignis wird.

Passend dazu wird in der BBK-Galerie im April 2018 die Schau »Urbane Landschaft« stattfinden. Sie kann im Vorfeld diesen Themenkreis inhaltlich vorbereiten, sie kann vielleicht auch Ressource für die besondere Ausgestaltung der 71. »GS« sein. In einem weiteren Projekt werden wir uns der Skulptur mit Farbe widmen, das Zitat: »Ich sehe, träume und denke Tag und Nacht über eine Skulptur nach:…Aber ich fand Farbe ein witziges Zubehör…« (Georg Baselitz) ist Anregung für Objekte, Skulpturen, Keramiken, die in ihrer Konzeption oder Ausführung die Auseinandersetzung mit Farbe thematisieren.

Ein großes Anliegen, besonders in 2018, wird die Förderung und Einbeziehung junger Künstler sein. Zum einen suchen wir wieder Debütanten, die wir für die Katalogförderung des Freistaats vorschlagen und betreuen möchten, aber auch unser jährliches Drucksymposion ist hierfür ein hervorragendes Instrument. Wir freuen uns, wenn wir mit jungen Künstlern im Juni wieder eine Woche mit allen denkbaren Druckverfahren nicht nur die Exponate für eine Ausstellung erarbeiten, sondern jungen Talenten dabei auch konkrete Einblicke in die Arbeit in der Druckwerkstatt geben können.

»Beste Kunst – Mitglieder zeigen ihre besten Kunstwerke« hat sich zu unserem meistbesuchten Ausstellungsformat neben der Großen Schwäbischen entwickelt und wird natürlich auch 2018 im Dezember durchgeführt werden. Wir freuen uns auf großes Interesse an unseren Veranstaltungen, sowohl beim Kunstpublikum als auch bei Kunstschaffenden.

Norbert Kiening arbeitet als freischaffender Künstler in Augsburg. Seit 2005 ist er Vorstand im Präsidium des Berufsverbands Bildender Künstler Schwaben-Nord und Augsburg und wirkt im Landesvorstand des BBK Bayern mit.

www.kunst-aus-schwaben.de


Was bringt das neue Jahr? Die a3kultur-Redaktion hat 16 Kulturmacher*innen aus unserer Region um einen Gastbeitrag zu ihren Projekten 2018 gebeten. Mehr in unserer aktuellen Printausgabe: http://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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