Aber sowas von Herzlich Willkommen in Augsburg, Otello.

21. Februar 2017 - 12:09 | Julian Stech

Am 19. Februar fand im Kongress am Park die Premiere der Verdi-Oper »Otello« statt. Das Theater Augsburg bietet ein großes Erlebnis für Auge und Ohren.

Anfänglich ließen die an das Publikum gerichteten Worte von Intendantin Juliane Votteler nichts Gutes vermuten: »Unser Jago, Antonio Yang, wachte heute Morgen mit Halsproblemen auf.« Diese Hiobsbotschaft ließ unter den Organisatoren erst einmal alle Alarmglocken klingeln, doch im Laufe des Tages konnte ein wenig durchgeatmet werden, denn trotz Beschwerden entschloss sich Yang zwischenzeitlich, die Premiere nicht ohne ihn auf der Bühne stattfinden zu lassen. Was für ein Glück – habe ich ihn und seine Stimme doch aus den Proben noch in bester Erinnerung.

Vom ersten Öffnen des Vorhangs an befindet sich der Zuschauer in Otellos Herrschaftsgebiet, einer düsteren, undefinierbaren Szenerie, in der eine körperliche Distanz zwischen Volk und vermeintlichen Autoritäten entbehrlich ist, solange gewusst wird, wer das Sagen hat. Ein Meer aus Matratzen wird je nach Szene zu dem umgeformt, zu was es gerade benötigt wird: So werden daraus Betten, Tische oder Trümmer. Das noch anfänglich einigermaßen geordnet wirkende Bühnenbild zerbricht und wird immer unruhiger im Laufe des Stückes – parallel zum schleichenden Zusammenbruch des entgegengebrachten Respekts der Bürger und des Stolzes von Otello (Zurab Zurabishvili), der noch zu Beginn nicht nur durch sein Outfit wie eine Mischung aus persischem Frauenwirt und funkelndem Mariachi erscheint. Gespielt wird mit Licht und Schatten (Solisten bedienen die Scheinwerfer selbst), wundervollen Accessoires (Münze, Grammophon) und dem langsamen Erscheinen einer riesigen Orgel, wodurch man ein nahendes Unheil erahnen kann und sich ein Beerdigungsstück irgendwo im Unterbewusstsein abspielt.

Den Outfits nach, besonders wenn man den Chor betrachtet, haben Timo Dentler und Okarina Peter das Stück in die Zeit der späten 1950er Jahre angesiedelt, was sehr gut funktioniert, da die Spießigkeit und Bodenständigkeit der Kleidung einen interessanten Kontrast zur Verworrenheit der gesamten Kulisse liefert. Gesänge und Schauspiel funktionieren in dieser Umgebung hervorragend. Regisseurin Michaela Dicu hat mit dieser Inszenierung wirklich ein goldenes Händchen bewiesen, sind es doch viele kleine Handlungen und Ausdrucksweisen der Darsteller, die diese tragische Geschichte zu einer großen Erfahrung machen. Die ersten beiden der vier Akte gefielen mir besser und waren aufregender, was aber auch zum größten Teil mit der noch explosiveren Attraktivität der Musik zusammenhing. Doch alles in allem war dies eine großartige Premiere von »Otello« - erstklassige Leistungen der Solisten (auch Young ließ sich stimmlich nicht unterkriegen), des Chors, des Orchesters und dem Stab hinter der Bühne. Auch fand ich den Kongress am Park als Ersatzspielstätte weitaus angenehmer als die Schwabenhalle. Somit bleibt mir nur zu sagen: Die Inszenierung der Oper von Anfang an mit zu verfolgen, war ein Erlebnis, welches an diesem Abend seinen Höhepunkt fand.

Weitere Termine:
Di 21.02.17 | Do 02.03.17 | Sa 11.03.17 | So 19.03.17 | Mi 29.03.17 | Di 11.04.17 | Mo 24.04.17 | Sa 29.04.17 | Fr 12.05.17

www.theater-augsburg.de

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