St. Moritz ist kein Denkmal

30. Dezember 2017 - 8:07 | Gast

Ein Jahrtausend: 1000 Jahre Moritzkirche Augsburg. Ein Gastbeitrag von Michael Grau

2019 feiert mit der Kirche St. Moritz ein Augsburger Wahrzeichen im Herzen der Innenstadt sein 1000-jähriges Bestehen. Wenn das kein Anlass für etwas Besonderes ist! Ein ganzes Jahr lang lädt die Moritzkirche ein, gemeinsam mitten in der Stadt dieses Jubiläum zu feiern – beginnend mit dem Patroziniumsfest des hl. Moritz am 22. September 2018 bis in den September 2019.

In St. Moritz bündeln sich 1000 Jahre Augsburger Kulturgeschichte: 1019 als Kollegiatsstift von Bischof Brun (1006–1029) zu Ehren des Ritterpatrons St. Mauritius gegründet, ist sie eine der ältesten Kirchen der Stadt; das achteckige Obergeschoss (1534) des frei stehenden Turmes ist eines der ersten Zeugnisse der Renaissance in Augsburg. 1510 richtete Jakob Fugger der Reiche eine Prädikaturstiftung für St. Moritz ein. Dies war der Beginn einer engen Beziehung zur Familie der Fugger, die bis heute besteht. In der Kirche befinden sich unter anderem Skulpturen von Georg Petel, dem »deutschen Michelangelo«. Der beim Bombenangriff 1944 fast völlig zerstörte barocke Innenraum wurde 2010 bis 2013 unter der Leitung des international renommierten Londoner Designers John Pawson saniert und mit einem bis ins letzte Detail durchdachten Konzept neu gestaltet. Vor allem das international ausgezeichnete Lichtdesign gilt in dieser Form als einzigartig und richtungsweisend. Diese Ver­gangenheit wirkt fort: Bis heute ist die Moritzkirche Ort für zeitgenössische Kunst, Konzerte und Installationen.

St. Moritz ist aber kein Denkmal, sondern ein Ort, an dem sich Geistiges und Sinnliches, Kultur und Spiritualität, Kreativität und Seelsorge durchdringen und gegenseitig fördern. Die Begeisterung dafür zeigen die Personalgemeinde, die weit über das Pfarrgebiet hinausreicht, sowie die große Zahl der Ehrenamtlichen, die sich hier engagieren. Zudem ist St. Moritz auch der Sitz der Cityseelsorge der Diözese Augsburg. Der moritzpunkt ist dabei Anlaufpunkt für Menschen, die Beratung und Hilfe suchen oder sich austauschen möchten. Kunst und Seelsorge gehen in der Moritzkirche Hand in Hand: In beiden Fällen geht es darum, zu sich zu kommen, still zu werden, offen zu sein für das, was nicht in unser alltägliches Deutungs- und Wahrnehmungsschema passt und was auf uns zukommen mag.

Bis heute ist die Moritzkirche Ort für zeitgenössische Kunst, Konzerte und Installationen

All dies zusammen macht St. Moritz aus – seit 1000 Jahren. Das wollen wir feiern, so wie wir es gewohnt sind: offen, kreativ, innovativ – mit allen zusammen. Dazu werden wir ein Jahr lang gemeinsam mit unseren Unterstützern und Partnern ein abwechslungsreiches Kulturprogramm zusammenstellen, neben unserem selbstverständlichen spirituellen Angebot. Für Details ist es jetzt noch zu früh, aber wenn sich unsere Pläne realisieren lassen, wird sich ein Spannungsbogen ergeben aus internationalen und regionalen Künstlern und einer kreativen Plattform für uns alle.

Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen aus Augsburg und darüber hinaus zusammenzuholen, um auf der Basis einer 1000-jährigen Geschichte Gegenwart zu verhandeln und Impulse für unsere Zukunft zu setzen – nicht zuletzt um für Kirche zu begeistern: lebendig, innovativ und mittendrin.

Michael Grau kam als Kirchenmalergeselle ans Theater in den Malersaal, als Sozialpädagoge in die Jugend­erbandsarbeit. Dazwischen einige Se­mester Philosophie, Theologie und Kunstpädagogik, Grün­dung der DJK Theaterfabrik Uhrwerk, Aufbau der Kulturfabrik. Seit 2002 künstlerischer Leiter und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit in der Moritzkirche.

www.moritzkirche.de


Was bringt das neue Jahr? Die a3kultur-Redaktion hat 16 Kulturmacher*innen aus unserer Region um einen Gastbeitrag zu ihren Projekten 2018 gebeten. Mehr in unserer aktuellen Printausgabe: http://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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