Künstlerinnen-Kollektiv @ Gaswerk

26.09.2020 - 07:05 | Bettina Kohlen

Das Gaswerksgelände in Oberhausen entwickelt sich allmählich zu einem Kulturort, der auch für die bildende Kunst wunderbare Möglichkeiten bereithält. So wird der Kleine Scheibengasbehälter zum Schauplatz der Ausstellung »Interferenzen«.

Die vier Künstlerinnen Bettina Paschke (Graz), Christine Reiter (Augsburg), Petra Steeger (Rostock) und Nina Zeilhofer (Augsburg), die einzeln, aber auch immer wieder im Kollektiv arbeiten, beziehen sich in ihren Zeichnungen, Objekten und Installationen auf die vorgefundene Industriearchitektur des Scheibengasbehälters, tun dies aber in ihren individuellen Ausdrucksformen. Die Überblendung ihrer Sprachen und Sichtweisen verbindet sich zu einem vielschichtigen Gesamtklang, der von Überschneidungen, Dissonanzen und eben »Interferenzen«, also Schwingungen, lebt.

Bettina Paschkes Zeichnungen sind ein Extrakt ihrer Umgebung, auf ein Minimum reduzierte Strichfolgen, rhythmische Strukturen, geordnete Systeme – Schritte einer zeichnerischen Aneignung und Fragmentierung. Zu Grauwerten gestaut, wachsen die Linien in geordneten Reihen über das weiße Blatt. Aus der Ferne betrachtet, entzieht sich das abstrakte Spiel bisweilen dem Überblick, es flirrt. Der Blick hakt sich fest am Detail.

Christine Reiters Arbeiten – Malereien, Zeichnungen, Wachsarbeiten, Objekte – nehmen das Spielerische ernst. Die raumgreifende Installation „Leitern“ scheint zunächst schwer, starr und stabil zu sein, doch erweisen sich die die einander gegenseitig stützenden und tragenden Leitern bei näherer Betrachtung als äußerst fragil – die Konstruktion aus Papier, Styrodur und Draht bietet keinen Halt, so dass ein Erklimmen der Leitern ausschließlich imaginiert werden kann.

Petra Steeger zeigt Zeichnungen und Objekte, die sich mit der Natur beschäftigen bzw. Naturrelikte verwenden. In ihren Stickarbeiten nimmt sie direkten Bezug auf die an den Innenwänden des Scheibengasbehälters vorgefundenen Spuren industrieller Nutzung.

Nina Zeilhofer thematisiert Raum, Ort und Zeit, nimmt mit ihren Arbeiten Bezug auf die Geschichte und Architektur des Gaswerks mit ihren räumlichen, materiellen und atmosphärischen Aspekten. Das Nachspüren dieser industriellen Vergangenheit und ihrer Produktionsabläufe – symbolisiert durch Stahl, Kohle und Teer – ist Bestandteil der Objekte, Assemblagen und Zeichnungen.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 27. September, um 14 Uhr eröffnet – sofern möglich, im Freien vor dem Scheibengasbehälter. Die geltenden Corona-Schutz-Regelungen müssen eingehalten werden. Die Ausstellung ist bis 4. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 13 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr.

Bild: Objekt von Petra Steeger

Themen:

Weitere Nachrichten

22.10.2020 - 09:38 | a3redaktion

Brisante Kafka-Vertonung am Staatstheater Augsburg: Premiere der Oper »In der Strafkolonie« von Philip Glass am Samstag, 24. Oktober, auf der brechtbühne im Gaswerk.

21.10.2020 - 09:22 | a3redaktion

Die Ringvorlesung »Große Werke der Literatur« der Universität Augsburg startet wegen der anhaltenden Corona-Krise am Mittwoch, 21. Oktober, um 18:30 Uhr in digitaler Form.

20.10.2020 - 16:14 | a3redaktion

»Wunderbare Darstellerin mit facettenreichem Talent« – Der Bayerische Kunstförderpreis geht an das Ensemblemitglied des Staatstheaters Augsburg Jihyun Cecilia Lee.

19.10.2020 - 13:43 | a3redaktion

Die Themen Rituale, Wasser und Reinigung greift am Mittwoch, 21. Oktober, die Installation »abwaschbar« auf. Die Projektion ist zwischen 20 und 22 Uhr an der Fassade der Moritzkirche zu sehen.

19.10.2020 - 07:03 | Martin Schmidt

In der Reihe »Kulturregion trotz Corona« präsentiert a3kultur die Podcast-Staffel »Musik im Blut!?« des Jungen Theaters Augsburg. Hörgeschichten mit 21 Bürger*innen quer durch die Stadtgesellschaft, die in ihrer Freizeit gerne Musik machen. Das ursprüngliche Theaterprojekt 2020 der Bürgerbühne wurde durch Corona zur Audiobühne.

18.10.2020 - 08:01 | a3redaktion

Die interkulturelle Reihe präsentiert sich 2020 in einer Sonderedition.

18.10.2020 - 06:54 | Martin Schmidt

Im Bukowina-Institut erinnert die Ausstellung »ORDER 7161« an eine fast vergessene Periode europäischer Nachkriegsgeschichte: der Deportation von 70.000 Rumäniendeutschen durch Stalin vor 75 Jahren. Vernissage ist am 22. Oktober.

17.10.2020 - 06:36 | Martin Schmidt

Vortrag am Mittwoch, 21. Oktober: »Judenfeindschaft im Schatten des Holocaust: Die antisemitische Politik des französischen Vichy-Regimes«. Zu Gast im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben ist Experte Dr. Michael Mayer.

15.10.2020 - 14:38 | a3redaktion

Das tim verlängert »Amish Quilts meet Modern Art«. Die ursprünglich bis Ende Oktober geplante Ausstellung läuft nun bis ins neue Jahr hinein.

barcsay009.jpg
15.10.2020 - 14:19 | a3redaktion

Stefan Barcsay und Gerald Fiebig präsentieren am Mittwoch, 21. Oktober (20 Uhr), im abraxas ihr erstes gemeinsames Konzertprogramm.