Monkey Business: Textile Arbeiten von Beate Passow

Monkey Business: Textile Arbeiten von Beate Passow

14. Januar 2018 - 9:00

tim – Staatliches Textil- und Industriemuseum

Unter dem Titel „Monkey Business“ erkundet die Münchner Künstlerin Beate Passow Gründe und Abgründe des gegenwärtigen Europa. Ein Kontinent, der in seinen Fundamenten erschüttert und aus den Fugen geraten erscheint. Einst als Hort der Demokratie, Humanität und Kultur gefeiert, sieht Passow das heutige Europa offenbar geprägt von einer militärischen Abwehrhaltung an seinen Grenzen, von einem durch und durch korrumpierten Kapitalismus und von einem immer schamloser auftretenden Neonazismus.

Passow, 2017 ausgezeichnet mit dem renommierten Gabriele Münter Preis, konstatiert zudem einen in die Leere gehenden Eros zwischen den – nur mehr – selbstgefälligen Geschlechtern sowie eine zynische Flüchtlingspolitik, die den Tod vieler Hilfesuchender im Mittelmeer billigend in Kauf nimmt. Erst bei genauerem Hinsehen lässt sich erkennen, dass Passow ihre in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder, die wie Fotomontagen wirken, als raffinierte Tapisserien ausgeführt hat. Entstanden ist eine eindringliche Mythologie des 21. Jahrhunderts, mit der sie die große abendländische Tradition der Tapisserie radikal unterläuft.

Die Künstlerin wendet somit eine einstmals auf Repräsentation zielende Kunstgattung, die doch der Heldenerzählung, dem Herrscherlob oder der Darstellung biblischer Geschichten vorbehalten war, in ihr kritisches Gegenteil. Passows Fabelwelt der Gegenwart hinterfragt pointiert herrschende Systeme, ökonomische Strukturen und politische Bewegungen. Und am Ende hat nur noch eine paradoxe Moral Bestand: Dass es bei all dem faulen Zauber („Monkey Business“), der Europas Politik und Gesellschaft am bedrohlichen Abgrund zeigt, keine Moral mehr gibt.