Wo sind die Bekloppten?

11. Juli 2017 - 13:46 | Patrick Bellgardt

Abschiedsstimmung am Theater Augsburg: Das Schauspiel-Ensemble verabschiedet sich mit der Komödie »Pension Schöller« gebührend von seinem Publikum.

»So jung kommen wir nicht mehr zusammen«, lautet eine Redensart, die in fast jeder Situation ins Schwarze trifft. Sie meint: Lasst uns die Zeit genießen, die wir haben! Wer würde da nicht zustimmen? Diesem Vorsatz folgt auch Maria Viktoria Linke. Mit der Komödie »Pension Schöller« verabschiedet sich die Schauspieldirektorin und Chefdramaturgin vom Theater Augsburg – und mit ihr ein Großteil des derzeitigen Schauspielensembles.

Die letzte gemeinsame Inszenierung ist eine ungeheuer komische Spaßrevue voller skurriler Charaktere, schräger Gags und absurder Dialoge. Genau wie die noch bis Ende Juli laufende Freilichtbühnenproduktion »The Rocky Horror Show« versprüht »Pension Schöller« reichlich gute Laune – eine geballte Ladung Humor zum Abschied.

Die Handlung des um 1890 von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby geschriebenen Stück ist wunderbar skurril: Der Gutsbesitzer Philipp Klapproth möchte gerne einmal eine Nervenheilanstalt von innen sehen. Sein Neffe Alfred soll ihm diesen Wunsch gegen eine großzügige finanzielle Gegenleistung erfüllen. Fündig wird er auf Umwegen: Er führt den Onkel in die Pension Schöller, deren Gäste – sagen wir mal – durchaus exzentrische Züge aufweisen. Klapproth, der die Bewohner des Hauses wirklich für »bekloppt« hält, amüsiert sich anfangs prächtig …
 
Linkes Inszenierung schafft es, mit unschlagbarer Komik zum – vordergründig nur sehr sachte mitschwingenden – tragischen Kern der Charaktere durchzudringen. Was »normal« ist, ist Ansichtssache. Je nach Perspektive wechselt das Ergebnis der Betrachtung. Was ist »normal«, was »verrückt«? Das bestimmt nicht zuletzt die Umwelt.

Mit »Pension Schöller« bereitet sich das Ensemble einen würdigen Abschied. Jessica Higgins sticht in ihrer Rolle als hyperaktive Schriftstellerin heraus: ihre Version von Missy Elliotts »Get Ur Freak On« – genial! Alexander Darkow (Alfred Klapproth) und Gastschauspieler Jörg Zirnstein (Foto, Philipp Klapproth) geben ein aberwitziges Onkel-Neffe-Gespann. Gregor Trakis hantiert als wildernder Professor gekonnt mit überdimensionalen Revolvern und gefährlichen Löwen. Ute Fiedler, Richard Wagner, Serge Mateso, David Dumas, Mathias Schulz, Anton Koelbl, Valerie Oberhof und Musiker Johannes Mittl – man muss sie alle aufzählen. Danke, das hat Spaß gemacht!

Weitere Termine: 11., 13., 14. und 15 Juli. Unter dem Motto »Heute Abend dampfen wir ab« lädt das Theater Augsburg vor und nach den Vorstellungen (18 bis 24 Uhr) zu einem Rahmenprogramm mit Bewirtung:

13.07. Überraschungskonzert – in der brechtbühne
14.07. Los Banditos – in der brechtbühne
15.07. Kehraus-Party mit DJ – vor der brechtbühne

Weitere Infos:
www.theater-augsburg.de

Foto: Kai Wido Meyer

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