Taktvoll großzügig

23. Januar 2017 - 9:12 | Sarvara Urunova

Unter dem Titel »taktvoll« lud die bayerische kammerphilharmonie in Zusammenarbeit mit dem Dirigentenforum des Deutschen Musikrats am vergangenen Samstagsabend zur konzertanten Aufführung der heiteren Oper von Joseph Haydn »L’isola disabitata«

Seit Jahren verfolgt das Orchester großherzig das Ziel in einer Reihe traditioneller Konzerte Nachwuchsdirigenten eine Plattform zu bieten mit den erfahrenen Musikern zusammen zu agieren. In diesem Jahr konnten die Dirigierstipendiaten ihre Künste unter der Leitung von Alessandro de Marchi unter Beweis stellen. Der Maestro, der während des Konzertes im Publikum mit seinen Schützlingen mitfieberte, gilt als einer der führenden Spezialisten der historischen Aufführungspraxis und dirigierte an den großen europäischen Opernhäusern wie Mailänder Scala oder La Fenice in Venedig. Die Auswahl des Werkes von Joseph Haydn hätte kaum passender sein können, so vielseitig ist die Oper, die am 6. Dezember 1779 im Schloss Esterháza uraufgeführt wurde und zu den besten und bekanntesten der insgesamt fast vierzig Vertonungen des Librettos von Pietro Metastasio gehört.

Das Libretto erzählt die Geschichte von vier Protagonisten auf einer Insel, die der Liebe verfallen, darunter leiden und erst jubeln können, als sie erkennen, dass Liebe so unschuldig ist, wie die Natur selbst. Im ersten, schmerzvolleren Akt bringt der Dirigierstipendiat Johannes Braun die Tiefe der Gefühle in der dynamischen Intensivierung hervorragend zur Geltung. Die Gesangsolisten des Abends - Carmen Artaza (Constanza), Samantha Gaul (Silvia), Shimon Yoshida (Gernando) und Manuel Adt (Enrico) - bieten raffinierte und vorzügliche Darstellung des Geschlechterkampfes, dessen humorvolle Aspekte besonders gelingen. Die Sopranistin Samantha Gaul überzeugt mit ihrer kraftvoll natürlichen Art und entspricht damit bestens dem Charakter ihrer Protagonistin Silvia.

Den zweiten Akt übernimmt der nächste Nachwuchsdirigent Gàbor Hontvári. Nuancenreich wird der Sieg der Liebe über die ungläubige Vernunft, der Natur über Zivilisation gefeiert. Das Orchester überzeugt wie gewohnt mit unglaublich vollmundigem Klang, dessen intensive Bandbreite erstaunt.

Das nächste Konzert der bayerischen kammerphilharmonie findet am 19. März statt und hat die tänzerischen Akzente der Musik von W.A. Mozart, Béla Bartók und Ottorino Respighi als Leitmotiv.

www.kammerphilharmonie.de

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