Club & Livemusik

Fatoumata Diawara & Band

Fabian Linder
4. August 2022

Die Kooperation mit den Augsburger Philharmonikern ermöglicht am Sonntag, 7. August einen musikalischen Austausch zwischen Westafrika und Augsburg.

Den musikalischen Höhepunkt von Water & Sound bildet das Konzert der grammynominierten Sängerin und Schauspielerin Fatoumata Diawara, die als Kind malischer Eltern in Elfenbeinküste geboren  wurde. Diawara zählt zu den bedeutendsten Stimmen heutiger afrikanischer Künstler*innen. Musikalisch orientiert sich die Songwriterin an den traditionellen und modernen Klängen der Sahara und Westafrikas. In ihren rhythmisch kraftvollen und einfühlsamen Songs singt Fatoumata Diawara über Alltägliches, über die Probleme der Region zwischen Krieg, Flucht, Armut oder Zwangsheirat. »Sie wollten reisen, so wie es jeder tut. Sie wollten den Ozean überqueren, aber ihnen wurde gesagt, sie haben nicht das Recht dazu« heißt es im Song »Clandestin«, der die Migrationsbewegungen nach Europa thematisiert. Mit »Mama« hingegen hat die Sängerin, die ab ihrem zwölften Lebensjahr bei einer Tante aufwuchs, eine musikalische Hommage an ihre Mutter geschaffen.

Schon häufiger hat Diawara mit großen Namen der zeitgenössischen Musik zusammengearbeitet. Sei es mit Soulsänger Bobby Womack, dem kubanischen Pianisten Roberto Fonseca oder mit den Künstlern der britischen Band Gorillaz, auf deren letztem Album sie 2020 den Titel »Désolé« performte. Eine musikalische Zusammenarbeit wird auch beim Konzert auf der Freilichtbühne im Vordergrund stehen: die Verbindung der traditionellen Musik von Fatoumata Diawara mit dem Ensemble der Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von Tom Jahn. Bereits vergangenes Jahr trafen die Philharmoniker zusammen mit Tom Jahn an der Freilichtbühne mit der Galizierin Mercedes Peón auf eine andere bedeutende Künstlerin der Weltmusik.

Die Kooperation mit den Philharmonikern erstreckte sich dabei über viele Monate, wie der künstlerische Leiter Girisha Fernando bei der Pressekonferenz Ende Juni erzählt. Es ist zunächst ein Zuhören, was die jeweils anderen Künstler*innen machen, und ein gemeinsames Überlegen, wo wer anknüpfen kann. Daraus entwickelt sich ein aufwendiger Prozess, der in der Verbindung und im Austausch der verschiedenen musikalischen Ausdrucksformen einen kulturellen Mehrwert entstehen lässt. Dass die Konzerte an der Freilichtbühne beim Roten Tor stattfinden, zeigt die offenkundige Verbindung des Festivalgedankens von Water & Sound: Die am Roten Tor angrenzenden Wassertürme gelten als ältestes bestehendes Wasserwerk Mitteleuropas und dienten seit dem ausgehenden Mittelalter 463 Jahre lang der städtischen Trinkwasserversorgung.

Diawara hat sich darüber hinaus auch einen Namen als Schauspielerin gemacht. Bereits in ihren Jugendjahren knüpfte sie Kontakt zum Theatermilieu und zu Filmemachern. Von 1996 bis 2011 spielte sie in sieben Filmen zum Teil die Hauptrolle und arbeitete mehrere Jahre bei der Compagnie Royal de Luxe, einer Straßentheatergruppe aus dem französischen Nantes. 2006 spielte Diawara in der »Opéra du Sahel« und damit in der ersten in der malischen Hauptstadt Bamako uraufgeführten Oper die weibliche Hauptrolle.

