Verdi, Puccini, Rufus Wainwright?

8. Februar 2018 - 10:39 | Geoffrey Abbott

Das Theater Augsburg brachte Rufus Wainwrights erste Oper, »Prima Donna«, zur deutschen Erstaufführung im martini-Park.

Wer Rufus Wainwrights Songs gehört hat, kennt seine klangvolle Legato-Stimme, die oft melancholische Stimmung und teils opulente Instrumentation. Der Text ist bei ihm generell schlecht zu verstehen, aber das verzeiht man, denn seine Texte sind häufig eher assoziativ als episch-erzählend und die Lieder sind gut. Meine erste Begegnung mit seiner Musik war eine Ausstrahlung in Arte, eine Robert-Wilson-Inszenierung von Shakespeare-Sonetten aus dem Berliner Ensemble. Rufus Wainwright hatte die Musik komponiert und Schauspieler des Hauses haben virtuos und bravourös gesungen. Ich fand es großartig.

Man könnte denken, dass dieser Rufus Wainwright, der immerhin angibt, Beschützer und Bewahrer der romantischen Operntradition des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu sein, gute Voraussetzungen für »Prima Donna«, seine erste Oper, mitbringt. Leider blieb die deutsche Erstaufführung des Theaters Augsburg für mich deutlich unter den Erwartungen. Wie konnte das sein?

Melodien stehen immer im Vordergrund seiner Musik, sagt Rufus Wainwright. Mir aber ist nichts derartiges ins Ohr gegangen. Allmählich wurde mir das bewusst und ich fing an genauer hinzuhören. Meistens blieben die Wendungen seiner Vokallinien innerhalb einer Quart. So konnte er keine melodische oder emotionale Vielfalt zaubern. Am Tag nach der Aufführung habe ich einige Wainwright-Lieder angehört: Ja, auch hier ist kaum von Melodie im Sinne der romantischen Oper zu sprechen.

Als nächstes fiel mir auf, dass mir die Instrumentierung dilettantisch vorkam. Das Orchester war ziemlich groß besetzt und einiges kam sehr unausgewogen daher. Ich dachte, ja Puccini kann es besser. Dann habe ich aber tatsächlich ähnliche Orchestrierungsmuster bei seinen Liedern gehört und es klang überzeugend. Da war sofort klar, dass das Problem bei der Abmischung liegt. Rufus Wainwright hätte wissen müssen, dass im Theater nicht gravierend abgemischt werden kann und bestimmte Orchesterfarben den Gesang zwangsläufig überdecken. Das gleiche Problem betrifft auch die Solistinnen und Solisten, denn sie hatten Extreme der Tessitura zu bewältigen ohne Mikro und Mischpult.

Die großen Opernkomponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatten Rufus Wainwright aber noch etwas voraus – überzeugende Libretti und spannende Dramaturgie. Im Programmheft-Interview verspricht er uns eine Steigerung bei seiner zweiten Oper. Hoffen wir es.

Nächste Termine: 9. und 15. Februar sowie 2., 10., 18. und 27. März. Weitere im April und Juni.

www.theater-augsburg.de

Foto (Jan-Pieter Fuhr): Sally du Randt (Madame Saint Laurent) und Roman Poboinyi (André).

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