»Nicht alles richtig gemacht«

02.08.2020 - 13:43 | a3redaktion

Kritisierte App geht außer Betrieb: Das Fugger und Welser Erlebnismuseum reagiert auf Vorwürfe einer Schönfärbererei bei Sklaverei und Kolonialismus. Tourismusdirektor Götz Beck bezieht in einer Pressemitteilung Stellung.

 

Eine App führte im Fugger und Welser Erlebnismuseum durch die Ausstellungsräume und die in ihnen dargestellte Geschichte – aus der Perspektive eines 15-jährigen Sklavenjungens. Dies und teilweise auch das Ausstellungskonzept führte von vielen Seiten zu harscher Kritik am Fugger und Welser Museum. Auf die Vorwürfe, man beschönige die Folgen und Auswirkungen von Sklavenhandel und Massenmord an indigenen Völkern, hat nun Tourismusdirektor Götz Beck mit einer offiziellen Stellungnahme reagiert. Die Regio Augsburg Tourismus GmbH ist Betreiber des Fugger und Welser Erlebnismuseums.

Wer die Eröffnungsgeschichte des Museum kenne, wisse, dass es bei Sklaverei und Kolonialismus keine Schönfärberei gebe, so Götz Beck. »Im Jahr 2014 – kurz vor der Museumseröffnung – haben die ursprünglich von mir beauftragten beiden Kuratorinnen ihre Arbeit für das Museum im Streit niedergelegt«, erinnert Beck. »Auslöser für diesen Bruch war, dass sich das Fugger und Welser Erlebnismuseum kritisch mit der Kinder- und Frauenarbeit im frühneuzeitlichen Bergbau sowie nicht zuletzt mit der Geschichte des beginnenden Kolonialismus, mit dem transatlantischen Sklavenhandel sowie der Versklavung und Ermordung der indigener Bevölkerung in Venezuela und Kolumbien durch deutsche Kolonisatoren – Vertretern des Handelshauses der Welser – auseinandersetzen wollte (und dies dann auch verwirklichte).« Jedermann könne diesen kritischen Ansatz heute in Ausstellungstexten im Fugger und Welser Erlebnismuseum wiederfinden.

Dennoch – Beck räumt ein: »Haben wir also alles richtig gemacht? Ich muss einräumen: Nein, das haben wir nicht.« Man habe zunächst einmal unterschätzt, was man Kindern zumuten dürfe, solle und vielleicht sogar müsse. »Wir haben die Kritik aus der Wissenschaft zwar wahrgenommen und intern auch darüber diskutiert, und es ist klar, dass wir diese App in der kritisierten Form nicht mehr einsetzen werden. Die kritisierte App nehmen wir aus dem Museumsbetrieb: Wir werden sie unter Einbeziehung von Expertenrat überarbeiten und verbessern.«

Beck räumt des Weiteren ein, dass man seit einem halben Jahr wisse, dass die App verbesserungswürdig sei, man aber in der Zwischenzeit nicht reagiert habe. Diese Kritik nehme er an. Gleichzeitig verweist Beck darauf, dass die Tourismusbranche der Krise der Corona-Pandemie unterlag, und deshalb die nicht geglückte App nicht die erste Priorität gehabt habe. Nun aber gelte, es zu handeln: »Wir werden nachbessern – ich habe verstanden.«




 

 

 

 



 

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