Mit den beiden Filmen »Timbuktu« und »Mali Blues« erreichte Fatoumata Diawara 2014 und 2015 den vorläufigen Höhepunkt ihrer Leinwandpräsenz . »Timbuktu« erzählt von der Besetzung der malischen Oasenstadt durch Dschihadisten der Al-Qaida und geht damit auf den seit 2012 andauernden Konflikt in Nordmali ein. Diawara spielt darin die an sie selbst angelehnte Rolle der Sängerin Fatou. Der Film konkurrierte in Cannes um die Goldene Palme, auch wegen seiner vielfältigen sprachlichen Darstellung, die immer wieder zwischen den verschiedenen Dialekten, regionalen und kolonialen Sprachen wechselt, um die Vielschichtigkeit des Konflikts zwischen ethnischen Auseinandersetzungen und westlichen Befriedungsinteressen sowie dessen Ursachen zu verdeutlichen.

»Mali Blues« hingegen porträtiert unterschiedliche malische Musiker*innen, darunter auch Fatoumata Diawara. Mit dem Porträt von Bassekou Kouyaté erzählt der Film auch die Geschichte eines Griot und grammynominierten Weltmusikers, der traditionelle afrikanische Instrumente in die moderne Rockmusik integriert. Und mit Ahmed Ag Kaedi und Master Soumy erhalten auch die Tuareg und die junge Generation Malis ihren filmischen und musikalischen Tribut. Allen gemein ist der Kampf ihrer Musik für einen toleranten Islam und ein Land in Frieden. Viele der Musiker*innen Malis waren zur Entstehungszeit der Dokumentation gezwungen, innerhalb des Landes vor den Dschihadisten zu flüchten, da diese jegliche weltliche Musik verboten und verfolgten. Der Film erzählt nicht nur von den Ursprüngen des Blues in Mali, sondern auch von der Widerständigkeit der Bevölkerung und der Musiker. »Politisch haben wir in Mali nichts kapiert, aber musikalisch haben wir so einiges kapiert«, beschreibt Fatoumata Diawara die Bedeutung der Musik während des Konflikts in Mali. Dieses musikalische Verständnis trägt sie in der Kooperation mit den Philharmonikern nach Augsburg.

Weitere Nachrichten

15.08.2022 - 07:00 | Martin Schmidt

Friends of Gas und Pirx bringen Postpunk, Kellerrock und Artpop in den Kulturbiergarten am Kö.

11.08.2022 - 07:00 | a3redaktion

Das vielfältige Programm rund um die Eisenbahn lädt Jung und Alt ein.

10.08.2022 - 07:00 | Juliana Hazoth

Am Samstag, den 13. August um 19:30 Uhr findet die Lange Nacht der Poesie mit Knut Schaflinger, Martyn Schmidt und Alke Stachler im Brunnenhof beim Zeughaus statt.

09.08.2022 - 15:00 | Martin Schmidt

Workshop- und Kulturprogramm am 13. und 14. August im Provino Club vernetzt Frauen, Lesben, Inter-, nicht-binäre, Trans- und Agender*- Personen.

09.08.2022 - 07:00 | Fabian Linder

Am Freitag, 12. und Samstag, 13. August laden die Veranstalter*innen des Stereostrand-Festivals mit abwechslungsreichem Line-up zum SanDepot-Gelände.

08.08.2022 - 07:00 | Martin Schmidt

Ohhhh yesss! Auch dieses Jahr performen die Herren der Kapelle Rabenbad im Brunnenhof. Und zwar am Freitag, 12. August (20 Uhr).

07.08.2022 - 16:00 | Martin Schmidt

MiJaria veröffentlichen ihre EP »Butterfly / Mermaid«. Musik, die verschiedenen Kulturen zusammenbringt.

07.08.2022 - 07:00 | a3redaktion

Von Mittwoch, 10. bis Samstag, 13. August stehen vier ganz unterschiedliche Impro-Formate auf dem Programm des Sensemble Theaters.

06.08.2022 - 15:00 | a3redaktion

Am Sonntag, 7. August um 16 Uhr feiert das Theater Fritz und Freunde im Kulturhaus Abraxas die Premiere von »Das Dschungelbuch«.

06.08.2022 - 12:00 | Martin Schmidt

Noch bis 27. August geht der Kulturbiergarten (KuBiGa) am Königsplatz mit seinem abwechslungsreichen Programm: Bands, DJs, Speis und Trank.