Studium generale Kontroversen: Philosophie. Der Fall Galilei

Studium generale Kontroversen: Philosophie. Der Fall Galilei

7. Dezember 2017 - 17:00

Zeughaus

Erst 1992 wurde Galileo Galilei von Papst Johannes Paul II. formal rehabilitiert: Es dauerte über 350 Jahre, bis die katholische Kirche offiziell eingestand, dass die Verurteilung Galileis 1633 ein großer Fehler war. Der Vortrag nimmt eine der wissenschaftshistorisch bedeutendsten und nachhaltigsten Kontroversen in den Blick, indem ausführlich auf Galileis Wirken und seine Konfrontation mit der Kirche eingegangen wird. In diesem Kontext wird - mit Galilei im Mittelpunkt und Namen wie Kopernikus und Kepler am Rande - systematisch erörtert werden, wie zu Beginn der frühen Neuzeit die astronomische Revolution mit dem Übergang vom geo- zum heliozentrischen Weltbild vonstatten ging. Hierbei wird sich zeigen, dass die ersten Angriffe gegen Galilei nicht aus der Kirche, sondern aus der Wissenschaft selbst kamen: Galilei vertrat eine über die Astronomie weit hinausgehende fundamental neue Naturphilosophie, die sich gegen mehr oder weniger alle Formen etablierter wissenschaftlicher Praxis richtete und zu immensen Widerständen führte. Mit seinen neuen Methoden gelangte er zu Erkenntnissen, welche die seit knapp 2000 Jahren als gültig erachtete aristotelische Naturphilosophie zum Einsturz brachten - aber diese aristotelische Naturphilosophie war seit dem Mittelalter auch zu einem Kern des christlichen Glaubens geworden. Aus diesem Grund sah sich der tief gläubige Katholik Galilei einer strukturellen Vernetzung von Kirche und (damaliger) Wissenschaft gegenüber, in deren Zuge auch die kirchlichen Vorbehalte und religiös motivierten Attacken gegen seine Ansichten immer größer wurden. In Folge eines Zusammenspiels von offen ausgetragenen Auseinandersetzungen, Intrigen, Missverständnissen und gekränkten Eitelkeiten kam es schließlich zu dem vielleicht berühmtesten Inquisitionsprozess der Geschichte, dessen Ablauf bisweilen an Kriminalromane erinnert und an dessen Ende die Verurteilung zu lebenslangem Hausarrest stand.