Industriekultur bewahren

11.02.2020 - 10:15 | Susanne Thoma

Seit 15 Jahren begeistern die Gaswerksfreunde Augsburg mit Führungen über das Gaswerkgelände und Einblicken in ihre industriekulturellen Sammlungen. Nun suchen sie weitere Mitstreiter*innen.

Als vor 15 Jahren der Verein Gaswerksfreunde Augsburg gegründet wurde, war das Gelände noch im Dornröschenschlaf. Kaum jemand aus Augsburg kannte das große Areal mit seinen denkmalgeschützen Gebäuden. Nur sehr selten gab es die Gelegenheit, einen kurzen Blick hinter die Mauern des Gaswerks zu werfen. Das hat sich im Mai 2009 geändert. Seither bieten die Gaswerksfreunde Augsburg an jedem 3. Sonntag im Monat historische Führungen an. Wer Lust hat, spannende historische Themen anschaulich zu vermitteln und Besucher*innen durch das europaweit einzigartige Industriedenkmal Gaswerk oder auf das Dach des Gasbehälters zu führen, kann sich vom Gaswerksverein nun selbst »ausbilden« lassen.

Rückblick

Kaum jemand wusste vor 15 Jahren, dass am Gaswerk früher bis zu 250 Mitarbeiter*innen unter teilweise schwierigsten Bedingungen schwer gearbeitet haben, um das ganze Stadtgas für Augsburg und später auch Ferngas für das Umland (sogar bis nach Kaufbeuren) aus Steinkohle herzustellen. Gerade im 2. Weltkrieg haben sie dabei ihr Leben riskiert. Vorstand Oliver Frühschütz begann 2002, die inzwischen ehemaligen Mitarbeiter*innen zum Gaswerk und dessen Funktion zu befragen und das ganze aufzuschreiben. Entstanden ist eine umfangreiche Website unter www.gaswerk-augsburg.de.

Als später im Gaswerk »leergeräumt« wurde, haben ein paar ehemalige Mitarbeiter*innen angefangen, viele Dinge zu retten, bevor diese im Müll für immer verschwunden wären. Das Gästebuch von 1915 mit all den Original-Unterschriften der Erbauer, Abzüge von etwa 300 Baufotos von 1913-1915, aber auch Exponate wie ein großer Elektrowagen, ein Original-Bauplan von 1913 und vieles mehr haben sie »versteckt«. Auch das Stadtarchiv und das Textilmuseum tim haben ihren Beitrag geleistet und viele Unterlagen und Exponate gerettet. Zum Fundus gehören heute außerdem 150 Jahre alte Bücher,  welche die Gasgeschichte von Deutschland und teilweise Europa widerspiegeln und zahlreiche Baupläne sowie Einrichtungsgegenstände aus dem Direktorenbüro.

Im Oktober 2007 haben die Gaswerksfreunde einen Mietvertrag erhalten, um das Gaswerksmuseum zu errichten. Es befindet sich heute in der alten Elektrozentrale mit den riesigen Dieselmotoren von 1918 und 1958. Dank der Initiative von Prof. Karl Ganser wurde von den Stadtwerken auch das Dach des 84 m hohen Scheiben-Gasbehälters als Aussichtsplattform umgebaut. Ab dem 15. März finden wieder öffentliche Führungen über das Gelände und ab April Aufstiege auf den Scheibengasbehälter statt. Also, wer Lust hat, kann selbst zur Gaswerkexpert*in werden.

Kontakt zum Verein:
www.gaswerk-augsburg.de
mail@gaswerk-augsburg.de
0821 585041

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