Flammensaal vs. Rokokosaal

15.03.2018 - 08:04 | Martin Schmidt

März heißt Frühling in Reichweite, und er kündet von Retro-Rock & Psychedelic (Kadavar) sowie zeitgenössischer Kunstmusik (Stefan Schulzki & Beatrice Ottmann). Und beides an ein und demselben Abend, Freitag, 16. März.

Wenn das mal nicht wieder passt: Während in Augsburg die Internationale Fachmesse für Schleiftechnik, die GrindTec 2018 (7. bis 19. März), steigt, kommen die Experten für Metallbearbeitung und, hihi, Leif-Technik Kadavar in die Stadt. Die Berliner Retro-Rocker kochen ein infernalisches Freudenmahl für Fans von Bandikonen wie Black Sabbath, Pentagram oder Hawkwind. Damit stehen Kadavar bikerstiefeltief in jener Musiktradition, welche für die so genannte Große Koalition steht: Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. Aber – brauchen wir in Augsburg Seximport von außen, wenn wir doch so schöne Menschen hier haben, die einander sogar kennen? Brauchen wir Drogen, wenn es hier doch zum Beispiel den Botanischen Garten gibt? Selbst der Dümmste erkennt: Nö, brauchen wir nicht. Aber Rock, und ein paar Ohrenstöpsel, das könnten, nein: müssen wir schon etwas brauchen. Und genau das steht am Freitag, 16. März, im Flammensaal der Musikkantine (19:30 Uhr) im Angebot. Pflicht sind: lange Haare, Vollbart, Schlaghosen und Plateauschuhe – Kadavar sind eine livemusikalische Zeitmaschine und bieten ein 70er-Jahre-Update galore. 2018 ist zumindest mal rock- und riffmäßig gerettet. Wer jetzt schon panische Angst vor dem im Sommer dräuenden Fugger-Musical hat, findet hier seine Gegenmedizin. Passenden Support geben die Augsburger Sleeping Tree mit Stoner-Rock/Psychedelic/Doom.

Z(w)eitgenössisch

Und jetzt – der Kolumnist freut sich schon seit dem ersten Buchstaben dieses Artikels auf das onkelige Wortspiel – vom Rock zum ba!-rocken Rokoko. Im Rokokosaal der Regierung von Schwaben nämlich (Fronhof 10), eigentlich von der Location her damn retro, wird es mit »Sounds and Ballads II« kontrastreich zeitgenössisch. Und zwar in Sachen klassische Musik, aber mit genug modernen und elektronischen Soundsprengseln, dass es die Veranstaltung, mit einem Fuß zuallermindest, in diese gute alte Pop-Kolumne schafft. Und: Termin ist signifikanterweise zeitgleich zu den eben besprochenen Kadavar – Freitag, 16. März (20 Uhr). Heißt: Retro im Futuro-Club Musikkantine versus Futuro im Retro-Club Rokokosaal. Was passiert da in Letzterem? Die Vokalistin Beatrice Ottmann (Sopran und Live-Elektronik) und der Komponist, Pianist und Augsburg-Genius Stefan Schulzki (Klavier, Modularsynthesizer, Sampler & Live-Elektronik) präsentieren Werke der zeitgenössischen Komponisten Alexander Strauch, Volker Nickel, Victor Young, Johannes X. Schachtner, Erich S. Hermann und von Stefan Schulzki selbst.

Mehr als 50 Prozent des Abends haben mit Klassik eigentlich nichts mehr zu tun, der Großteil der Stücke – drei davon sind eigens für diesen Abend geschriebene Uraufführungen – sportet elektronische Klänge. Dazu kommt die Stimme der experimentierfreudigen Vokalistin Beatrice Ottmann. Wer offen ist für avantgardistische Brückenschläge und gewagte Soundscapes, ist also willkommen. Neben klassische Piano-Gesang-Duetten treten an diesem Abend eklektizistische Klangpaarungen aus Elektronik, Klassik und Pop. Synthielastige, filmscoreähnliche Passagen werden durch Glitches und elektronische Noisesplitter aufgebrochen, die Gefühlsräume schwanken zwischen klassisch, gothic und postmodern. Experimentell, expressiv, von imposant bis subtil; und sogar Jazz hält Einzug. Wer Herz und Ohren hat für zeitgenössische Kunstmusik – am 16. März ist der geeignete Abend. Das genaue Programm findet sich unter www.tkva.de.

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